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13.07.2018

Kaum Frauen in den Chefetagen kommunaler Unternehmen Baden-Württembergs

Friedrichshafen. Die Chefetagen öffentlicher Unternehmen sind wie in der Privatwirtschaft in Baden-Württemberg eine Männergesellschaft – Frauen sind dort eine Seltenheit. Sie besetzen gerade einmal 14,6 Prozent oder nur jede siebte Stelle im Top-Management. Im Vergleich aller 16 Bundesländer mit einem Durchschnittswert von 18 Prozent kommt damit Baden-Württemberg auf den 11. Platz. Dies geht aus einer veröffentlichten Studie der Zeppelin Universität (ZU) hervor.


„Der öffentlichen Hand und den öffentlichen Unternehmen wird in der Diskussion um Frauen in Führungspositionen eine Vorbildfunktion zugewiesen“, erklärt Professor Dr. Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU, den Hintergrund der Studie, die dazu beitragen möchte, „in der Debatte zu öffentlichen Unternehmen noch gezielter die Repräsentation von Frauen in den Top-Managementorganen in den Blick zu nehmen.“


Und genau dies haben Papenfuß und sein Forscherteam mit der vom Zentrum für Management und Personalberatung in Bonn geförderten Studie getan. Im April und Mai haben sie in allen 16 Bundesländern die Daten von 69 Städten und 1529 Unternehmen mit 2286 Führungskräften auf Frauen in leitenden Organen wie Geschäftsführung, Geschäftsleitung, Vorstand, Aufsichtsräten und Verwaltungsräten durchleuchtet. Einbezogen waren neben den Landeshauptstädten und den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auch die jeweils vier größten Städte der Länder. Das Forscherteam richtete dabei den Blick auf insgesamt 20 Branchen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, wie etwa Abfallwirtschaft, Bäder, Banken und Finanzwesen, Gesundheit und Soziales, Messen, öffentlicher Personennahverkehr oder Stadtwerke.


Den höchsten Anteil an Frauen im Top-Management erreichte dabei Berlin mit 31,5 Prozent mit weitem Abstand vor Mecklenburg-Vorpommern und Bremen mit jeweils 24 Prozent, Thüringen mit 23,5 Prozent, Sachsen mit 23 Prozent und Brandenburg mit 21,7 Prozent. Das Mittelfeld bildeten Hessen mit 20,5 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 20,4 Prozent, Hamburg mit 19,2 Prozent und das Saarland mit 17,7 Prozent. Das hintere Drittel wird angeführt von Baden-Württemberg mit 14,6 Prozent vor Niedersachsen mit 12,6 Prozent, Bayern mit 12,3 Prozent, Nordrhein-Westfalen mit 11,0 Prozent vor den Schlusslichtern Rheinland-Pfalz mit 8,9 Prozent und Schleswig-Holstein mit 7,8 Prozent.


In der Studie der 69 untersuchten Städte verzeichnen von den baden-württembergischen Städten Karlsruhe mit einem Anteil von 25 Prozent einen Platz im ersten Viertel und Freiburg mit 22,7 Prozent einen Platz in der ersten Hälfte. Mannheim (14,3 Prozent), Stuttgart (8,0 Prozent) und Heidelberg (5,6 Prozent) landeten mit unterdurchschnittlichen Anteilen hinten in der Tabelle. Die Städte mit dem höchsten Anteil waren Offenbach am Main mit 60,7 Prozent sowie Gera und Greifswald mit jeweils 37,5 Prozent, die Städte mit dem geringsten Anteil Kaiserslautern mit 2,6 Prozent und Neunkirchen und Trier mit jeweils 0 Prozent.


„Die Zahlen dokumentieren, dass – abgeleitet von den selbst formulierten Zielen – in vielen Städten nach wie vor großer Handlungsbedarf in Bezug auf die Repräsentation von Frauen in Führungspositionen kommunaler Unternehmen besteht“, resümiert Papenfuß. „Gerade für öffentliche Unternehmen ist die öffentliche Hand gehalten, durch konkrete Maßnahmen ihre gesellschaftspolitische Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen.“


Die vollständige Studie zum Nachlesen unter puma.zu.de