
In einer internationalen Organisation an Reform- und Friedensprozessen mitzuwirken, um einen Beitrag zu leisten, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und die Welt friedlicher zu gestalten: Luca Julie Kuhlmann ist auf einem guten Weg, ihre selbst gesteckten Ziele auch zu erreichen. Davon jedenfalls zeugen ihre bisherigen Entwicklungsschritte mit Praktika im Büro des Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments Rainer Wieland in Brüssel und in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf – sowie einem PAIR-Bachelor an der ZU und einem Auslandssemester an der University of California, Berkeley.
Aufgewachsen ist Luca Julie Kuhlmann in Dorsten, einer im äußersten Norden des Ruhrgebietes gelegenen Stadt. Dass sie sich für vieles begeistern kann, hatte nicht nur damit zu tun, dass ihr die Schule leicht von der Hand ging. „Meine Eltern haben mich immer darin bestärkt, meinen Interessen nachzugehen“, berichtet Kuhlmann. Eine Initialzündung für alles, was danach kommen sollte, und zugleich Zeugnis ihres breitgefächerten Interessenspektrums bildete ihre Teilnahme an der JuniorAkademie NRW: Dort belegte sie einen Kurs zu Biomimikry und Bionik. „Die JuniorAkademie war prägend, weil ich erstmals Gleichgesinnten begegnete, die mit viel Leidenschaft ihre Interessen verfolgen und so ein motivierendes Umfeld schaffen.“ Ein Jahr später tauchte sie bei einer Sommerakademie in Litauen in die Welt der Wirtschaft ein. „Teil dessen war auch ein gemeinsam mit litauischen Schüler:innen einstudiertes Abschlusskonzert. Dabei durfte ich hautnah erleben, was Völkerverständigung bedeutet“, so Kuhlmann.
Im Zeichen von Verständigung und Begegnung stand auch ein
Projekt, das aus einer Bildungspartnerschaft ihres Gymnasiums mit dem Jüdischen
Museum Westfalen hervorging. „Dank eines engagierten Religionslehrers hatten
wir das große Glück, bei verschiedenen Bildungsprojekten zur jüdischen Religion
und Kultur mitzumachen“, bemerkt Kuhlmann. Was in einem Nebensatz beiläufig erwähnt
wurde, ließ sie nicht mehr los: die Kindertransporte nach Großbritannien, um
jüdische Kleinkinder und Jugendliche vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. In
einer englischsprachigen Facharbeit skizzierte Luca Julie Kuhlmann zunächst den
historischen Kontext. Mittelpunkt ihrer Arbeit aber war ein Videointerview mit
einer mittlerweile in den USA lebenden und damals 97-jährigen Zeitzeugin Erika
E. Estis, die inzwischen verstorben ist. „Niemals zuvor und danach bin ich einem
Menschen begegnet, der so viel Lebensweisheit und Lebensmut ausstrahlt“,
erwähnt Kuhlmann, die für ihre Facharbeit vom Jüdischen Museum Westfalen mit
dem Margot Spielmann-Preis prämiert wurde.
Nahtlos anknüpfend ging Luca Julie Kuhlmann nach dem Abitur mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste nach London zum Leo Baeck Institute, dem führenden Forschungsinstitut für deutsch-jüdische Geschichte und Kultur. Dort betreute sie die Website und Social-Media-Kanäle, organisierte Vortrags- und Filmabende und überprüfte die eigene Flugschriftensammlung auf ihre Digitalisierung hin. Und das komplett im Homeoffice, waren ihre Zeit und ihre Arbeit in London doch sehr stark beeinträchtigt von der Coronapandemie und zwei harten Lockdowns. In dieser Phase hatte sie das Bedürfnis und Gefühl, einen aktiveren gesellschaftlichen Beitrag in der Krisensituation zu leisten. Also ließ sie sich von St John Ambulance als Volunteer Vaccinator ausbilden, um wöchentlich in überall in London verteilten Impfzentren Mitmenschen impfen zu dürfen.
Noch zu Oberstufenzeiten wurde Luca Julie Kuhlmann auf die Schülerakademie der ZU aufmerksam. „Eine junge, kleine und moderne Universität, die den Anspruch erhebt, anders zu denken, Neues zu wagen und damit Pionierarbeit zu leisten: Die Idee der Universität hat mich sofort angesprochen“, erläutert Kuhlmann. Begeistert von dem Format, nahm sie daran sogar zweimal teil, belegte erst einen Kommunikationskurs, dann einen Wirtschaftskurs. Noch vor ihrem Auslandsjahr in England hatte sie die Zusage für einen Studienplatz – und für ein ZU Stipendium.
Anders als die Interessen bei der Schülerakademie vermuten lassen, studierte Luca Julie Kuhlmann ab dem dritten Semester den PAIR-Bachelor. Dorthin wechselte sie vom SPE-Bachelor, weil sie am Lehrstuhl für Global Governance eine Stelle als studentische Hilfskraft angeboten bekam sowie zur stellvertretenden Vorsitzenden des Club of International Politics e.V. gewählt wurde. „Dadurch ist mir bewusst geworden, dass mich vor allem der Bereich Internationale Beziehungen fasziniert und begeistert. Ich wollte unter anderem mehr darüber erfahren, was passiert, wenn unterschiedliche Länder und Kulturen in internationalen Organisationen aufeinandertreffen und was es für eine konstruktive Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft braucht“, erklärt Kuhlmann.
Internationale Organisationen, Konfliktmanagement und Menschenrechte sind Themen, mit denen Luca Julie Kuhlmann sich im Studium an der ZU und im Auslandssemester an der University of California, Berkeley, beschäftigt hat. Hier analysierte sie, welche Risken und Chancen mit dem Ausschluss von Staaten aus internationalen Konventionen verbunden sind; dort untersuchte sie, wie Menschenrechte mit Klimawandel im Speziellen und globaler Gesundheit im Allgemeinen zusammenhängen und wie digitale Ermittlung im Nachweis von Menschenrechtsverbrechen eingesetzt werden kann. „Besonders dankbar bin ich für die Förderungen der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Gips-Schüle-Stiftung, die mir erlaubt haben, ganz anders über Möglichkeiten nachzudenken, und mir das Auslandssemester überhaupt erst ermöglicht haben“, bemerkt Kuhlmann.
Was sie genauso viel gelehrt hat wie die politikwissenschaftlichen Kurse, war ihr Engagement in den studentischen Initiativen und in der Hochschulpolitik. „Das ist es, was die ZU ausmacht: Dass man das in den Kursen gelernte in Diskussionen mit Persönlichkeiten aus Politik und Diplomatie unmittelbar anwenden kann“, bemerkt Kuhlmann. Besonders viel Herzblut steckte sie in ihre Vorstandsarbeit für den CIP. Der Verein hat eine lange Tradition, eine Brücke zwischen Stadt, Studierenden und der internationalen Politik zu bilden. „An meiner Seite hätte ich mir kein besseres Team – bestehend aus einigen meiner engsten Freund:innen – wünschen können“, berichtet Kuhlmann, die sich vor einem Jahr aus der Vorstandsarbeit zurückgezogen hat. „Es ist schön zu sehen, dass der Verein sich weiterhin so gut entwickelt.“
Was sie an der ZU ebenso lernte, war, wie wichtig es ist, sich zu vernetzen, um neue Türen zu öffnen. Aus der Organisation und Moderation eines Global Talk mit dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments Rainer Wieland ergab sich die Möglichkeit, ein Praktikum in dessen Brüsseler Büro zu machen. „Das Praktikum hat mir bestätigt, wie relevant die Europäische Union im täglichen Leben der Bürger:innen ist, aber auch die Schwachstellen der Institutionen wie die überbordende Bürokratie offenbart“, erwähnt Kuhlmann. Auch ein Global Talk mit Dr. Katharina Stasch, Botschafterin und Ständige Vertreterin der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf, mündete in einem Praktikum. „Das war mein absolutes Traumpraktikum. Zum einen, weil in Genf viele humanitäre Organisationen ihren Sitz haben, zum anderen, weil mir viel Verantwortung übertragen und viel Vertrauen entgegengebracht wurde“, erzählt Kuhlmann, die unter anderem Deutschland im UN-Menschenrechtsrat vertreten durfte.
„Auf meinem Lebensweg haben mich die Programme, an denen ich teilnehmen durfte, und die Personen, denen ich dadurch begegnet bin, geprägt – weil sie mir aufgezeigt haben, was alles möglich ist. Mir haben sich Türen geöffnet, von denen ich nicht einmal wusste“, erzählt Kuhlmann, die versucht, diese Türen für andere offen zu halten, indem sie beispielsweise jüngere Kommiliton:innen bei Stipendienbewerbungen unterstützt.
In dem Bewusstsein, dass sie nach ihrem Auslandssemester noch ein Studienjahr an der ZU hat, kandidierte sie als studentische Senatorin – und wurde schließlich gewählt. „Langfristig die Diversität der Studierendenschaft durch Stipendienprogramme sichern und den Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden durch die Etablierung von Office Hours noch enger gestalten: Das sind Projekte, die ich in meiner Amtszeit realisieren möchte“, sagt Kuhlmann.



