Blueprints for Studies

Blueprints for Studies 

Katharina Pia Schütz

15.03.- 10.12.24 | White Box | ZF Campus


Wie könnte eine Universität oder eine Akademie aussehen, die sich nicht selbst verzehrt, sondern sich entschieden auf eine planetarische Zukunftstauglichkeit hin ausrichtet? Welche Rolle spielt die Kunst bei der Befragung und Neuausrichtung von Bildungsinstitutionen? Wie könnten Räume und Praktiken aussehen, die das Verhältnis zwischen Kunst, Lernen und Leben neu ausloten?

Diesen Fragen widmet sich das artsprogram unter dem Jahresthema „Academic Cannibalism“ im Jahr 2024 mit dem interdisziplinären Veranstaltungsprogramm und dem immersiven Environment „Blueprints for Studies“.


Academic Cannibalism

Ausgangspunkt für das artsprogram Jahresthema “Academic Cannibalism – Evaluation, Evolution, Extinction” sind die vorwiegend pessimistischen Debatten zur Lage der Universitäten und Akademien. Universitäten stehen heute in dem Ruf, Orte zu sein, die falsche Erwartungen wecken, ihre Mitglieder erschöpfen und sogar krank machen (Bill Readings). Der australische Managementprofessor Peter Fleming beschrieb Universitäten in seinem Buch „Dark Academia“ (2021) als Institutionen, die für viele zur psychischen Hölle geworden sind. Die amerikanischen Kulturtheoretiker Stefano Harney und Fred Moten charakterisierten die Universität als Ort weißer Unterdrückung, in den sich kritische Geister nur noch einschleichen können, um hier so viel wie möglich zu stehlen.

Zugleich aber ist in den Künsten auch schon länger die Rede von einem educational turn (Stephan Dillemuth 2007).

Künstler:innen und Kulturtheoretiker:innen verschreiben sich einer „radikalen Pädagogik“ (Erin Manning 2015), die Lernen mit Alltagspraxis, Begegnungen, Zuhören und Sich-Einander-Zuwenden verbindet. Aus der Kritik patriarchaler, bürokratischer wie neoliberaler Ausbildungssysteme (sowohl der Universität als auch der Akademie) entstehen im Feld der Kunst länger schon alternative Lernräume, die sich, meist selbst organisiert, kollaborativen, somatischen, feministischen und dekolonialen Wissens- und Vermittlungsformen verschreiben und einen affektiv-sinnlichen Weltzugang ins Zentrum stellen. Bereits 1933 gründete sich in den USA das legendäre Black Mountain College. Die sich als progressive Bildungsinstitution verstehende Schule verfolgte den Anspruch, direkte Verbindungslinien zwischen Kunst, Wissenschaft und Leben zu ziehen. 1968 wurde in Großbrittanien von einer Gruppe von hauptsächlich Psycholog:innen als Alternative zu den damaligen Hochschulmodellen die Antiuniversity gegründet, seitdem wird sie von Künstler:innen und anarchistischen Gruppen belebt. In Deutschland riefen Joseph Beuys und Klaus Staeck in den 1970er Jahren die Free International University ins Leben und zeigten, welch großes Versprechen mit dem Konzept der Universität auch unter Künstler:innen verbunden ist. Diesen Entwürfen und Versuchen wendet sich das artsprogram mit „Blueprints for Studies“ über neun Monate in verschiedenen Formaten zu.


Blueprints for Studies | Enviroment

Die Bühnenbildnerin Katharina Pia Schütz verwandelt vor diesem Hintergrund die White Box in einen magisch blauen Study Space, der durch eine entschiedene reduktionistische Setzung eine Umgebung schafft, in der Lernen zur sinnlichen Erfahrung wird. Materialität, Farbe und Einrichtungsgegenstände schaffen hier das Gefühl eines offenen Zeit- und Raumgefüges, das, durchaus verheißungsvoll, über das Hier und Jetzt hinausweist. „Blueprints for Studies“ ist Lernumgebung, Bühne und wachsendes Zukunfts-Archiv und kann von Gästen, Lehrenden, Lernenden diverser Hintergründe und Disziplinen besucht, genutzt und bespielt werden. In der anti-hierarchischen phantasmatischen Lernumgebung von Katharina Pia Schütz wird in unterschiedlichen künstlerischen Formaten gleichermaßen erfahrbar gemacht wie kritisch beleuchtet, welche Impulse für eine alternative „Academia“ von den Künsten ausgehen können.

Katharina Pia Schütz

Katharina Pia Schütz | Biografie

Katharina Pia Schütz studierte Bühnenraum an der HFBK Hamburg und Bildende Kunst an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris. Seit 2015 entwirft sie Bühnenräume für Musik und Sprechtheater u.a. an den Münchner Kammerspielen, an der Staatsoper Stuttgart, am Theater Bremen, am Theater Neumarkt Zürich, an der Schaubühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Außerdem entwickelt sie szenische Räume für Filme und Ausstellungsarchitekturen. Seit 2021 unterrichtet sie als Gastdozentin u.a. an der HCU Hamburg, an der ZHDK Zürich und an der HFBK Hamburg.

Blueprints for Studies | Archiv

Ein von der Kunsthistorikerin, Produzentin und Promovendin im Rahmen des EU-finanzierten Forschungsprogramms FEINART Sophie Mak-Schram kuratiertes Archiv eröffnet den Besucher:innen einen Blick in historische wie gegenwärtige künstlerische Lern-, Lehr- und Lebensprojekte oder sogenannte Para-Institutionen (Sven Lütticken 2015). Das Spektrum der präsentierten Projekte reicht vom 1933 in den USA gegründeten Black Mountain College, der 1968 in London ins Leben gerufenen Antiuniversity und der 1973 in Düsseldorf gegründeten Free International University über aktuellere noch bestehende Projekte wie der School of the Damned (UK seit 2013), der Antiuniversity Now (UK seit 2015) bis hin zum Moabit Mountain Collage, das 2019 seine Arbeit aufgenommen hat.

In monatlichen Beiträgen, Instant-Lectures und performativen Veranstaltungen zeigt das Archiv die Vielfalt der Bildungsentwürfe im Feld der Kunst, spiegelt deren Geschichte und beleuchtet die konzeptionellen Ansätze, Ästhetiken und Funktionsweisen.


Blueprints for Studies | Programm

In dieser Umgebung findet darüber hinaus zwischen April und Dezember 2024 ein Veranstaltungsprogramm mit u.a. der Sound-Künstlerin Nazanin Noori, dem Regisseur Max Linz und der Künstlerin Sonja Alhäuser statt. Mit Sound- Performances, Film-Screenings, kleinen Workshops und einem überbordend-sinnlichen Bankett werden ästhetische Gegenräume in einem scheinbar verfahrenen universitären Ausbildungssystem geschaffen.


Weitere Informationen

Verantwortlich für das Projekt

Rahel Gloria Spöhrer | Kuratorische Leitung des artsprogram der Zeppelin Universität | rahel.spoehrer@zu.de


Prof. Dr. Karen van den Berg | Wissenschaftliche Leitung des artsprogram der Zeppelin Universität | karen.vandenberg@zu.de


Sophie Mak-Schram | Recherche und Co-Kuration Archiv


Marie-Sophie Usadel | Produktion


Niklas Ehret, Jil Tischer| Kuratorische Assistenz


Ramiz Hetemi, Aladi Njei | Technische Einrichtung


Dank an Moritz Colsman | Till Leander Schröder | Max Maier | Markus Enderle | Luisa Gouda

Mehr Informationen zu der Ringvorlesung Academic Cannibalism


Blueprints for Studies | Zeppelin Universität

Geöffnet Mo-Fr 10-17h für Abendveranstaltungen und auf Anfrage

Telefon: 07541 6009 1302

E-Mail: artsprogram@zeppelin-university.net


Förderung

Fränkel Stiftung

Sparkasse Bodensee

Weingut Aufricht

Fränkel Stiftung und Sparkasse Bodensee
Zeit, um zu entscheiden

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