31.01.2024

Öffentliche Ringvorlesung über „Academic Cannibalism“

Die ZU lädt alle Interessierten zur öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Academic Cannibalism“ ein. Wie könnte eine Universität aussehen, die sich nicht selbst verzehrt, sondern sich entschieden auf eine planetarische Zukunftstauglichkeit hin ausrichtet? Wie viel ordnende Kräfte braucht sie und wie viel gesellschaftsverändernde Energien? Wie könnten sich die Mitglieder in einer solchen Universität einrichten? Und wie radikal demokratisch kann sie verfasst sein? Um diese und weitere Fragen geht es in zehn Veranstaltungen von Anfang Februar bis Ende April mit Expertinnen und Experten aus Soziologie, Philosophie und Kunst.


Im 21. Jahrhundert bewegen sich Studierende nicht anders als Professorinnen und Professoren in einem hochbürokratisierten akademischen Alltag, in dem die ständige Erwartung und Forderung nach Selbst- und Fremdevaluation zur allgegenwärtigen Praxis geworden ist. Die Evaluation, die verspricht, die Entwicklung einzelner Forscherinnen und Forscher sowie Institute voranzutreiben, stattet Studierende zwar mit einer Bewertungsmacht aus, ohne sie damit freilich automatisch geistig zu ermächtigen. In der Folge, so schreibt die US-amerikanische Historikerin Joan Wallach-Scott, werden Studierende zu Kunden und Professorinnen und Professoren zu Dienstleistern. De facto wird so, um Friedrich Kittlers berühmte Formel abzuwandeln, eine Austreibung des kritischen Geistes weit über die Geisteswissenschaften hinaus befördert.


Sind Universitäten daher womöglich Orte, die falsche Erwartungen wecken und krank machen? Sind sie Orte, die – wie der australische Managementprofessor Peter Fleming meint – zur psychischen Hölle geworden sind, zu „Darkocracies“? Viele Selbstbeschreibungen von Berufsakademikerinnen und Berufsakademikern neigen dazu, die Situation der Universitäten aus einer (eingebildeten) Opferposition zu beklagen. In der Ringvorlesung „Academic Cannibalism“ dagegen steht die Frage im Fokus, inwiefern in Wahrheit nicht äußerliche Zwänge oder ein seine eigenen Grundlagen unterwandernder, kannibalistischer Kapitalismus – wie die US-amerikanische Philosophin Nancy Fraser ihn zuletzt beschrieben hat – schuld an der gegenwärtigen akademischen Misere sind. Es soll diskutiert werden, welche Vorstellungen zu einer Art Selbstsabotage kritischen Denkens führen und welche Alternativen sich hierzu entwerfen lassen.


Verantwortet wird die Ringvorlesung von Professorin Dr. Karen van den Berg, Inhaberin des Lehrstuhls für Kunsttheorie und Inszenatorische Praxis, Professor Dr. Jan Söffner, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse, und Professor Dr. Armen Avanessian, Inhaber des Lehrstuhls für Medientheorie.


Die Veranstaltungen auf einen Blick:


  • Dienstag, 6. Februar: Einführende Paneldiskussion „Was heißt hier Academic Cannibalism?“ mit Prof. Dr. Karen van den Berg, Prof. Dr. Jan Söffner und Prof. Dr. Armen Avanessian
  • Dienstag, 13. Februar: „Alle Macht den Zahlen? Die Universität im Wettbewerb um Exzellenz“ mit Prof. Dr. Richard Münch, Seniorprofessur für Gesellschaftstheorie und komparative Makrosoziologie an der ZU

  • Dienstag, 20. Februar: „Moabit Mountain College als Bildungsplattform im Exil“ mit der Berliner Künstlerin und Aktivistin Marina Naprushkina


  • Dienstag, 5. März: „Narziss und Echo in der Universität, oder: Wahrnehmung und Kommunikation akademischer Interessen“ mit Prof. Dr. Maren Lehmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologische Theorie an der ZU

  • Dienstag, 12. März: „Between Infrastructural Critique and Critical Infrastructure: what’s anti about AntiUniversity?“ mit Sophie Mak-Schram, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kunsttheorie und Inszenatorische Praxis an der ZU


  • Dienstag, 19. März: „Die Universität heute – eine Genealogie“ mit ZU-Präsident Prof. Dr. Klaus Mühlhahn, Inhaber des Lehrstuhls für Moderne China-Studien
  • Dienstag, 26. März: „Die agile Hochschule“ mit Prof. Dr. Dirk Baecker, Seniorprofessur für Organisations- und Gesellschaftstheorie an der ZU

  • Dienstag, 9. April: Magazine Launch und Vorstellung der studentischen Zeitung „Eine Spurensuche: Neoliberale Ideen im studentischen Leben“


  • Dienstag, 16. April: „Die Akademie: Agon oder Pantheon? Konkurrenz, Kannibalismus, Kunst“ mit Dr. Joachim Landkammer, Akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunsttheorie und Inszenatorische Praxis an der ZU


  • Dienstag, 23. April: „Brain-Eating Zombies: The academic form versus knowledge production“ mit dem Künstler und Kurator Mohammad Salemy und dem Researcher Rafael Pedroso


Beginn der Veranstaltungen ist jeweils um 19.15 Uhr in der Black Box auf dem ZF Campus der ZU im Fallenbrunnen.


Weitere Informationen unter zu.de/veranstaltungen

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