Lehrstuhl für Politische Soziologie

Aktuelles

Profil - Was ist politische Soziologie?

In der Politikwissenschaft wird als politische Soziologie traditionell das Teilgebiet bezeichnet, das sich mit den Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger:innen im politischen System befasst, sowie mit den Aktivitäten intermediärer Organisationen und Akteure, wie Parteien, Interessenverbände und soziale Bewegungen. Die Lehre am Lehrstuhl befasst sich grundsätzlich mit allen diesen Bereichen. Außerdem wirkt der Lehrstuhl an der Methodenausbildung in den politikwissenschaftlichen Studiengängen der Zeppelin Universität mit.

Forschung

Wahlverhalten nach Geburtskohorten in 2025

In der Forschung befasst sich der Lehrstuhl seit Längerem mit den folgenden inhaltlichen Fragestellungen:

  • Welche Rolle spielen soziale Unterscheidungen wie soziale Klasse, Religionszugehörigkeit, Religiosität, Generation/Geburtskohorte, Bildung, Geschlecht, usw. für Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung?
  • Haben sich die Zusammenhänge zwischen sozialen Unterschieden und Wahlverhalten abgeschwächt oder bleiben diese stabil? Gibt es dabei unterschiedliche Entwicklungen nach sozialen Merkmalen oder Regionen?
  • Welchen Einfluss hat die programmatische Entwicklung der Parteien für diese Zusammenhänge?
  • Welche programmatischen Dimensionen gewinnen oder verlieren an Bedeutung?


Diese Fragestellungen werden sowohl mit einem Fokus auf Deutschland als auch in international-vergleichender Perspektive beleuchtet.


Weitere aktuelle Themen der Forschung am Lehrstuhl sind:

  • Was wissen Kandidat:innen von den politischen Präferenzen ihrer Wähler:innen? Was beeinflusst, wie die Kandidat:innen die Positionen der Wähler:innen wahrnehmen?
  • Wie wirksam ist die Manipulation von Wahlkreisgrenzen ("Gerrymandering") hinsichtlich der Sitzverteilung im US-Kongress (oder andere Vertretungskörperschaften)? Kann Gerrymandering auch fehlschlagen?
  • Nutzen Wähler:innen Umfrageergebnisse beim taktischen Wählen?
  • Welchen Einfluss hat der politische Kontext (die relative stärke von Republikanern und Demokraten auf der Ebene der Einzelstaaten oder auf nationaler Ebene) auf die Ausbildung der Parteiidentifikation in den USA. (Parteiidentifikation bedeutet hier, ob sich Wähler:innen mit den Demokraten oder Republikanern identifizieren.)


Neben dieser inhaltlichen Forschung findet am Lehrstuhl auch Methodenforschung statt. Themen sind dabei:


  • Die Rekonstuktion von politischen Positionen aus Wahlprogrammen
  • Validität von Demokratie-Indizes wie Polity IV, usw.
  • Bestimmung des Ausmaßes taktisches Wählens auf der Grundlage von Finite Mixture-Modellen
  • Kommunikation und Visualisierung der Strukturen des Wahlverhaltens angesichts der hohen Anzahl der Parameter der involvierten Modelle
  • Verzerrungen infolge der Verwendung von Average Marginal Effects und Linear Probability Models bei der Analyse mit binären abhängigen Variablen
  • Korrekte Inferenz bei der Mehrebenen-Analyse bei einer kleinen Anzahl von Clustern
  • Messung des politischen Wissens in international-vergleichenden Umfragen
  • Tests von Hypothesen konstanter Wahrscheinlichkeiten in Logit-Modellen für multi-kategoriale abhängige Variablen


Lehre


Der Lehrstuhl bietet regelmäßig die folgenden Lehrveranstaltungen an:


  • Grundlagen und Themen der Politischen Soziologie (BA)
  • Angewandte Datenanalyse / Angewandte Statistik (BA/MA)
  • Research Design I & II (MA)
  • Political Behavior and Public Opinion (BA/MA) mit den Schwerpunkten
    • Populismus und Polarisierung
    • Politische Information und Politische Meinungsbildung


Desweiteren wurden in der Vergangenheit auch folgende Lehrveranstaltungen angeboten:


  • Einführung in die empirische Sozialforschung
  • Empirisches Untersuchungsdesign
  • Democracy & Elections
  • Politics & Society
  • Polity, Politics, & Policy
  • Wahlen und Wahlverhalten


Außerdem wurden vom Lehrstuhl bei Bedarf die folgenden Advanced Methods workshops angeboten:


  • Aufbereitung und Analyse von Umfragedaten
  • Advanced statistical graphics with R
  • Analyse binärer und kategorialer Daten
  • Kausale Inferenz
  • Multivariate Analyseverfahren
  • Panel-Analyse
  • Strukturgleichungsmodelle


Die Lehre zielt dabei auf die Entwicklung kritisch-analytischen Denkens aber auch praktischer Fertigkeiten (z.B. der Datenanalyse). Dazu gehört auch, dass Studierende lernen, nicht nur Gemeinplätze der Medienberichterstattung, sondern auch eigene Annahmen, Eindrücke und Meinungen in Frage zu stellen, um sich so weiter zu entwickeln. Weniger wichtig ist dagegen das Auswendiglernen und Reproduzieren vorgegebener Theorien und Fakten.


Bei Hausarbeiten, Zeppelin-, Humboldt- und Abschlussarbeiten wird Wert darauf gelegt, dass sie eine klare Fragestellung haben, und dass diese eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz hat. Besonders willkommen sind Arbeiten, in denen Studierende eigene Daten erheben oder - selbst erhobene oder schon vorhandene - Daten analysieren.

Es gibt eine Vielzahl von Datensätzen, mit denen dabei gearbeitet werden kann, und die bei GESIS oder anderen Datenarchiven erhältlich sind, z.B.

die German Longitudinal Election Study (GLES), der European Social Survey (ESS) oder die American National Election Study. Diese Datensätze werden auch schon in einigen Lehrveranstaltungen analysiert.

    Was ist überhaupt "forschungsorientiertes Lehre" und "forschungsorientiertes Lernen"?

    Als Forschung gelten diejenigen Handlungen/Aktivitäten, die dem Ziel dienen, den Wissensstand einer Fachdisziplin einer Organisations oder allgemein der Gesellschaft zu erweitern. Was wissenschaftliche Forschung auszeichnet, ist dass ihre Ergebnisse (zumindest potenziell) der Wissenschaft neue Erkenntnisse hinzufügen.


    Damit ihre wissenschaftliche Forschung gelingt, müssen Forschende

    • den relevanten wissenschaftlichen Forschungstand kennen oder zumindest überblicken,
    • Forschungslücken identifizieren können, die sie mit ihrer Forschung schließen können,
    • die für das Forschungsgebiet relevanten Forschungsmethoden korrekt anwenden können.


    Von Studierenden - insbesondere auf BA-Niveau - kann kaum erwartet werden, dass sie diese Bedingungen erfüllen. Forschungsorientierte Lehre kann und soll Studierende aber zumindest zu diesen Bedingungen hinführen.

    Zu forschungsorientierter Lehre gehört, dass

    • deutlich gemacht wird, welche wissenschaftlichen Befunde unbestritten (wissenschaftlicher Konsens) sind und welche einer fachlichen Debatte oder Kontroverse
    • wissenschaftliche Befunde nicht als unhinterfragbare Lehrmeinungen vermittelt werden, sondern kritisch hinsichtlich ihrer empirischen Begründung beleuchtet werden
    • Forschungsmethoden mit der Blickrichtung auf ihre praktische Anwendung unterrichtet werden
    • die Anwendungsbedingen der Methoden verdeutlicht werden.


    Erfolgreiche forschungsorientierte Lehre hat aber auch eine Voraussetzung auf Seiten der Studierenden, das forschungsorientierten Lernen.

    Zu forschungsorientiertem Lernen basiert auf

    • Neugier und Wissensdurst
    • dem Bedürfnis, vermittelte Lehrinhalte nicht nur reproduzieren zu können, sondern auch zu durchdringen und ggf. kritisch zu hinterfragen
    • einer intellektuellen Eigenständigkeit, die es erlaubt sich Inhalte auch selbständig zu erarbeiten
    • Reflexivität, d.h. die Bereitschaft, eigene Annahmen und Meinungen zu hinterfragen und ggf. zu revidieren.

    Lehrstuhlinhaber

    Elff, Martin
    Elff, Martin Prof Dr
    Sprecher des Fachbereichs Staats- und Gesellschaftswissenschaften
    Tel:+49 7541 6009-1369
    Raum:FAB 3 | 1.81

    Assistenz

    Gauss, Janet
    Gauss, Janet
    Academic Administrative Support
    Tel:+49 7541 6009-2234
    Raum:FAB 3 | 1.31
    Zeit, um zu entscheiden

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