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»Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.« (Franz Kafka)

Matthias Lilienthal (commons)
Bakunin
Montaignes Turm
Occasio

»Stirbt das Theater, nur weil keiner mehr hingeht?«

One Day With & One Day Without Matthias Lilienthal


Mittwoch, 5. April 2017, Fallenbrunnen-Parcours ab 12:00 Uhr: 

One Day Without: Jeden Tag Kaserne 

Mittwoch, 19. April 2017, Diskussion, BlackBox ab 19:15 Uhr:

One Day With: Stirbt das Theater, nur weil keiner mehr hingeht?

Lehrveranstaltungen im Spring 2017:

Problemgeschichte der Soziologie (Fr 10:00-12:30)

Nahrung (Projekteinführung, Do, 9.2. & 16.3., 10:00-12:30)
Das »Altwerden« funktionaler Differenzierung (Beitrag zum 

Blockseminar »Funktionale Differenzierung« [Dirk Baecker] 

am 12.4.17)


zum Selbstverständnis dies

»... daß euer Geist nicht mit euerer Lage verarme« (Jean Paul)
*
Der Spirituskreis diskutiert im Frühjahrssemester 2017 

Tocquevilles »Über die Demokratie in Amerika«.
*
vierzehntägig mittwochs ab 19 Uhr in der Bahnhofskneipe 

Friedrichshafen

Vorträge und Texte  demnächst:

* Mitschriften. Formate universitärer Kritik

(»Eine Woche Zeit« auf Gut Siggen, 

gefördert durch Töpfer-Stiftung und Merkur, 

27.11.-1.12.2017)

* Radical Chic: Über den Umzug des Salons auf’s Land 

(Zwei Kapitel zur Ästhetik des Rechtsintellektualismus, I)

ESA Conference, 25.-27.5.2017, Berlin)

* Passagen des Möglichen

(»Gelegenheit macht Dichter« [Karlheinz Stierle gewidmet], 

Villa Vigoni, 18.-21.5.2017)


zuletzt:

* »Ornament und Verbrechen« podcast

(Ringvorlesung »Politik des Einfachen«, ZU, 28.2.2017)

* Die Unterscheidbarkeit des Unterschiedslosen
(»Terrorismus, fuzzy-logisch und formtheoretisch. Eine
Tagung zur soziologischen Theorie des Terrorismus«,
31.3./1.4.2017, Witten) Bericht hier

* »Wizards of quirk«, oder: Die Kapitalisierbarkeit der Eitelkeit
(Hochstapelei und Unternehmung: Individualisierung in
ökonomischen Kontexten; 7./8.4.2017, Berlin)

 

Von der Soziologie versprach sich ihr Namensgeber Auguste Comte nicht weniger als eine »endgültige Wissenschaft«: »die Auflösung unserer intellektuellen Anarchie, der wahren Hauptquelle der sittlichen und sodann der politischen Anarchie« (Soziologie, 1842/1923, S. 3). Das Bezugsproblem dieser ultimativen Disziplin sei »Ordnung« - ein Begriff, den er als Problem der Gesellschaft und deren Organisation versteht und in die Differenz von Statik (l'ordre) und Dynamik (le progrès) übersetzt. Laufend durchkreuzten einander eine »verhängnisvolle Tendenz zur ... Auflösung« und eine vielleicht nicht minder verhängnisvolle Tendenz zur »Befestigung der Ordnung« (a.a.O., S. 6 und 7). Es sei die Soziologie selbst, die sich diesem Verhängnis entgegenstemmt.

Als Georg Simmel ein zähes halbes Jahrhundert später eine neue »Ortsbestimmung« dieser Disziplin und ihres Bezugsproblems vornimmt, schlägt er vor, sich solchen fatalistischen »Größenwahns« zu enthalten (vgl. Soziologie, 1908/1992, S. 9 und 31). Er hält am Ordnungsproblem fest, versteht aber Gesellschaft nicht als notorisch brüchige Organisation, sondern als »Meer« ineinander verwobener Beziehungen zwischen Individuen (a.a.O., S. 14). Über diese Individuen selbst könne man jenseits ihrer immer flüssigen Umgebung nichts wissen. »Das Problem« der Soziologie liege deshalb nicht in einer Befestigung der sozialen Ufer, sondern in der Frage, »wie Gesellschaft möglich ist«, wenn sie aus Elementen besteht, die sie nicht disziplinieren und derer sie nie sicher sein kann (vgl. a.a.O., S. 42ff.).

Talcott Parsons studiert wenige Jahrzehnte später eigens in Europa, um diese Unsicherheit als Bestandsproblem verstehen zu lernen. Er übersetzt das Ordnungsproblem in die Unterscheidung von Struktur und Prozess, die er als »›structural-functional‹ level of analysis« bezeichnet und unter dem Namen des sozialen Systems ausarbeitet (The Social System, 1951, S. vii). Dabei geht es ganz einfach um relational verknüpfte, kontextualisierte Handlungen. »The problem of order« bleibt dabei ausdrücklich ein Organisationsproblem, und zwar insbesondere dann, wenn in sozialen Beziehungen über knappe Güter oder strittige Ziele verbindlich entschieden werden muss (a.a.O., S. 71, vgl. ch. III). An die Stelle der fatalen Komplementarität von Auflösung und Befestigung, wie Comte sie entworfen hatte, tritt damit die sehr zukunftsoffene Komplementarität von ›action‹ und ›decision‹, von Öffnung und Schließung. Soziologie, so Parsons, heiße »analyzing the organization and dynamics of complex social systems« (a.a.O., S. 73).

Aber noch in den 1960er Jahren stellt Niklas Luhmann fest, angesichts einer kaum zu erkennenden »Einheit des Fachs« sei die Soziologie »ziemlich undiszipliniert« (Soziologische Aufklärung 1, 1970, S. 113). Sein Vorschlag läuft darauf hinaus, sowohl Comtes Präferenz für auflösungsresistente Ordnung als auch Parsons' Präferenz für strukturellen Bestand aufzugeben und statt dessen »die Gesamtheit der möglichen Ereignisse« im Kontext der Differenz von »System und Welt« zu beobachten (a.a.O., S. 115). Das Bezugsproblem der Soziologie bleibt die Möglichkeit sozialer Ordnung, die sie unter dem Namen des Systems hinsichtlich der Möglichkeit von Gesellschaft und der Möglichkeit von Organisation untersucht. Aber sie konzipiert dieses Problem jetzt in Form zweier neuer Schlüsselbegriffe: Kontingenz und Komplexität.

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Lehmann, Maren Prof Dr phil habil
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Weiss, Christina Dr
Akademische Mitarbeiterin
Lehrstuhl für Soziologische Theorie
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