
Beim Präsentationstag der studentischen Forschung haben sich viele Projekte damit auseinandergesetzt, wie die Moderne von Darstellungen geprägt wird.
Auch in diesem Spring-Semester war den Studierenden wieder die Vorfreude auf den Student Research Day, bei dem Studierende ihre Forschungsprojekte einer kleinen Öffentlichkeit vorstellen, aus dem Gesicht zu lesen. Das Themenspektrum war breit: von Verhütung bis Populismus war alles Mögliche vertreten. Dabei gab es einen roten Faden, der sich durch viele Vorträge zog: die Performanz.
Nach einer Begrüßung in der Lounge begann der Student Research Day mit einem Vortrag darüber, wie sich junge Menschen in Fragen der Verhütung von Influencer:innen beeinflussen lassen. Der Raum war voll bis zur letzten Reihe mit Studierenden und einigen Professor:innen, sie alle folgten der Forschungsgruppe, die ihre kritischen Analysen präsentierte: zur Rolle sogenannter „Medfluencer“ auf Plattformen wie Instagram oder TikTok – und zu der Frage, wie stark diese Inhalte tatsächlich das Verhütungsverhalten junger Erwachsener beeinflussen.
„Leute fühlen sich unwohl, darüber zu reden – es herrscht zu wenig Aufklärung“, sagt Romy Butz. Die Ergebnisse zeigten, wie stark digitale Algorithmen und soziale Medien das Gesundheitsverhalten prägen können: Ella Mayr sagte: „Influencerinnen zeigen, dass eine Frau nicht die Pille nehmen und damit leben muss, sondern dass es eben Alternative A, B oder C gibt!“.

Eine weitere Gruppe beschäftigt sich mit der Frage, ob Populist:innen in der heutigen Zeit als neue „Helden oder Heldinnen“ gelten können – am Beispiel von Donald J. Trump - ausgehend von Theodor W. Adornos These von 1963, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen für Faschismus weiterbestehen.
Heute seien es jedoch nicht Faschist:innen, sondern Populist:innen wie Trump oder die AfD, die populär seien. „Ob Donald Trump oder die AfD in Deutschland - Der rechte Populismus ist beliebter denn je“, sagt Sara Hakob. Diese Inszenierungen folgen Mustern – sie bedienen sich emotionaler Erzählungen, greifen nach Symbolik, rufen das große Wir-Gefühl auf. Und das alles ist kein Zufall, sondern Performanz – Populist:innen würden alles dafür tun, damit sie immer mehr Reichweite und Zuspruch erlangen. Die Gruppe erläutert der Zuhörerschaft, wie politische Macht heute nicht nur argumentativ, sondern inszenatorisch verteidigt wird.

Zwischen Zyklus-Apps und Wahlkampfshows wurde am diesjährigen Student Research Day eines ganz deutlich: Performanz begegnet uns überall. Sie wirkt im digitalen Raum, wenn Influencer:innen Einfluss auf unser Gesundheitsverhalten nehmen – manchmal mit Herz, manchmal mit Hashtag. Es zeigt sich in der großen Politik, wenn sich Populist:innen in Szene setzen, um Heldengeschichten zu erzählen, die oft mehr Fiktion als Fakt sind.
Ob also beim Scrollen oder beim Wählen – wer etwas darstellt und damit polarisiert, gewinnt Aufmerksamkeit. Und wer Aufmerksamkeit gewinnt, kann beeinflussen und somit ihre Wähler:innen oder Follower instrumentalisieren.
Und auch in den Titeln anderer Vorträge begegnet den Zuhörenden die Frage nach der Darstellung: „Performanz der Weiblichkeit“, „Die Performanz der Stadt Friedrichshafen in Bezug auf gendergerechte Stadtentwicklung“ oder „Performanz der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und afrikanischen Staaten aus ökonomischer, geopolitischer und ökologischer Sicht am Beispiel von Angola“ – all diese Vorträge tragen das Wort „Performanz“ in ihrer These.
So bleibt am Ende nicht nur die Erinnerung an die vierundzwanzig Vorträge mit dreiundsiebzig Studierenden und Kaffeepausen, die zum Weiterdiskutieren einluden, sondern meiner Auffassung nach auch die Erkenntnis: Performanz ist keine Frage der Bühne, sondern der Perspektive.

Beim Student Research Day konnte man außerdem wieder einmal erkennen, dass Studierende beides können: beobachten und hinterfragen. So war es jedenfalls in den Diskussionsrunden zu hören. Die Thesen und Aussagen der Gruppen standen nicht einfach nur so im Raum. Mit Neugier, Tiefe und dem Mut, auch mal zwischen den Zeilen zu lesen, hat die Zuhörerschaft den Vortragenden auf den Zahn gefühlt.



