Pionier des Monats
Clemens Englert: Mit Kontakten zum Unternehmergeist
von Sebastian Paul
26.02.2026
People
Clemens Englert
Clemens Englert
© Richard Reichel
Pionier des Monats

Clemens Englert: Mit Kontakten zum Unternehmergeist

von Sebastian Paul
26.02.2026
People

Seit den ersten Begegnungen ist Clemens Englert bewusst geworden, wie viel Unternehmergeist in den Köpfen an der ZU steckt, bisweilen aber lediglich vor sich hinschlummert. Die Idee, diesem Geist neues Leben einzuhauchen, war geboren. Seitdem steht die von ihm jahrelang geleitete Initiative „Startup Village by Tatendrang“ in Kontakt mit ehemaligen Studierenden, die erfolgreich in der Start-up-Szene und Unternehmenswelt tätig sind, um sie an die Universität zu locken, damit sie ihren Unternehmergeist auf aktuelle Studierende übertragen.

Als Koch hatte sein Vater bereits das eine oder andere Restaurant geführt, bevor er seinen unternehmerischen Werdegang in Leipzig fortführte. Nur dass er dort seine zukünftige Ehefrau und Geschäftspartnerin kennenlernte und mit ihr eine Familie gründete. „Für uns als Geschwister waren die Erfahrungen unserer Eltern in der Gastronomie äußerst lehrreich. Sie haben uns gezeigt, wie man mit Stresssituationen umgeht und dass es neben Leistung vor allem Mut und Risikobereitschaft braucht, um sich selbst zu verwirklichen“, erwähnt Englert, der – gemäß dem elterlichen Credo „Wenn du Geld haben willst, dann musst du arbeiten“ – mit 16 Jahren anfing zu kellnern. „Darüber hinaus war die Selbstständigkeit unserer Eltern mit ein Grund, warum wir als Familie stets versuchten, die wenige gemeinsame Zeit so schön wie möglich zu gestalten“, ergänzt Englert.


Bei allem, was Clemens Englert tat und noch heute tut, handelt er nach der Philosophie „Machen statt meckern“. „Diese Haltung führt zwangsläufig dazu, in Positionen hineinzurutschen, die einen Hebel darstellen und einen Einfluss haben“, bemerkt Englert, der zu Schulzeiten zwei Jahre als Schülersprecher und zu Studienzeiten ein Jahr als Studentischer Senator unter anderem die Kommunikation zwischen einer neuen Schulleitung und der Schülerschaft beziehungsweise zwischen einer neuen Universitätsleitung und der Studierendenschaft neu aufrollte. Und bereits als Praktikant beim Straßenkinder e.V. musste er lernen, mit Einfallsreichtum konkrete Probleme anzugehen: in diesem Fall mit Supermärkten und Großhändlern zu kommunizieren und die von ihnen bereitgestellten Lebensmittel und Kleidungsstücke an bedürftige Kinder zu verteilen.


Clemens Englert nahm sich nach dem Abitur die nötige Zeit herauszufinden, was seine Stärken und seine Schwächen sind und welches Studium am besten zu ihm passt. „Ob in Gedanken oder in Gesprächen kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass die Universität nicht nur ein Ort exzellenter akademischer Bildung sein muss, sondern auch ein Ort, an dem es ausdrücklich erwünscht ist, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen und die eigene Umgebung aktiv mitzugestalten“, erläutert Englert. Ein sehr enger Freund, der damals noch an der ZU studierte, riet ihm eindringlich dazu, sich doch mal die Universität am Bodensee anzuschauen. „Besonders angefixt war ich vom PioneerPort, in dem eigene Gründungsideen verwirklicht werden können“, ergänzt Englert, der in seinem Abiturjahr sage und schreibe viermal an der ZU war und dabei – wie er es selbst ausdrückt – „die Universität und ihre Menschen lieben gelernt und ins Herz geschlossen hat“.

„Startup Village by Tatendrang“ als einmalige Gelegenheit

Beim Auswahltag sollte Clemens Englert gemeinsam mit anderen Studienbewerbenden in einer Fallstudie Ideen für ein Online-Schulungsportal entwickeln, dass sich mit dem Problem konfrontiert sah, keinen Zugriff auf die ehemaligen Schulungsteilnehmenden zu haben. Dadurch wurde womöglich sein Blick geschärft, und er richtete – kaum hatte das CME-Studium begonnen – seinen Fokus auf einen lebendigeren und stärkeren Austausch zwischen Studierenden und Alumnae und Alumni. Eine einmalige Gelegenheit ergab sich unmittelbar in der Einführungswoche: Als der Freund, der ihn an die ZU gebracht hatte, auf ihn zukam und fragte, ob er nicht zusammen mit zwei Mitstudierenden die von ihm geleitete studentische Initiative „Tatendrang e.V.“ übernehmen will. „Unser Plan war es, Begegnungs- und Austauschformate zu ermöglichen, bei denen unsere ehemaligen Studierenden ihr Know-how und ihren Unternehmergeist an unsere aktuellen Studierenden weitergeben und sie sich untereinander so vernetzen, dass Synergien entstehen – sei es durch Praktika oder Werkstudentenjobs. Denn es war und ist uns wichtig, den Spirit unserer experimentierfreudigen Community aufrecht zu erhalten“, erklärt Englert.


Schließlich übernahm Clemens Englert unter dem Dach der studentischen Initiative „Tatendrang“ das „Startup Village“ und überlegte sich ein System, um die Abläufe und die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Rund 15 Mitglieder engagieren sich in vier Teams, denen jeweils ein Head vorsteht. „Das Gute daran ist, dass die jeweilige Gesamtleitung nicht jede kleinteilige Entscheidung selbst treffen muss, was die Geschwindigkeit unserer Arbeit enorm gesteigert hat“, erläutert Englert.

Village Hub und Village Night als Erfolgsformate

Neben übers Semester verteilten Workshops und Talks war das erste größere Event der Village Hub 2024, bei dem zwölf Gründer:innen und rund 80 Studierende zusammenkamen. „Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit war es ein wunderbarer Moment, einige von unseren Alumnae und Alumni endlich persönlich kennenzulernen und wieder an unserer Universität begrüßen zu dürfen“, beschreibt Englert. Beim Village Hub 2025 gelang es dem studentischen Team sogar, die Teilnehmendenzahl zu verdoppeln. Hinzu kam im vergangenen Jahr eine Village Night in Berlin, wo sich die meisten Alumnae und Alumni tummeln. Getreu dem ZU-Claim „zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik“ sprachen dort aus den Reihen der ehemaligen Studierenden ein Bundestagsabgeordneter, eine Marketingmanagerin eines Musiklabels und ein Business Angel und Investor. „Weil in diesem Jahr der Village Hub auch für Studierende anderer Universitäten geöffnet werden soll und der Bedarf an solchen Events weiter immens ist, rechne ich fest damit, dass der Hub weiter wächst“, sagt Englert, der mittlerweile im Advisory Board sitzt.


Gleich im ersten Semester entstand ein weiterer Kontakt und mit dem Kontakt eine Tätigkeit, die Clemens Englert bis heute ausübt, als der Digitalstratege und Strategieberater Maks Giordano am Ende eines Kurses die Stelle eines neuen Mitarbeiters in Aussicht stellte. „Für mich als Erstsemester bot der Job natürlich eine einmalige Gelegenheit, mit einem inspirierenden Menschen zu tun zu haben, der per Du ist mit einigen der einflussreichsten Unternehmer:innen Deutschlands“, erzählt Englert, der neben einem weiteren Kommilitonen letztlich den Zuschlag bekam. „Meine Aufgabe besteht darin, Maks Giordano bei der Recherche zu Zukunftstrends zu unterstützen, wenn es unter anderem um die Frage geht: Wie wirkt sich die Künstliche Intelligenz ganz allgemein auf den Arbeitsmarkt und ganz speziell auf die Arbeitskultur etwa in einem Medienhaus aus?“

Wohin der eigene Unternehmergeist führt

Unter dem Stichwort Nachhaltigkeit dagegen firmieren allesamt diejenigen Arbeitgeber, bei denen Clemens Englert seine Praktika absolvierte. Wenn er in einem Start-up arbeitete, das Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden installiert und Installateur:innen ausbildet; wenn er in einem Unternehmen tätig war, das Beratungs- und Managementdienstleistungen in der globalen Energiewirtschaft anbietet; wenn er in einer Firma an strategischen Innovationsprojekten im Bereich dezentraler Energielösungen mitwirkte. „Auch ich habe vom weitverzweigten und weitreichenden ZU-Netzwerk hochgradig profitiert. Diesen Kontakten verdanke ich alle beruflichen Schritte, die ich in den vergangenen Jahren gegangen bin und die ich in den nächsten Jahren gehen werde“, sagt Englert.


Insbesondere in der Start-up-Szene begegnete Clemens Englert vielen Menschen mit ähnlichem Mindset. Aktuell jedoch wagt er den Ausbruch – auch aus seinen Vorurteilen, die er bisher gegenüber dem Bankenwesen gehegt hat. Von Anfang bis Mitte dieses Jahres möchte er Einblicke in eine ihm bislang fremde Welt gewinnen, indem er in einer Grossbank mitten in Frankfurt am Main und damit mitten in einem der europäischen Finanzzentren arbeitet. Wenn Clemens Englert aus seinem Praxissemester an die ZU zurückkehrt, bleibt schließlich noch die Bachelorarbeit. „Ich weiß jetzt schon, dass ich ein System entwickeln möchte, dass die Implementierung von Künstlicher Intelligenz in mittelständischen Unternehmen vereinfacht. Ein Problem, das die Wirtschaft in Deutschland umtreibt und herausfordert und das es schleunigst zu lösen gilt“, berichtet Englert.


Was die weitere Zukunft angeht, so haben das Unternehmergen seiner Eltern und der Unternehmergeist zahlloser Menschen, denen er während seiner Studienzeit begegnet ist, ihre Wirkung auf ihn nicht verfehlt: „Es ist praktisch eine ausgemachte Sache, dass ich früher oder später ein eigenes Unternehmen aufbauen und führen möchte.“

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