Auf dieser Seite
Fragen?
Ihre Frage:
 

Lehrstuhl für soziologische Theorie

»Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.« (Franz Kafka)

ML
Luhmann OVG
EVA 2018
Umschlagbild
Joh 4,10

Lehrveranstaltungen im Herbst 2018:

* Führung in Organisationen (namentlich Universitäten) 

(Seminar und Ringvorlesung)

* Phänomenologie der rechten Szene: Erscheinungsformen, 

Netzwerke, mediale Strategien 

(Gegenwärtige Debatten & philosophische Reflexion, mit J. Landkammer)

 (Seminar)

* Gesellschaftstheorie 

(Seminar) 

* Organisations- und Netzwerktheorie 

(Seminar)

* Soziologische Fragestellungen der Medientheorie 

(Seminar)

* Verantwortung 

(Soziologische Perspektive im Zeppelin-Projekt; Vorlesung und Seminar)

zum Selbstverständnis dies


Vorträge und Texte 

*»Randbemerkung zu Warteschlangen«, FAZ vom 27. Juni 2018 (online hier)

* Warum Marx? Drei Fragen zum 200. Geburtstag am 5. Mai 2018

* Drei kurze Thesen zum BGE, diskutiert am 27.4.2018 im Studio 17, Friedrichshafen

* Abschlussrede zur Graduierungsfeier der ZU im März 2018

* »Deutsche Schismogenese« (Zur Debatte zwischen Uwe Tellkamp und Durs Grünbein), udT »Alte Scherben« in der FAZ vom 14. März 2018 (online hier)

* Das Fehlerproblem (Niklas Luhmann am OVG Lüneburg. 

Zur Entstehung der Systemtheorie; Leuphana Lüneburg, 5./6.12.2017)

* Radical Chic: Die Welt als Salon (Lunch Talk, ZU, 18.10.2017), Skript hier

* Dead Sociologists Society: Soziologie nach dem Verlust der Lust an der Gesellschaft (»The Ends of the Humanities«, Luxembourg, 10.-13.9.2017) Bericht hier

soeben erschienen:

Maren Lehmann:

Zwei oder drei: Kirche zwischen Organisation und Netzwerk 

Vorträge. ca. 220 S.; ISBN 978-374-05471-8

Leipzig: eva.



Gelegenheiten. Für Dirk Baecker

(REVUE. Magazine for the Next Society, hg. Maren Lehmann mit Athanasios Karafillidis und Moritz Klenk, August 2015; mit Beiträgen von J. v. Bismarck, B. Brock, R. Bunia, R. Campe, E. Esposito, P. Fuchs, W. Hamacher, A. Haverkamp, C. Hegemann, M. Hutter, St. A. Jansen, A. Karafillidis, L. H. Kauffman, M. Klenk, B. Krusche, J. Landkammer, J. Levi Martin, Th. Macho, B. Priddat, W. Rasch, Raumlabor Berlin, Rimini Protokoll, D. Rustemeyer, E. Schüttpelz, St. M. Seydel, G. Stanitzek, R. Stichweh, Le Théatre des négociations, C. Weiss, R. Wimmer

Diplomatie an der Front (Symposiumsbeitrag zu Bruno Latour, Existenzweisen, Berlin 2014), in: Soziologische Revue 39/4, 2016, S. 537–544.

 

Von der Soziologie versprach sich ihr Namensgeber Auguste Comte nicht weniger als eine »endgültige Wissenschaft«: »die Auflösung unserer intellektuellen Anarchie, der wahren Hauptquelle der sittlichen und sodann der politischen Anarchie« (Soziologie, 1842/1923, S. 3). Das Bezugsproblem dieser ultimativen Disziplin sei »Ordnung« - ein Begriff, den er als Problem der Gesellschaft und deren Organisation versteht und in die Differenz von Statik (l'ordre) und Dynamik (le progrès) übersetzt. Laufend durchkreuzten einander eine »verhängnisvolle Tendenz zur ... Auflösung« und eine vielleicht nicht minder verhängnisvolle Tendenz zur »Befestigung der Ordnung« (a.a.O., S. 6 und 7). Es sei die Soziologie selbst, die sich diesem Verhängnis entgegenstemmt.

Als Georg Simmel ein zähes halbes Jahrhundert später eine neue »Ortsbestimmung« dieser Disziplin und ihres Bezugsproblems vornimmt, schlägt er vor, sich solchen fatalistischen »Größenwahns« zu enthalten (vgl. Soziologie, 1908/1992, S. 9 und 31). Er hält am Ordnungsproblem fest, versteht aber Gesellschaft nicht als notorisch brüchige Organisation, sondern als »Meer« ineinander verwobener Beziehungen zwischen Individuen (a.a.O., S. 14). Über diese Individuen selbst könne man jenseits ihrer immer flüssigen Umgebung nichts wissen. »Das Problem« der Soziologie liege deshalb nicht in einer Befestigung der sozialen Ufer, sondern in der Frage, »wie Gesellschaft möglich ist«, wenn sie aus Elementen besteht, die sie nicht disziplinieren und derer sie nie sicher sein kann (vgl. a.a.O., S. 42ff.).

Talcott Parsons studiert wenige Jahrzehnte später eigens in Europa, um diese Unsicherheit als Bestandsproblem verstehen zu lernen. Er übersetzt das Ordnungsproblem in die Unterscheidung von Struktur und Prozess, die er als »›structural-functional‹ level of analysis« bezeichnet und unter dem Namen des sozialen Systems ausarbeitet (The Social System, 1951, S. vii). Dabei geht es ganz einfach um relational verknüpfte, kontextualisierte Handlungen. »The problem of order« bleibt dabei ausdrücklich ein Organisationsproblem, und zwar insbesondere dann, wenn in sozialen Beziehungen über knappe Güter oder strittige Ziele verbindlich entschieden werden muss (a.a.O., S. 71, vgl. ch. III). An die Stelle der fatalen Komplementarität von Auflösung und Befestigung, wie Comte sie entworfen hatte, tritt damit die sehr zukunftsoffene Komplementarität von ›action‹ und ›decision‹, von Öffnung und Schließung. Soziologie, so Parsons, heiße »analyzing the organization and dynamics of complex social systems« (a.a.O., S. 73).

Aber noch in den 1960er Jahren stellt Niklas Luhmann fest, angesichts einer kaum zu erkennenden »Einheit des Fachs« sei die Soziologie »ziemlich undiszipliniert« (Soziologische Aufklärung 1, 1970, S. 113). Sein Vorschlag läuft darauf hinaus, sowohl Comtes Präferenz für auflösungsresistente Ordnung als auch Parsons' Präferenz für strukturellen Bestand aufzugeben und statt dessen »die Gesamtheit der möglichen Ereignisse« im Kontext der Differenz von »System und Welt« zu beobachten (a.a.O., S. 115). Das Bezugsproblem der Soziologie bleibt die Möglichkeit sozialer Ordnung, die sie unter dem Namen des Systems hinsichtlich der Möglichkeit von Gesellschaft und der Möglichkeit von Organisation untersucht. Aber sie konzipiert dieses Problem jetzt in Form zweier neuer Schlüsselbegriffe: Kontingenz und Komplexität.

Team

Lehmann, Maren Prof Dr phil habil
Tel:+49 7541 6009-1362
Fax:+49 7541 6009-1399
Raum:FAB 3 | 1.39
   |   Curriculum Vitae   |   Veröffentlichungen

Weiss, Christina Dr
Akademische Mitarbeiterin
Lehrstuhl für Soziologische Theorie
Tel:+49 7541 6009-1366
Fax:+49 7541 6009-1399
Raum:FAB 3 | 1.20
   |   Veröffentlichungen