Pionierin des Monats
Laura Knobloch: Extrem fokussiert
von Sebastian Paul
22.04.2026
People
Laura Knobloch
Laura Knobloch
© Anna Weber
Pionierin des Monats

Laura Knobloch: Extrem fokussiert

von Sebastian Paul
22.04.2026
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Was als Interesse an politisch und religiös motiviertem Extremismus begann, hat sich bei Laura Knobloch zum zentralen Schwerpunkt ihrer akademischen Arbeit entwickelt. Wenn sie sich heute mit Terrorismus, Radikalisierung und internationalen Konflikten auseinandersetzt, verbindet sie Neugier mit dem Anspruch, komplexe politische Zusammenhänge besser zu verstehen.

Eine Neigung zu politischen Themen war bei Laura Knobloch zwar schon früh vorhanden, ohne zunächst aber in eine konkrete Entscheidung über ihren weiteren Weg zu münden. Dies zeigt sich auch in der Wahl ihrer weiterführenden Schule, dem Max-Planck-Gymnasium, das zu den wenigen Gymnasien in Baden-Württemberg gehört, die Kunst als Schwerpunkt anbieten. „Mein Interesse an Kunst und Kultur begann vermutlich damit, dass ich mit meiner besten Freundin oft Kunst- und Architekturausstellungen besuchte und wir uns regelmäßig von den Werken begeistern ließen“, erklärt Knobloch. Weiter ging es ab der 8. Klasse mit einem Profilfach und ab der Oberstufe mit einem Leistungskurs in Kunst. Bis in die Oberstufe hinein war ein Architekturstudium für sie vorstellbar, doch parallel dazu entwickelte sich ein wachsendes Interesse an internationalen politischen Zusammenhängen, das ihren Fokus zunehmend auf das Themenfeld der Politik lenkte.

Gezielte Suche nach einem Studium mit Fokus auf Internationale Beziehungen

Doch Laura Knobloch wollte sich nicht auf ein rein politikwissenschaftliches Studium beschränken, sondern suchte gezielt nach einem interdisziplinären Studiengang. Erste Einblicke gewann sie an der Universität Konstanz, wo sie sich bei einem Studientag über das Politik- und Verwaltungsstudium informierte. Zwischenzeitlich bewarb sie sich auch für den PAIR-Bachelor an der ZU, auf die sie rein durch Internetrecherche stieß. „Um die Universität und ihre Menschen auch mal live kennenzulernen, bin ich zusammen mit meiner Mutter nach Friedrichshafen gefahren“, berichtet Knobloch. Dabei wurde ihr schnell klar, dass sie an der ZU studieren möchte, „vor allem wegen dem Fokus auf Internationale Beziehungen und der breiten Kursauswahl, aber auch wegen den vielfältigen studentischen Initiativen und der familiären Atmosphäre“.


Nach einer ersten Orientierung im Studium dauerte es nicht lange, bis sie sich in das universitäre Leben einbrachte und über das Studium hinaus engagierte. Bereits zu Schulzeiten war sie Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und unterstützte während ihres Vorpraktikums den Freundeskreis Asyl Karlsruhe e.V. Im Studium baute sie dieses Engagement deutlich aus, investiert seither viel Zeit in verschiedene Initiativen. Als eine neue Leitung für die studentisch organisierten Blutspendeaktionen in Kooperation mit dem DRK gesucht wurde, übernahm sie gemeinsam mit einem Kommilitonen die Verantwortung für die Initiative. Außerdem setzte sie sich für eine Wahlperiode von zwei Semestern als PAIR-Programmschaftssprecherin in der Hochschulpolitik ein.

Vielfältig engagiert beim Club of International Politics e.V.

Sie war zudem mitverantwortlich für zahlreiche Veranstaltungen als Vorstandsmitglied wie als stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Club of International Politics e.V. Dabei kümmerte sie sich sowohl um die inhaltliche als auch um die strategische Planung politischer Veranstaltungsreihen, vorzugsweise mit Gästen aus Politik und Diplomatie.


Was sie während ihrer Zeit beim CIP ebenfalls entdeckte, war ihre Leidenschaft fürs Moderieren. Neben dem einen oder anderen CIP-Talk co-moderierte sie eine Podiumsdiskussion beim Bodensee Business Forum zu „Demokratie in Gefahr – Hilft oder schadet Protest?“ und eine BürgerUniversität unter anderem mit Roderich Kiesewetter zur Zukunft der europäischen Verteidigung. Hinzu kommt, dass sie seit diesem Semester in der studentischen Initiative FirstGen aktiv ist. Als Erstakademikerin ist es ihr dabei ein besonderes Anliegen, das Netzwerk und die Unterstützung für diese Gruppe von Studierenden an der Universität weiter auszubauen.


„Bis heute versuche ich, möglichst alle Ressourcen an der ZU auszuschöpfen, die es woanders so nicht gibt: ob PraxisCoaching, Zeppelin- und Humboldt-Projekt, das Engagement auf unterschiedlichen Ebenen oder sich auf Praktika oder Stipendien zu bewerben, auf die man sich sonst nie beworben hätte – entweder weil man nicht auf die Idee gekommen wäre oder es sich nicht zugetraut hätte“, erzählt Knobloch, die aufgrund ihrer akademischen Leistungen und ihr außeruniversitäres Engagement erst ein Deutschlandstipendium und anschließend ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft erhielt. „Ich bin überzeugt, dass mich die vielfältigen Möglichkeiten an der ZU optimal auf die Zeit nach meinem PAIR-Studium vorbereiten.“

Praktika führen nach München und New York

So machte sie zunächst ein Praktikum bei der Münchner Sicherheitskonferenz, wo sie in den beiden darauffolgenden Jahren auch als Volunteer unterstützend mitwirkte. Weiter ging es nach New York zur Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen. „Hier hatte ich mit einer Zusage überhaupt nicht gerechnet. Umso eindrucksvoller war es dann: Denn zum einen durfte ich an einigen Sitzungen des UN-Sicherheitsrats teilnehmen, zum anderen habe ich mich in die Stadt verliebt“, verrät Knobloch. Weitere Perspektiven erwartet sie von ihrem bevorstehenden Praktikum im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. „Im Vergleich zu meinen bisherigen Stationen eröffnet dieses Praktikum noch einmal ganz neue Einblicke“, sagt Knobloch, die sich perspektivisch auch praktische Erfahrungen bei Interpol oder der NATO vorstellen kann.

Forschungen zu Terrorismus, Extremismus und Radikalisierung im Mittleren und Nahen Osten

Wohin die Reise fachlich geht, zeigte sich bereits in den ersten beiden Semestern beim Zeppelin-Projekt: „Das Scheitern des Nachhaltigen Friedens in Afghanistan“ lautete der Titel des studentischen Gruppenforschungsprojekts. „Dabei haben wir vor allem die terroristischen Aktivitäten der Taliban analysiert. Und schon damals faszinierte mich an der Forschung, wie viele neue Erkenntnisse man allein aus Experteninterviews gewinnen kann“, beschreibt Knobloch, die auch am Lehrstuhl für Politikwissenschaft von Professor Dr. Joachim Behnke Einblicke in die Forschungspraxis gewann.


Terrorismus, Extremismus und Radikalisierung im Mittleren und Nahen Osten ist ein Themenfeld, das sie nicht mehr verließ. Insbesondere das Interesse an der engen Verschmelzung von Religion und Politik – auch weiter angefacht durch einen Kurs, bei dem sie sich mit der neo-salafistischen Szene in Deutschland beschäftigte – führte sie zu einem Thema, das sie sowohl in ihrem aktuellen Humboldt-Projekt als auch in ihrer anschließenden Bachelorarbeit untersucht. „Ich möchte die historische Genese und die sozial-psychologischen Mechanismen des Märtyrermotivs betrachten und dabei vergleichend auf den Islam und auf das Christentum blicken. Oder zugespitzt formuliert – mit den Worten von Peter R. Neumann: What goes on before the bomb goes off?“, erläutert Knobloch. Und sie fügt hinzu: „Als ich meinem Karlsruher Freundeskreis davon erzählte, womit ich mich im Studium beschäftige, war niemand wirklich überrascht. Weil sie schon früh mitbekamen, wie sehr mich Themen wie das Erstarken des Islamischen Staates im Irak und in Syrien oder der Umgang mit aus Deutschland und anderen Herkunftsländern stammenden IS-Rückkehrern beschäftigten.“


Verbunden mit ihrem ausgeprägten Interesse an Politik kann sich Laura Knobloch als ein mögliches Berufsfeld eine Tätigkeit im Auswärtigen Dienst vorstellen. Zur Vorbereitung darauf vertiefte sie zusätzich ihre Französischkenntnisse und verbrachte ein Auslandssemester an der Sciences Po in Reims. Neben den Eindrücken von der Arbeit des Auswärtigen Amtes durch ihr Praktikum in New York gewann sie weitere Einblicke im Austausch mit ihrer PraxisCoachin, die nach ihrem Studium an der ZU eine diplomatische Laufbahn einschlug. „Zunächst möchte ich meine fachlichen Schwerpunkte in einem Masterstudium vertiefen – idealerweise in den Niederlanden oder im Vereinigten Königreich, wo es spezialisierte Programme im Bereich der Terrorismusforschung gibt“, verrät Knobloch, die sich aktuell langfristig in einem internationalen Umfeld sieht, etwa in der Forschung, in internationalen Organisationen oder in Behörden mit Schwerpunkt auf Sicherheit und Terrorismusbekämpfung.

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