Transcultural Leadership Summit
Zugeschaltet aus aller Welt für die Frage: Wie gelingt konstruktives Miteinander?
Text: Annika Tremmel | Fotos: Anna Weber
07.01.2025
Life
Ein Fernsehstudio auf dem ZF Campus, um in die ganze Welt zu übertragen.
Ein Fernsehstudio auf dem ZF Campus, um in die ganze Welt zu übertragen.
© Anna Weber
Transcultural Leadership Summit

Zugeschaltet aus aller Welt für die Frage: Wie gelingt konstruktives Miteinander?

Text: Annika Tremmel | Fotos: Anna Weber
07.01.2025
Life

Am Transcultural Leadership Summit nehmen Personen aus der ganzen Welt teil und tauschen sich über kulturübergreifende Führungsfragen aus. Doch wie werden online kulturelle und geografische Grenzen überwunden?

Im Raum 1.06 der Zeppelin Universität füllen sich die Sitzreihen fast vollständig. Vor dem Schild „Transcultural Caravan Network“ steht die Moderatorin im Schein einer Lichtbox. Nachdem die letzten technischen Herausforderungen gemeistert wurden, herrscht konzentrierte Erwartung. 


Schon zu Beginn wird die internationale Zusammenarbeit greifbar: Online zugeschaltete Teilnehmende aus aller Welt tragen aktiv zur Lösung der anfänglichen technischen Probleme bei. Damit ist der Auftakt des diesjährigen Transcultural Leadership Summits gelungen – einem globalen Forum, das den Dialog zwischen Kulturen fördert und interkulturelle Verbindungen stärkt.

Interkulturelle und internationale Diskussion werden beim Transcultural Leadership Summit geführt.
Interkulturelle und internationale Diskussion werden beim Transcultural Leadership Summit geführt.
© Anna Weber

Das Symposium ist eines von zwei World Council-Events, die Studenten und Forschende der Zeppelin Universität und aus aller Welt zusammenbringen. 


Darla Dearhoff, Gründungspräsidentin des World Councils, eröffnet die Veranstaltung mit einer Online-Begrüßung. „Die Mission des World Councils dreht sich um Verbindung“, betont sie. Mit fast 5.000 Kolleg:innen weltweit und über 20 aktiven Arbeitsgruppen sei der World Council ein einzigartiges Netzwerk des Austauschs. „Gerade in einer turbulenten Welt wie der unseren ist es entscheidend, dass wir uns auf unsere gemeinsamen Werte besinnen.“

Der World Council will Verbindungen schaffen in einer fragmentierten Welt

Zu Beginn wird eine interaktive Diskussion angestoßen: „Was bedeutet Transkulturalität für Sie?“ Der Austausch wird von der Moderatorin mit den Worten begleitet: „Dieses Symposium lädt uns dazu ein, tiefere Gespräche zu führen und unsere Perspektiven herauszufordern. Seid offen für neue Denkweisen – es ist eine wertvolle Lerngelegenheit für uns alle.“ Ein Miroboard soll der Online-Community dabei helfen, an der Konversation teilzunehmen.

Aus aller Welt zugeschaltet nach Friedrichshafen in den Fallenbrunnen.
Aus aller Welt zugeschaltet nach Friedrichshafen in den Fallenbrunnen.
© Anna Weber

Das Symposium wurde in Zusammenarbeit mit dem World Council on Intercultural and Global Competence organisiert. Der thematische Schwerpunkt „The Futures of Transculturality – From Education to Leadership“ konzentriert sich auf die zentrale Frage: Wie können wir von der bloßen Anerkennung kultureller Unterschiede zu einem konstruktiven Miteinander und gemeinsamen Werten gelangen?

Die Zukunft der Transkulturalität: Von Bildung zu Führung

Professor Josef Wieland, Gründer des Transcultural Caravan Network, erklärt in seiner Eröffnungsansprache, dass die Herausforderungen der Transkulturalität in einer zunehmend komplexen weltweit über einfache kulturelle Unterschiede hinausgehen. „Wenn wir Teile unserer Identität – wie Gewohnheiten oder Überzeugungen – nicht transformieren können, werden wir in unseren eigenen kleinen Welten gefangen bleiben“, so Wieland. 


Der Schlüssel zur Schaffung neuer Gemeinschaften liege in der Bereitschaft, gemeinsam nach neuen Verbindungen zu suchen. „Wir müssen etwas haben, das uns verbindet, als Menschen“, betont er, „und das, was wir gemeinsam haben, sind unsere Erfahrungen – sei es im Alltag, in den Herausforderungen des Lebens oder in unserer metaphysischen Vorstellung von der Welt.“

Moderator Tobias Grünfelder beim Transkultural Leadership Summit 2024.
Moderator Tobias Grünfelder beim Transkultural Leadership Summit 2024.
© Anna Weber

Impulsvorträge aus aller Welt

Dr. Simon West aus Australien gibt die erste Keynote der Veranstaltung unter dem Titel „Walking Together in a World of Many Worlds“. Dabei zeigte sich, was für eine Vielfalt der digitale Raum bereitstellen kann: Teilnehmende aus aller Welt – von Spanien über Südafrika bis nach Chile – machten die internationale Reichweite und das globale Netzwerk des Summits auf eindrucksvolle Weise erlebbar.


Bayo Akomolafe, Experte für interkulturelle Kommunikation, erklärt: „Wir leben in einer Zeit, in der wir lernen müssen, mit Störungen zu leben.“ Mit seinen Worten „Brother and Sister“ schafft er eine familiäre Atmosphäre und betont die Notwendigkeit, Beziehungen jenseits technologischer Bürokratie zu denken. „Jede Kultur ist bereits transkulturell – wenn wir Unterschiede als Chance begreifen, die Welt neu zu sehen, entsteht wahres Verständnis.“


Ken Gergen ergänzt diesen Gedanken mit seiner kritischen Sicht auf Bildungssysteme: „Unterschiede wird es immer geben – entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen.“ Bildung dürfe nicht als standardisierter Bewertungsprozess verstanden werden, sondern müsse neue, inklusive Formen des Lernens ermöglichen.


Die Kurzimpulse am Ende der Veranstaltung regen mit Themen wie „Navigating Leadership Paradox“ von Prof. Dr. Rikke Kristine Nielsen, „In Search of Commonalities“ von Dr. Yolande Steenkamp und „Promoting Transcultural Dialogue with Art“ von Tião Santos zu weiteren Denkanstößen an.

Interkulturelle Zusammenarbeit auf kleinem Raum.
Interkulturelle Zusammenarbeit auf kleinem Raum.
© Anna Weber

Ein Blick in die Zukunft

Der Transcultural Leadership Summit ist eine Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszublicken und viele Perspektiven zu reflektieren, die aus den verschiedenen Teilen der Welt zusammengebracht wurden. Es wird deutlich, dass es nicht nur darum geht, Unterschiede zu akzeptieren, sondern vielmehr darum, sie als Ausgangspunkt für neue Möglichkeiten zu sehen. „Dies war nur der Anfang einer tiefgehenden Diskussion“, resümiert die Moderatorin. „Es gibt so viel Denkstoff, den wir weitertragen müssen.“


Wer hätte gedacht, dass sich in Friedrichshafen an der Zeppelin Universität eine so internationale Atmosphäre entfalten könnte? Das Symposium eröffnet nicht nur globale Perspektiven, sondern beweist vor allem eines: In einer fragmentierten Welt gibt es kein größeres Potenzial als das der gemeinsamen Erfahrung und des wechselseitigen Lernens.

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