
Die Herausforderungen für öffentliche Unternehmen sind zahlreich. Eine ist aber ganz besonders gravierend. Findet jedenfalls der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke.
„Die größte Gefährdung für die Menschheit ist die zunehmende Unfähigkeit der Menschen, Fälschungen von Wirklichkeit zu unterscheiden“, erklärt ARD-Vorsitzender und SWR-Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke. Seiner Meinung nach ist eine gemeinsame Faktenbasis unerlässlich, um Probleme in einer Demokratie zu lösen. Diese Grundlage sei jedoch gefährdet, da technologische Entwicklungen eine Perfektion erreicht haben, die es ermögliche, Täuschungen glaubwürdig erscheinen zu lassen, erläutert er. Gniffke betont, dass diese wachsende Gefahr nur durch Vertrauen überwunden werden könne: „Vertrauen ist die einzige Basis, und dieses Vertrauen müssen wir herstellen.“
Er gibt zu, dass auch die ARD in den letzten Jahren Fehler in puncto Vertrauen gemacht hat: „Deshalb sitze ich heute hier – um weiterzulernen.“ Transparenz sei der Schlüssel, um Vertrauen wiederaufzubauen. Darüber sind sich alle Teilnehmenden der Eröffnungsdiskussion des diesjährigen Zukunftssalons, die unter dem Motto „Good Governance für Vertrauen in öffentliche Organisationen“ steht, einig.

Der Zukunftssalon, der im September auf dem Campus der Zeppelin Universität stattfindet, versammelt jährlich führende Vertreter der öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen Deutschlands. In Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops wurden aktuelle Themen aus dem Bereich der integrierten Gestaltung mit Verwaltung und öffentlichen Unternehmen und Smart Government vertieft.
Der Veranstaltungsstil, geprägt vom „Salon“-Format, lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich aktiv in den Diskurs über gesellschaftliche Herausforderungen und Zukunftsvisionen einzubringen. „Wir haben eine Idee und ein Regiebuch, aber auch die Flexibilität, Themen im Sinne eines Salons aufzugreifen“, erklärt Prof. Dr. Ulf Papenfuß, Leiter des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy, in seiner Begrüßung.

Die Themen „Good Governance“ und verantwortungsvolle Führung in öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Diskussionen, an denen in diesem Jahr unter anderem die Oberbürgermeister-Kandidaten von Friedrichshafen, Simon Blümcke und Johannes Henne, teilnehmen. Neben den Paneldiskussionen und Keynotes können die Teilnehmenden an Workshops zu Themen wie moderner Führungskräfteentwicklung, der Rolle von KI-Kompetenzen, Gleichstellung sowie der Besetzung und Vergütung von Geschäftsführern öffentlicher Unternehmen teilnehmen.
Unter dem Motto „Good Governance verdient Lob“ werden zudem im Rahmen einer Preisverleihung der „Preis für reflektierte Governance-Praxis“ und der „Preis für Good Governance-Standards“ von der Expertenkommission des Deutschen Public Corporate Governance-Musterkodex verliehen.
Mit dem „Preis für reflektierte Governance-Praxis“ wurde die Stadtwerke Bonn GmbH ausgezeichnet. Mit dem „Preis für Good Governance-Standards“ wurden die Stadt Frankfurt (Oder), die Hanse- und Universitätsstadt Rostock und die Stadt Leverkusen ausgezeichnet.

Ein besonderes Highlight ist die Abend-Keynote von Christian Specht, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim. Specht erzählt von seinem Arbeitsalltag als Oberbürgermeister und den Herausforderungen, die ihm dabei begegnen. Eine der Erkenntnisse, die er in seinem Amt gemacht hat, ist, wie schnell es doch passiert im Hamsterrad des Alltags gefangen zu sein und die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern zu verlieren. So wohnen beispielsweise nur noch 31,5 % seiner Führungskräfte noch in der Stadt.
Er selbst habe das vor allem im Wahlkampf gemerkt, als er einen Haustürwahlkampf führte und so mitbekam, was hinter den Vorhängen eigentlich passiert. Das sei beeindruckend gewesen und manchmal auch tief deprimierend. Inzwischen versucht er aus diesem Grund immer wieder Stadtexkursionen umzusetzen.
Der Zukunftssalon bietet immer wieder einen guten Einblick in die Führungsebene der öffentlichen Unternehmen Deutschlands. In einem Raum voller engagierter Anzugträger, unter denen Frauen leider immer noch in der Minderheit sind, werden vielfältige Themen diskutiert – von strategischen Herausforderungen bis hin zu alltäglichen Problemen. Eine sicherlich spannende Möglichkeit, um sich über Ideen und Impulse zur Zukunft der öffentlichen Verwaltungen Deutschlands auszutauschen.



