
„Steh für das ein, was du für richtig hältst“: Das beherzigt Gabriel Hoensbroech in allem, was er tut und kundtut. Ob in der Freiwilligenarbeit im Osten Europas und im Nahen und Mittleren Osten, in seinen Ämtern als Vorsitzender des Club of International Politics e.V. und Kreisvorsitzender der Jungen Union Bodensee oder in den Seminaren im PAIR-Bachelorstudium: Gabriel Hoensbroech steht zu seinen Überzeugungen, bleibt dabei aber offen neuen Perspektiven gegenüber.
Geboren in München als Ältester von fünf Geschwistern zog Gabriel Hoensbroech in seiner Kindheit und Jugend von einer Großstadt zur nächsten, von München über Köln und Berlin nach Dortmund. „Es war nicht immer leicht, weil ich mir mit jedem Umzug ein neues Umfeld aufbauen musste. Doch haben mich diese Erfahrungen gelehrt, dass es jederzeit möglich ist, sich in eine neue Umgebung einzuleben“, erzählt Hoensbroech, der seine erste Politisierung durch den Umzug von Köln nach Berlin erlebte: „Die Berliner waren in bestimmten Schulfächern deutlich weiter als die NRWler und umgekehrt. Da habe ich mich zum ersten Mal gefragt: Woran liegt das eigentlich? Die Antwort habe ich dann im Bildungsföderalismus gefunden.“
Weitere politische Einblicke gewann Gabriel Hoensbroech, als einer von zwei gesellschaftlich engagierten und politisch aktiven Großvätern ihn am Abend der Bundestagswahl 2017 auf die Wahlpartys von FDP, CDU und SPD mitnahm. „Generell haben wir ein sehr enges und inniges Familienverhältnis, sodass viel von dem politischen Interesse meiner Familie auf mich abgefärbt hat“, erläutert Hoensbroech. Weitaus prägender aber sollte ein Auslandssemester am Lycée Montaigne in der libanesischen Hauptstadt Beirut werden – war er doch zu einem Zeitpunkt im Libanon, als es zu landesweiten Protesten gegen die Regierung kam und zwei Wochen lang alles stillstand. „Wir standen Seite an Seite mit den Libanesen auf der Straße und haben miterlebt, wie vor allem die Jugend sich gegen Ungerechtigkeit und Korruption aufbäumte und aus dem Land mit 18 anerkannten Religionsgemeinschaften eine Einheit wurde. Für kurze Zeit hat es niemanden interessiert, ob man katholisch, maronitisch, sunnitisch, schiitisch, drusisch oder sonst was war“, berichtet Hoensbroech.
Dadurch war der Funke für das Thema Außenpolitik übergesprungen und Hoensbroech seither der Region des Nahen und Mittleren Ostens verfallen, was sich auch darin ausdrückt, dass er seit Jahren das Libanonprojekt der Malteser unterstützt. In Sommercamps verbringen internationale Volontär:innen bis zu drei Wochen mit Menschen mit Behinderung in den libanesischen Bergen und ermöglichen ihnen dort eine Eins-zu-eins-Betreuung, die in Heimen nicht gewährleistet werden kann. „Letztlich geht es darum, ihnen menschliche Nähe und Wertschätzung zu schenken und ihre Würde spürbar werden zu lassen“, ergänzt Hoensbroech, der über zwei Monate hinweg auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus und nahe der westsyrischen Stadt Homs Freiwilligenarbeit leistete: „Es ist wahnsinnig bedrückend, wenn man inmitten zerstörter Stadtteile steht und sich kaum vorstellen will, was da passiert ist.“ Viel von dem Erlebten kann er jetzt auch in sein Studium einfließen lassen: „Daraus ist ein Antrieb entstanden, später seinen eigenen Beitrag dazu zu leisten, dass so etwas wie dort möglichst wenig passiert. Wie auch immer das gelingen mag.“
Je älter Gabriel Hoensbroech wurde, desto mehr kristallisierte sich auch seine parteipolitische Überzeugung heraus. „Die CDU ist meine politische Heimat. Gerade bei den Grundwerten und dem christlichen Menschenbild, das für mich als gläubigen Christen eine besondere Rolle einnimmt. Die Grundüberzeugung, jeden Menschen als individuelles und integrales Mitglied der Gesellschaft zu sehen, zugleich aber auch zu erkennen, dass das Individuum verpflichtet ist, sich für diese einzubringen“, erklärt Hoensbroech. Folgerichtig trat er Anfang 2021 in die Junge Union ein, kurz vor der darauffolgenden Bundestagswahl auch in die CDU. Und sobald es die Zeit irgendwie zuließ, engagierte er sich im Straßenwahlkampf: ob für Kommunal- und Landtagswahlen in NRW und Sachsen oder für die Bundestagswahlen. „Schlimm genug, dass man sich immer häufiger Pöbeleien aussetzen muss“, bemerkt Hoensbroech. „Man merkt, dass die politischen Ränder stärker werden. Das ist demokratieschädigend. Die politische Mitte müsste sich zusammenschließen, anstatt sich andauernd untereinander anzugehen.“
Noch vor dem Studium ging Gabriel Hoensbroech in den Deutschen Bundestag zum Praktikum im Büro des CDU-Politikers Paul Ziemiak. Gleich im ersten Monat begleitete er den Bundestagsabgeordneten auf eine Reise in ein ihm wohl bekanntes Land: den Libanon. „Durch die Treffen mit dem Premierminister oder Parteivorsitzenden der christlichen Parteien und einem Besuch in einem Flüchtlingslager lernte ich das Land von einer ganz anderen, nicht minder spannenden Seite kennen“, beschreibt Hoensbroech. Der Kontakt blieb bestehen, denn bereits kurz nach dem Studienstart wurde er studentischer Mitarbeiter bei Paul Ziemiak und kümmert sich seitdem um Redenschreiben, Ausschussarbeit, Terminvorbereitungen und um Bürgerkommunikation. „Paul Ziemiak ist für mich ein politisches Vorbild. Von ihm habe ich gelernt, wie man politische Ideen überzeugend vermittelt, Brücken baut und sich politisch für andere einsetzt. Und natürlich ein stark erweitertes, praxisbezogeneres Politikverständnis“, erklärt Hoensbroech.
Weit vor dem Abitur stand für Gabriel Hoensbroech fest, dass er den PAIR-Bachelor an der ZU studieren möchte. „Einen nicht geringen Anteil an meiner Entscheidung hatte meine unter anderem als Studienberaterin tätige Mutter: Sie weiß, wie ich ticke, und hat mir den PAIR-Bachelor und die ZU nahegelegt“, erläutert Hoensbroech. „Was die Universität besonders auszeichnet, ist, dass sie einen lehrt, die eigene Meinung herauszubilden und zu vertreten, aber auch andere Meinungen auszuhalten. Erst die unterschiedlichen Perspektiven auf ein- und dasselbe Thema sind es, die das Studium bereichernd machen.“ Umso gespannter blickt er auf das, was ihn in seinem Auslandssemester an der UC Berkeley erwartet: „Mit Menschen aus allen Ecken der Welt zusammengewürfelt zu werden, bietet eine wunderbare Chance, viel Neues lernen zu können.“
Auch kann Gabriel Hoensbroech dort die Fragen, die ihn momentan besonders beschäftigen, weiter vertiefen: Wann geht Staatlichkeit kaputt und was sind mögliche Folgen daraus? Wie gelingt es, eine fragile Staatlichkeit zu verhindern oder aus einem politisch zerklüfteten Staatengebilde eine stabile Demokratie zu formen? Und wie kann unsere eigene Demokratie vor inneren Feinden geschützt werden? „Es ist erschütternd, unter welchem Druck unsere Demokratie steht. Es ist höchste Zeit, dass in Berlin ein produktiver Umgang mit den Gefahren für unsere Demokratie gefunden wird“, kommentiert Hoensbroech.
Darum geht es auch in Veranstaltungen des studentisch geführten Club of International Politics e.V. (CIP) vorwiegend mit Gästen aus Politik und Diplomatie. „Als ich mich erstmals intensiver mit der Universität auseinandergesetzt hatte, war mir klar, dass ich die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten möchte“, erzählt Hoensbroech. Nach einem Jahr als Beisitzer wurde er als Vorsitzender für das Jahr 2025 gewählt. Und prompt folgte die erste große Herausforderung, als plötzlich die Ampelkoalition zerbrach und Neuwahlen angesetzt wurden – und adhoc mehrere Diskussionsrunden zum Wahlkampf und zum Ausgang der Bundestagswahl 2025 auf die Beine gestellt werden mussten. „Funktioniert hat das nur, weil das Team so gut zusammenhält und zusammenarbeitet“, bemerkt Hoensbroech, der bereits jetzt auf ein erfolgreiches Jahr blicken kann: Die Zahl der Mitglieder ist um knapp 60 Personen auf mehr als 360 gestiegen; und allein durch die CIP-Veranstaltungen werden in diesem Jahr mehr als 2000 Gäste an die ZU gekommen sein. „Das macht einen echt stolz“, sagt Hoensbroech. Zum Abschluss seiner Vorstandsarbeit wartet ein besonderes Highlight auf ihn: Wenn demnächst mit Gregor Gysi einer der bekanntesten Politiker Deutschlands zu einem Global Talk erwartet wird – und er als Moderator durch die mit rund 400 Gästen ausgebuchte Abendveranstaltung führt.
Wohin es nach dem Bachelorstudium geht, weiß Gabriel Hoensbroech noch nicht. So oder so will er sein ehrenamtliches Engagement auf jeden Fall fortführen: „Ehrenamt ist für mich Ehrensache. Das liegt auch an den Werten, die mir meine Familie mit auf den Weg gegeben hat. Ich will meinen Beitrag für die Gesellschaft dort leisten, wo es mir möglich ist. Wie auch immer das aussehen mag.“



