Pionierin des Monats
Emilia Bös: Von Natur aus umtriebig
von Sebastian Paul
26.03.2026
People
Emilia Bös
Emilia Bös
© ZU/Lorenz Widmaier
Pionierin des Monats

Emilia Bös: Von Natur aus umtriebig

von Sebastian Paul
26.03.2026
People

Emilia Bös ahnt, was die ZU bisher aus ihr und mit ihr gemacht hat. Sie ist als Mensch gewachsen, weil sie in Rollen und Aufgaben reingewachsen ist, aus denen sie gestärkt hervorgegangen ist. Wenn sie etwa als 22-jährige studentische Vizepräsidentin auch mal gezwungen war, harte Entscheidungen zu treffen und schweren Gegenwind auszuhalten. Dass sie aber bei allem, was sie tut, immer das Zusammenspiel aus Unterstützung und Herausforderung durch die Universitätsgemeinschaft und ihr Umfeld erlebt: Das macht für sie den ZU-Spirit zu dem, was er ist.

Emilia Bös stammt aus einer Gemeinde in der Nähe von Heidelberg. Bereits im Kindesalter zeigte sich, wie experimentierfreudig sie ist, als sie alles, was der Dorfkosmos so zu bieten hatte, auch ausprobierte: von Turnen und Tanzen über Kampf- und Reitsport und Querflötenspiel bis hin zu Badminton und Boule. Im Zentrum des Familienlebens aber stand das von ihren Eltern gegründete Weingut – das wiederum hervorgegangen ist aus einem Bauernhof und einer Besenwirtschaft der Großeltern väterlicherseits. „Als Kleinkind war es natürlich besonders spannend, auf dem Traktor mitzufahren, mitten durch die Weinreben zu rennen oder mit einem langen Stock die Insekten von den gepflückten Trauben zu lösen, damit sie nicht mitgepresst werden“, erinnert sich Bös. Je älter sie wurde, desto mehr Aufgaben wurden ihr übertragen. Allerdings: „Schon früh wusste ich, dass ich das elterliche Weingut nicht weiterführen möchte. Denn wie viel meine Eltern aufopfern mussten und müssen, um den Betrieb am Laufen zu halten, ist zwar beeindruckend, aber auch abschreckend“, erklärt Bös.

Vielfältiges Engagement bereits zu Schulzeiten

Nicht nur ihre Hobbys wandelten sich, auch ihre Vorstellungen davon, was sie denn später einmal werden möchte, waren sehr wechselhaft. „Während ich als Kind Prinzessin werden wollte, hatte ich als Jugendliche zeitweise die Obsession, eine eigene Mathe-Fernsehsendung zu moderieren“, erzählt Bös, die es genauso liebte, auf der Bühne zu stehen und in einem Musical mitzutanzen oder als Schulsanitäterin Wehwehchen zu verarzten. „Weil es zuvor an unserer Realschule keinen Schulsanitätsdienst gab, erfuhr ich dabei erstmals, wie es ist, etwas Neues auf- und auszubauen“, bemerkt Bös. Von der initiierenden Klassenlehrerin wurde sie auch deshalb angefragt, weil sie schon damals als besonders verantwortungsbewusst galt. Eine Eigenschaft, die auch gefragt war, als sie auf dem nachfolgenden Sozial- und Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasium das Amt der Klassensprecherin übernahm und als Teil des Abiturkomitees federführend die Abizeitung gestaltete.


„Zugleich hatte ich Spaß daran, mit meinem im Gemeinderat sitzenden Vater über Politik zu diskutieren oder mich in politische Gespräche mit Gästen einzumischen“, erzählt Bös, die ein wirkliches Interesse an Politik aber erst entwickelte, als sie sich etwa in der Debatte um das EU-Urheberrecht und den berühmten Artikel 13 intensiver mit den Hintergründen politischer Entscheidungen auseinandersetzte. Mit dem Abitur in der Tasche und der Idee im Kopf, Politikerin zu werden, suchte sie nach einem geeigneten Studium. Bei einem Online-Test zur Frage „Was soll ich studieren?“ kam nicht nur Politologie heraus, sondern es wurden auch gleich Studiengänge und Studienorte angezeigt, wobei an oberster Stelle der PAIR-Bachelor an der ZU erschien. „Nachdem ich mich durch die ZU-Webseite gescrollt hatte, wusste ich, dass das genau meine Universität ist“, bemerkt Bös. „Vor allem die lebendigen Diskussionen in kleinen Seminargruppen und das Sich-Ausprobieren in studentischen Initiativen haben mich gecatcht.“

Erste studentische Initiativen und Freundschaften

Aus einer kleinen Gemeinde und einem engen Freundeskreis kommend, fand sie sich plötzlich inmitten von rund 130 Erstsemestern wieder. „Um den Überblick zu bewahren, suchte ich mir studentische Initiativen und baute erste Freundschaften auf“, bemerkt Bös, die bereits am Abend vor der Einführungswoche in Till Burberg einen Freund fürs Leben finden sollte. Drehten sich ihre Gespräche auch immer wieder um Bands und Konzerte, so stand nach ihrem ersten gemeinsamen Besuch des studentisch organisierten Festivals „Lange Nacht der Musik“ fest, dass sie als Führungsduo die nächste Ausgabe leiten wollen. „Wir haben einen ähnlich hohen Anspruch an uns und unsere Arbeit und wussten aus gemeinsamen Projekten, dass wir gut zusammenarbeiten und uns aufeinander verlassen können“, erläutert Bös. „Und dank eines tollen Teams ist es uns letztlich geglückt, ein Festival auf die Beine zu stellen, zu dem wir von vielen Besucher:innen und Künstler:innen positives Feedback bekommen haben.“


Auch der Gedanke, an der Hochschulpolitik zu partizipieren, war Emilia Bös von Studientag eins an präsent. Erste Schritte in diese Richtung unternahm sie, als sie im ersten Semester Zeppelinjahressprecherin und im zweiten Semester Assistentin der studentischen Vizepräsidentschaft wurde. „Auch wenn es widersprüchlich klingen mag: Es ist keineswegs so, dass ich nicht immer auch gewisse Selbstzweifel mit mir herumtrage. So weiß ich noch, dass ich während meiner Einführungswoche den damaligen studentischen Vizepräsidenten auf der Bühne sah und dachte: Das könnte ich niemals!“, erzählt Bös. Als Assistentin zunächst von Amar Günther und später von Lena Haas erlebte sie nun hautnah mit, welche positiven wie negativen Überforderungen mit dem Amt der studentischen Vizepräsidentschaft verbunden sind. „Die Assistenzarbeit war auch deshalb wertvoll, weil sie mir gezeigt hat, wie man mit den verschiedenen Menschen an der Universität umgeht und wie man Veranstaltungen aller Art an der Universität organisiert“, berichtet Bös. Während sich Amar Günther in seiner Amtszeit auf ein lebendigeres studentisches Leben fokussierte, war die Amtszeit von Lena Haas mehr geprägt von hochschulpolitischen Projekten wie der Reakkreditierung.

Kein Weg führt vorbei an studentischer Vizepräsidentschaft

Unterdessen drang Emilia Bös tiefer in die Hochschulpolitik ein, als sie das Amt einer von vier studentischen Senator:innen übernahm. „Unterbewusst habe ich natürlich alle Weichen für eine eigene studentische Vizepräsidentschaft gestellt, auch wenn ich lange Zeit immer wieder Gründe dagegen suchte und fand“, erwähnt Bös. Doch schließlich führte kein Weg daran vorbei, als sie sich ins Gedächtnis rief, wie viel in dem Amt bewegt und mitgestaltet werden kann. Sie startete mit dem Ziel ins Amt, die Kommunikation zwischen Präsidium und Studierendenschaft ehrlicher und offener zu gestalten. „Spätestens seit den Amtswechseln in der Universitätsleitung war mein Kalender so voll und standen so wegweisende strategische Fragen auf der Agenda, dass manch andere Projekte auf der Strecke blieben“, bemerkt Bös. „Dadurch aber habe ich nicht nur viel über die Universität gelernt, sondern mehr noch über mich selbst. Denn ich war gezwungen, mich selbst besser zu organisieren und meinen Tages- und Arbeitsablauf besser zu strukturieren.“


Emilia Bös ist es gewohnt, einmal begonnene Dinge auch zu Ende zu bringen. „Auch wenn es mir schwerfällt, mich nicht mehr in die Hochschulpolitik einzumischen, freue ich mich jetzt erst einmal nur darauf, das ,normale‘ studentische Leben fortzusetzen und zu genießen“, sagt Bös, die dem neuen studentischen Vizepräsidenten dennoch mit Rat zur Seite steht.

Ab sofort volle Konzentration aufs Studium?

Genau drei Semester liegen nun noch vor ihr, in denen sie versucht, sowohl ihre bisherigen Schwerpunkte zu vertiefen als auch neue Dinge auszuprobieren. „Die Begegnungen und Gespräche während meiner Amtszeit haben mir viele Optionen für meine Bachelorarbeit und darüber hinaus aufgezeigt, die mir sonst nicht eingefallen wären“, erläutert Bös. „Zumindest für dieses Semester habe ich mir vorgenommen, möglichst viele Psychologie-, Management- und Methodenkurse zu besuchen“, erwähnt Bös. „Denn noch bin ich mir nicht sicher, auf welchen Master es letztlich hinausläuft.“ Sie weiß lediglich, dass ihre Natur es ihr schlichtweg verbietet, stillzusitzen und stillzuhalten: „Die Idee ist es, mich voll und ganz aufs Studium zu konzentrieren. Nur kenne ich mich inzwischen so gut, dass daraus wohl nichts werden wird.“

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