Die ZU lädt alle Interessierten zur öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Academic Cannibalism“ ein. Wie könnte eine Universität aussehen, die sich nicht selbst verzehrt, sondern sich entschieden auf eine planetarische Zukunftstauglichkeit hin ausrichtet? Wie viel ordnende Kräfte braucht sie und wie viel gesellschaftsverändernde Energien? Wie könnten sich die Mitglieder in einer solchen Universität einrichten? Und wie radikal demokratisch kann sie verfasst sein? Um diese und weitere Fragen geht es in zehn Veranstaltungen von Anfang Februar bis Ende April mit Expertinnen und Experten aus Soziologie, Philosophie und Kunst.
Im 21. Jahrhundert bewegen sich Studierende nicht anders als Professorinnen und Professoren in einem hochbürokratisierten akademischen Alltag, in dem die ständige Erwartung und Forderung nach Selbst- und Fremdevaluation zur allgegenwärtigen Praxis geworden ist. Die Evaluation, die verspricht, die Entwicklung einzelner Forscherinnen und Forscher sowie Institute voranzutreiben, stattet Studierende zwar mit einer Bewertungsmacht aus, ohne sie damit freilich automatisch geistig zu ermächtigen. In der Folge, so schreibt die US-amerikanische Historikerin Joan Wallach-Scott, werden Studierende zu Kunden und Professorinnen und Professoren zu Dienstleistern. De facto wird so, um Friedrich Kittlers berühmte Formel abzuwandeln, eine Austreibung des kritischen Geistes weit über die Geisteswissenschaften hinaus befördert.
Sind Universitäten daher womöglich Orte, die falsche Erwartungen wecken und krank machen? Sind sie Orte, die – wie der australische Managementprofessor Peter Fleming meint – zur psychischen Hölle geworden sind, zu „Darkocracies“? Viele Selbstbeschreibungen von Berufsakademikerinnen und Berufsakademikern neigen dazu, die Situation der Universitäten aus einer (eingebildeten) Opferposition zu beklagen. In der Ringvorlesung „Academic Cannibalism“ dagegen steht die Frage im Fokus, inwiefern in Wahrheit nicht äußerliche Zwänge oder ein seine eigenen Grundlagen unterwandernder, kannibalistischer Kapitalismus – wie die US-amerikanische Philosophin Nancy Fraser ihn zuletzt beschrieben hat – schuld an der gegenwärtigen akademischen Misere sind. Es soll diskutiert werden, welche Vorstellungen zu einer Art Selbstsabotage kritischen Denkens führen und welche Alternativen sich hierzu entwerfen lassen.
Verantwortet
wird die Ringvorlesung von Professorin Dr. Karen van den Berg, Inhaberin des
Lehrstuhls für Kunsttheorie und Inszenatorische Praxis, Professor Dr. Jan
Söffner, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse, und Professor
Dr. Armen Avanessian, Inhaber des Lehrstuhls für Medientheorie.
Die Veranstaltungen auf einen Blick:
Beginn der Veranstaltungen ist jeweils um 19.15 Uhr in der Black Box auf dem ZF Campus der ZU im Fallenbrunnen.
Weitere Informationen unter zu.de/veranstaltungen