Graduierung Spring 2025
Überraschungsrede eines stolzen Vaters an der Abschlussfeier: „Über die Jahre sind wir selbst ZU-ler geworden“
Von Michael Scheyer
24.03.2025
Life
Ein spontaner Redner beim Gala-Abend der Graduierungsfeierleichkeiten im Spring 2025.
Ein spontaner Redner beim Gala-Abend der Graduierungsfeierleichkeiten im Spring 2025.
© Jim Papke
Graduierung Spring 2025

Überraschungsrede eines stolzen Vaters an der Abschlussfeier: „Über die Jahre sind wir selbst ZU-ler geworden“

Von Michael Scheyer
24.03.2025
Life

Die ZU verabschiedet beim Gala-Dinner im Dornier Museum den Jahrgang des Spring-Semesters 2025. Alle Ansprachen regen zum Nachdenken an. Die des Überraschungsredners ist was fürs Herz.

Sein Auftritt stand nicht im Programm, die wenigsten kannten seinen Namen. Was würde er nur sagen? „Wir waren immer involviert in das, was an der ZU passierte“, erklärte der Vater einer Absolventin der ZU, der spontan darum gebeten hatte, beim Gala-Dinner im Dornier Museum ein paar Worte aus der Perspektive der stolzen Eltern verlieren zu dürfen. „So sind wir über die Jahre dann selbst zu ZU-lern geworden“, ergänzte er.


Vier Jahre lange, schwärmte er, habe er noch einmal mitstudieren dürfen. Die Lust am intellektuellen Austausch und die Freude, neue Dinge zu entdecken, habe sich auf die ganze Familie übertragen: „Das war fantastisch!“ Und all die Kommilitoninnen seiner Tochter seien längst Teil der Familie geworden. All das habe er, sozusagen als spontaner Elternbeirat, einmal sagen wollen. Und er schloss seine spontane Ansprache damit, dass er alle Eltern darum bat, einmal aufzustehen, um auch einen Applaus dafür zu erhalten, dass sie das Studium ihrer Töchter und Söhne an der ZU unterstützt hätten.

Ein spontaner Redner beim Gala-Abend der Graduierungsfeierleichkeiten im Spring 2025.
Ein spontaner Redner beim Gala-Abend der Graduierungsfeierleichkeiten im Spring 2025.

Den anwesenden Universitätsbeschäftigen waren diese Worte für das Herz. Denn sie tragen dem Anspruch Rechnung, dass die Gemeinschaft der Zeppelin Universität eine eigene Community ist, vielleicht sogar eine eigene Familie. An der ZU kennt man sich, an der ZU schätzt man sich. Und das, was auf den beiden Campus der ZU passiert, das trägt sich fort in die Freundes- und Bekanntenkreise ihrer Studierenden.

Charmant moderiert wurde der Gala-Abend von Elena Treusch und Lilli German (v.l.).
Charmant moderiert wurde der Gala-Abend von Elena Treusch und Lilli German (v.l.).
© Jim Papke

Das perfekte Timing macht man selbst

Lucia Fuchs und Charlotte Schmid halten die Ansprache der Alumni.
Lucia Fuchs und Charlotte Schmid halten die Ansprache der Alumni.

Ähnliche Worte fanden die beiden ehemaligen Studentinnen Lucia Fuchs und Charlotte Schmid. Sie schlossen Ihr Studium 2023 ab und haben in München ein Unternehmen gegründet: die Habitus GmbH. „Wir sind nicht wegen der Stadt hier“, sagte Lucia Fuchs, „sondern wegen der Menschen. Die ZU ist nicht einfach nur eine Uni, sondern ein Zuhause.“


Und es zähle immer noch zu den schönsten Momenten, lange nach dem Studium Menschen zu begegnen und festzustellen, dass sie auch an der ZU studiert haben. Aber ein Zuhause bleibe nur dann bestehen, wenn man es pflege. Und so luden die beiden Ehemaligen alle frischen Graduierten dazu ein, sich im Alumni-Netzwerk der ZU zu engagieren.


Fuchs und Schmid sprangen übrigens spontan ein. Wussten sie, dass das passiert? Nein. Waren Sie vorbereitet? Nein. Aber wäre es nicht genau das, worum es geht? Einfach mal ins kalte Wasser zu springen und zu machen, anstelle zu reden? „Das perfekte Timing gibt es nicht“, sagte Charlotte Schmid, „man macht das Timing selbst perfekt.“

Warum man kein Arschloch sein soll und Anfänge nicht zauberhaft sind

Daniel Grosfeld beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.
Daniel Grosfeld beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.

Natürlich ist eine Abschlussfeier nur dann eine Abschlussfeier, wenn Absolvent:innen etwas sagen dürfen. Master-Absolvent Daniel Grosfeld machte darauf aufmerksam, wie unterschiedlich die heutigen Lebensrealitäten der Menschen seien. Das habe er gemerkt, als er mit seiner Mutter über den Funktionsumfang von ChatGPT sprach. „Das hat nichts mehr mit meiner Lebensrealität zu tun“, habe die damals gesagt. Da sei ihm klar geworden, wie unterschiedlich die Welten sein könnten, in denen man heutzutage lebe.


Seinen Mit-Absolvent:innen wünschte er daher, nicht den Anschluss an diejenigen Realitäten zu verlieren, die alle Menschen miteinander teilen würden. Vor allen Dingen wünscht er: „Sei kein Arschloch, denn davon hat die Welt genug“.

Theresa Koch beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.
Theresa Koch beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.

Theresa Koch, Bachelor-Studentin, nutzte die Gelegenheit, um mit der romantischen Verklärung dessen aufzuräumen, was man „Anfang“ nennt. Nun, da sie alle den Abschluss in der Tasche hätten, stünden die Graduierten auch vor einem Anfang. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte zwar Hermann Hesse. Aber das stimme eben nur aus der Retrospektive. „Weil sich Anfänge nicht als Zauber anfühlen“, sagte Koch. Wer vor etwas steht, mache sich Sorgen, sei aufgeregt, sei häufig auch überfordert und es koste immer Überwindung.


Der eigentliche Zauber liege darin, dass man hinterher erkenne, dass man das alles geschafft habe. Und der damit verbundene Gewinn für den einzelnen: „Das Vertrauen, dass es gut wird und auch gut werden darf“. Dieses Vertrauen wünschte Koch all den Graduierten für die Zukunft.

Vier Studentinnen und ein Student werden für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet

Dr. Stefan Hofmann mit den Preisträgerinnen des Gips-Schüle Student Research Awards: Theresa Koch, Laura Grohmann und Lara Mixdorf (v.l.).
Dr. Stefan Hofmann mit den Preisträgerinnen des Gips-Schüle Student Research Awards: Theresa Koch, Laura Grohmann und Lara Mixdorf (v.l.).
© Jim Papke

Die Gips-Schüle Student Research Awards erhielten zudem:


  1. Laura Grohmann für „Antisemitismus im linken politischen Spektrum: Eine Analyse im Kontext des Nahostkonflikts bis hin zu dessen jüngster Eskalation“
  2. Theresa Koch für „Zeit, die Beine breitzumachen – Eine feministische Analyse von Raum, Sprache und weiblicher Scham“
  3. Lara Mixdorf für „Wenn aus Strategie Transformation wird: Ein Plädoyer für langfristig ausgerichtete strategische Transformationsprozesse in Unternehmen“


Verliehen wurden die Preise von Dr. Stefan Hofmann, Vorstand der Gips-Schüle-Stiftung, die auch die Preise gestiftet hat. Dotiert ist ein Preis mit 300 Euro.

Juliana Simon (l.) und Tom Höweler mit den Preisträgerinnen des Best Thesis Awards supported by Vindelici Advisors: Laura Grohmann, Emma Grube und Paulina Bulligan (v.l.). Nicht im Bild: Preisträger Tom Andohr.
Juliana Simon (l.) und Tom Höweler mit den Preisträgerinnen des Best Thesis Awards supported by Vindelici Advisors: Laura Grohmann, Emma Grube und Paulina Bulligan (v.l.). Nicht im Bild: Preisträger Tom Andohr.
© Jim Papke

Die Best Thesis Awards supported by Vindelici Advisors erhielten:


  1. Paulina Bulligan für „The Politics of Regulating Agrochemicals“
  2. Laura Grohmann für „Zwischen Geschichte und Gegenwart: Konstruktion und politische Instrumentalisierung von Viktimisierungs-Narrativen im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts“
  3. Emma Grube für „Family-Offices im Spannungsfeld der aktuellen Wirtschaftslage: Eine Analyse der Haupt-Assetklassen und Investitionsstrategien zur langfristigen Vermögenssicherung“
  4. Tom Andohr für „Retrospective and comparative analysis and addition of previous research from the Humboldproject with the topic of analyzing and creating a model of global household food waste in 2018”


Verliehen wurden die Preise von Juliana Simon und Tom Höweler von der Beraterfirma Vindelici Advisors, die auch die Preise gestiftet hat.


Prof. Jan Söffner: "Verschaffen Sie Ihrer inneren Stimme Gehör"

Prof. Jan Söffner beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.
Prof. Jan Söffner beim Gala-Dinner der ZU im Dornier Museum.

Professor Jan Söffner, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse, wurde zum zweiten Mal in Folge von der Absolventenschaft darum gebeten, die Abschlussrede am Gala-Dinner zu halten. Söffner bat die Absolventen darum, stets ihrer inneren Stimme Gehör zu verschaffen und sich nicht zu sehr auf die Macht der künstlichen Intelligenz zu verlassen. Leadership stelle heutzutage andere Anforderungen als das, wofür KI heutzutage viel zu häufig eingesetzt werde.


Auch Elon Musk, der KI dafür nutze, um Behörden auf Effizienz zu prüfen, müsse damit rechnen, dass das, was er mache, von einer KI viel besser gemacht werden könne. „Am Ende könnte Musk selbst von einer KI ersetzt werden“, sagte Söffner. Dennoch sollte man der Macht der Algorithmen nicht mit Hybris begegnen, sondern ihre Beherrschung als Aufgabe begreifen.


ZU-Präsident Professor Klaus Mühlhahn ermutigte in der Ansprache seiner letzten Graduierungsfeier die Absolventinnen dazu, das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren. In der heutigen Zeit sei, in der die Fähigkeit zum respektvollen Zuhören verloren gehe, sei es notwendiger denn je, Brücken zu bauen und das Verbindende zu suchen. „Die Nöte und Ängste anderer zu verstehen, ist unabdingbar“, sagte Mühlhahn. Und die Wissenschaft sollten die Graduierten stets als Form der radikalen Wahrheitssuche in Erinnerung behalten.

Übergabe der Zeugnisse an Bachelor- und Master-Absolvent:innen

Ihre Zeugnisse hatten die Absolventinnen und Absolventen am Vormittag in einer Zeremonie im Graf-von-Soden-Forum auf dem ZF-Campus überreicht bekommen. 

Die Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen aus dem Spring-Semester 2025.
Die Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen aus dem Spring-Semester 2025.
© Anna Weber
Die Master-Absolventinnen und -Absolventen aus dem Spring-Semester 2025.
Die Master-Absolventinnen und -Absolventen aus dem Spring-Semester 2025.
© Anna Weber

Club der Alumni sendet Grußbotschaft

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Zeit, um zu entscheiden

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