
Die ZU verabschiedet beim Gala-Dinner im Dornier Museum den Jahrgang des Spring-Semesters 2025. Alle Ansprachen regen zum Nachdenken an. Die des Überraschungsredners ist was fürs Herz.
Sein Auftritt stand nicht im Programm, die wenigsten kannten seinen Namen. Was würde er nur sagen? „Wir waren immer involviert in das, was an der ZU passierte“, erklärte der Vater einer Absolventin der ZU, der spontan darum gebeten hatte, beim Gala-Dinner im Dornier Museum ein paar Worte aus der Perspektive der stolzen Eltern verlieren zu dürfen. „So sind wir über die Jahre dann selbst zu ZU-lern geworden“, ergänzte er.
Vier Jahre lange, schwärmte er, habe er noch einmal mitstudieren dürfen. Die Lust am intellektuellen Austausch und die Freude, neue Dinge zu entdecken, habe sich auf die ganze Familie übertragen: „Das war fantastisch!“ Und all die Kommilitoninnen seiner Tochter seien längst Teil der Familie geworden. All das habe er, sozusagen als spontaner Elternbeirat, einmal sagen wollen. Und er schloss seine spontane Ansprache damit, dass er alle Eltern darum bat, einmal aufzustehen, um auch einen Applaus dafür zu erhalten, dass sie das Studium ihrer Töchter und Söhne an der ZU unterstützt hätten.

Den anwesenden Universitätsbeschäftigen waren diese Worte für das Herz. Denn sie tragen dem Anspruch Rechnung, dass die Gemeinschaft der Zeppelin Universität eine eigene Community ist, vielleicht sogar eine eigene Familie. An der ZU kennt man sich, an der ZU schätzt man sich. Und das, was auf den beiden Campus der ZU passiert, das trägt sich fort in die Freundes- und Bekanntenkreise ihrer Studierenden.


Ähnliche Worte fanden die beiden ehemaligen Studentinnen Lucia Fuchs und Charlotte Schmid. Sie schlossen Ihr Studium 2023 ab und haben in München ein Unternehmen gegründet: die Habitus GmbH. „Wir sind nicht wegen der Stadt hier“, sagte Lucia Fuchs, „sondern wegen der Menschen. Die ZU ist nicht einfach nur eine Uni, sondern ein Zuhause.“
Und es zähle immer noch zu den schönsten Momenten, lange nach dem Studium Menschen zu begegnen und festzustellen, dass sie auch an der ZU studiert haben. Aber ein Zuhause bleibe nur dann bestehen, wenn man es pflege. Und so luden die beiden Ehemaligen alle frischen Graduierten dazu ein, sich im Alumni-Netzwerk der ZU zu engagieren.
Fuchs und Schmid sprangen übrigens spontan ein. Wussten sie, dass das passiert? Nein. Waren Sie vorbereitet? Nein. Aber wäre es nicht genau das, worum es geht? Einfach mal ins kalte Wasser zu springen und zu machen, anstelle zu reden? „Das perfekte Timing gibt es nicht“, sagte Charlotte Schmid, „man macht das Timing selbst perfekt.“

Natürlich ist eine Abschlussfeier nur dann eine Abschlussfeier, wenn Absolvent:innen etwas sagen dürfen. Master-Absolvent Daniel Grosfeld machte darauf aufmerksam, wie unterschiedlich die heutigen Lebensrealitäten der Menschen seien. Das habe er gemerkt, als er mit seiner Mutter über den Funktionsumfang von ChatGPT sprach. „Das hat nichts mehr mit meiner Lebensrealität zu tun“, habe die damals gesagt. Da sei ihm klar geworden, wie unterschiedlich die Welten sein könnten, in denen man heutzutage lebe.
Seinen Mit-Absolvent:innen wünschte er daher, nicht den Anschluss an diejenigen Realitäten zu verlieren, die alle Menschen miteinander teilen würden. Vor allen Dingen wünscht er: „Sei kein Arschloch, denn davon hat die Welt genug“.

Theresa Koch, Bachelor-Studentin, nutzte die Gelegenheit, um mit der romantischen Verklärung dessen aufzuräumen, was man „Anfang“ nennt. Nun, da sie alle den Abschluss in der Tasche hätten, stünden die Graduierten auch vor einem Anfang. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte zwar Hermann Hesse. Aber das stimme eben nur aus der Retrospektive. „Weil sich Anfänge nicht als Zauber anfühlen“, sagte Koch. Wer vor etwas steht, mache sich Sorgen, sei aufgeregt, sei häufig auch überfordert und es koste immer Überwindung.
Der eigentliche Zauber liege darin, dass man hinterher erkenne, dass man das alles geschafft habe. Und der damit verbundene Gewinn für den einzelnen: „Das Vertrauen, dass es gut wird und auch gut werden darf“. Dieses Vertrauen wünschte Koch all den Graduierten für die Zukunft.

Die Gips-Schüle Student Research Awards erhielten zudem:
Verliehen wurden die Preise von Dr. Stefan Hofmann, Vorstand der Gips-Schüle-Stiftung, die auch die Preise gestiftet hat. Dotiert ist ein Preis mit 300 Euro.

Die Best Thesis Awards supported by Vindelici Advisors erhielten:
Verliehen wurden die Preise von Juliana Simon und Tom Höweler von der Beraterfirma Vindelici Advisors, die auch die Preise gestiftet hat.

Professor Jan Söffner, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse, wurde zum zweiten Mal in Folge von der Absolventenschaft darum gebeten, die Abschlussrede am Gala-Dinner zu halten. Söffner bat die Absolventen darum, stets ihrer inneren Stimme Gehör zu verschaffen und sich nicht zu sehr auf die Macht der künstlichen Intelligenz zu verlassen. Leadership stelle heutzutage andere Anforderungen als das, wofür KI heutzutage viel zu häufig eingesetzt werde.
Auch Elon Musk, der KI dafür nutze, um Behörden auf Effizienz zu prüfen, müsse damit rechnen, dass das, was er mache, von einer KI viel besser gemacht werden könne. „Am Ende könnte Musk selbst von einer KI ersetzt werden“, sagte Söffner. Dennoch sollte man der Macht der Algorithmen nicht mit Hybris begegnen, sondern ihre Beherrschung als Aufgabe begreifen.
ZU-Präsident Professor Klaus Mühlhahn ermutigte in der Ansprache seiner letzten Graduierungsfeier die Absolventinnen dazu, das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren. In der heutigen Zeit sei, in der die Fähigkeit zum respektvollen Zuhören verloren gehe, sei es notwendiger denn je, Brücken zu bauen und das Verbindende zu suchen. „Die Nöte und Ängste anderer zu verstehen, ist unabdingbar“, sagte Mühlhahn. Und die Wissenschaft sollten die Graduierten stets als Form der radikalen Wahrheitssuche in Erinnerung behalten.
Ihre Zeugnisse hatten die Absolventinnen und Absolventen am Vormittag in einer Zeremonie im Graf-von-Soden-Forum auf dem ZF-Campus überreicht bekommen.





