Studentische Vizepräsidentin
„Ich bin persönlich sehr gewachsen“ – Emilia Bös blickt auf ihre Amtszeit als SVP
Interview: Ingmar Schnur
12.01.2026
People
Die Studentische Vizepräsidentin im Jahr 2025: Emilia Bös.
Die Studentische Vizepräsidentin im Jahr 2025: Emilia Bös.
© Ingmar Schnur
Studentische Vizepräsidentin

„Ich bin persönlich sehr gewachsen“ – Emilia Bös blickt auf ihre Amtszeit als SVP

Interview: Ingmar Schnur
12.01.2026
People

Kaum ist man eingearbeitet, naht auch schon das Ende. Nach einem Jahr zieht die studentische Vizepräsidentin Emilia Bös ein Fazit. Was hat ihr am meisten gefallen, was am wenigsten? Und vor allen Dingen: Würde sie noch ein Jahr verlängern, wenn das möglich wäre?

Emilia, Du gehst auf das Ende Deiner Amtszeit als studentische Vizepräsidentin zu. Warum wolltest Du damals eigentlich SVP werden?


Emilia Bös: Das ist so eine Frage, die wurde mir dieses Jahr tatsächlich ganz oft gestellt – und ich habe immer noch keine perfekte Antwort darauf. Ich glaube, es waren viele Faktoren.

Auf der einen Seite muss man wissen: Ich war vorher zwei Jahre als Assistentin in dem Amt. Das heißt, ich habe schon viel kennengelernt – wie die Orientation Week läuft und wie die Arbeit insgesamt aussieht. Außerdem war ich bereits im Senat, habe mich also schon mit Hochschulpolitik beschäftigt und war da involviert.


Und ich bin einfach ein Mensch, der nicht ruhig sitzen kann. Ich will nicht nur zuschauen, wie alles läuft, sondern habe immer den Drang, ein bisschen mehr zu machen. Irgendwann dachte ich: Wo kann man besser mitgestalten, als direkt im Präsidium?

Es gab ein paar Punkte, die mich gestört haben. Und deshalb habe ich mir gedacht: Dann gehe ich ins Präsidium, schaue darauf und versuche, etwas zu verändern – damit die Uni hoffentlich für alle ein Stück besser wird.

Emilia Bös stellt beim Galadinner der ZUG die Initiative vor, in der sie sich engagiert.
Emilia Bös stellt beim Galadinner der ZUG die Initiative vor, in der sie sich engagiert.
© Fotodesign Stefan Soell

Was hat dir in deinem Amt am besten gefallen?


Emilia Bös: Ich glaube, das ist ein bisschen klischeehaft, aber für mich war es wirklich die Arbeit mit den Menschen – generell das Umfeld hier. Wir haben so eine interessante und spezielle Community, sowohl bei den Studierenden als auch bei den Mitarbeitenden und den Professorinnen und Professoren. Auf allen Ebenen sind es super spannende Menschen, mit denen man zusammenarbeiten kann.


Das war immer sehr bereichernd, weil man dann doch mal am Mensatisch saß, nach einem Termin über irgendwas geredet hat – und plötzlich sind neue Ideen entstanden. Dann haben wir geschaut: Was können wir daraus machen? Wie setzen wir das am besten um?


Immer wenn ich dachte: „Jetzt wird’s langsam ein bisschen zäh, ich bräuchte mal eine Pause“, kam irgendeine Begegnung – und ich war sofort wieder motiviert. Das fand ich richtig schön.

Und natürlich die OrientationWeeks: Die sind immer sehr anstrengend, aber auch unglaublich spaßig.


Das Team der Studentischen Vizepräsidentin ist für die neuen Studierenden an der ZU da und hilft ihnen, anzukommen.
Das Team der Studentischen Vizepräsidentin ist für die neuen Studierenden an der ZU da und hilft ihnen, anzukommen.
© Jim Papke

Was Hat dir nicht so gut gefallen?


Emilia Bös: Ich glaube, das waren ein paar Entscheidungen in den letzten Wochen und Monaten – und vor allem der Weg dahin. Dieser Realisationsprozess: „Wir kommen da jetzt wirklich nicht drum herum, das ist tatsächlich die einzige Option und das muss leider so sein.“ Das waren viele schlaflose Nächte für mich.

Und dann dieses Wissen, dass man es nie allen recht machen kann – das ist manchmal einfach schwierig. Wir sind ja nicht wenige Menschen. Auch wenn wir eine vergleichsweise kleine Uni sind, sind es immer noch sehr Viele, die man irgendwie unter einen Hut bekommen muss.


Dass es dann manchmal einfach nicht perfekt klappt, das war auch eine Challenge. Aber ich glaube, das gehört dazu, wenn man so viel Verantwortung übernimmt.



Emilia Bös und Prof. Anja Achtziger, Interimspräsidentin der ZU.
Emilia Bös und Prof. Anja Achtziger, Interimspräsidentin der ZU.
© Privat

Was war deine größte Herausforderung?


Emilia Bös: Ich glaube, meine größte Herausforderung war das Zeitmanagement. Dinge ablegen, aufschreiben, Konzepte erstellen. Gerade wenn man total motiviert ist und etwas Neues, Cooles umsetzen möchte, muss man trotzdem erst die wöchentlichen Aufgaben und Prioritäten unter einen Hut bekommen.

Und dann auch dieses Sich-Hineindenken in die wissenschaftliche Welt der Professorinnen und Professoren. An manchen Stellen, wenn wir über Themen sprechen, haben wir ein sehr unterschiedliches Verständnis davon, wie etwas funktioniert und welche Begriffe man verwendet.


Wir hatten einmal eine lange Diskussion über den Begriff „Management“. Ich meinte: Wenn ich Management sage, meine ich Leute anleiten, lenken – und das muss nicht unbedingt im wirtschaftlichen Kontext passieren. Der Professor meinte aber: Nein, Management ist entweder BWL oder WiWi, das ist eine reine Wirtschaftsdisziplin. Und ich war so: Nein, das muss nichts mit Wirtschaft zu tun haben. Wir haben uns wirklich 15 Minuten darüber ausgetauscht, weil wir einfach aus unterschiedlichen Denkwelten kommen.


Solche Situationen hat man immer mal wieder. Da merkt man: Die sind einfach anderes gewohnt, als ich es aus meinem Umfeld kannte.


Emilia Bös begrüßt die Studierenden in der Oriantation Week.
Emilia Bös begrüßt die Studierenden in der Oriantation Week.
© Jim Papke

Würdest du noch ein Jahr verlängern?


Emilia Bös: Also, ich würde lügen, wenn ich Nein sagen würde. Irgendwo schon – weil ich das Gefühl habe, man braucht in so einem Job einfach eine Weile, um reinzukommen. Und mittlerweile bin ich an dem Punkt, wo ich sagen kann: Ich habe den Überblick, ich bin gefestigt in der Rolle.


Und genau jetzt habe ich so viele Dinge, die ich noch gerne machen würde – aber das Ende kommt näher. Ich weiß, ich habe nur noch etwa eineinhalb Monate. Das heißt, ich kann vieles nur noch anstoßen, aber nicht mehr bis zum Ende begleiten. Und auch bei Projekten, die ich schon gestartet habe, weiß ich: Ich werde sie nicht zu Ende führen können. Die einfach loszulassen, ist schon schwierig.


Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass das dazugehört. Es ist sinnvoll, dass das Amt auf ein Jahr begrenzt ist. Irgendwann muss man sagen: Punkt. Jetzt darf eine neue Person ran.


Als SVP übergibt Emila Bös die Stipendien-Urkunden beim Home-Coming-Event im Spring 2025.
Als SVP übergibt Emila Bös die Stipendien-Urkunden beim Home-Coming-Event im Spring 2025.
© Jim Papke

Hast du alles umsetzen können, was du dir vorgenommen hast?


Emilia Bös: Ich glaube, ich habe alles, was ich mir vorgenommen habe, zumindest versucht. Wenn man in so ein Amt reingeht, hat man vorher immer sehr große Ideen und ganz viele Dinge, die man gerne umsetzen möchte.


Und dann merkt man im Alltag: Da sind ja auch Aufgaben, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe, die aber extrem wichtig sind. Ich habe in allen Bereichen, wo ich mir etwas vorgenommen hatte, definitiv etwas getan. Aber dass man in einem Jahr nicht den kompletten Weg verändern kann, war mir eigentlich schon bewusst.

Emilia Bös moderiert an der Sommerparty der Studierenden 2025 im Graf-von-Soden-Forum.
Emilia Bös moderiert an der Sommerparty der Studierenden 2025 im Graf-von-Soden-Forum.
© Jim Papke

Konntest du die Wünsche der Studierenden immer gut einbringen oder umsetzen?


Emilia Bös: Einbringen – immer. Das war nie ein Problem. Wenn ich irgendwo etwas gehört habe oder jemand mir etwas gesagt hat, konnte ich das immer weitergeben.


Umsetzen ist natürlich eine andere Frage. Ich glaube, wir konnten sehr viele Punkte so umsetzen, wie es sich viele Studierende gewünscht haben. Manchmal muss man aber schauen: Was wünschen sich die Studis – und was ist tatsächlich möglich? Da muss man dann eine Mitte finden.


Wir haben vieles möglich gemacht, aber manchmal sagt das Hochschulrecht oder andere Restriktionen einfach: „Das geht nicht.“ Wenn es eine Hürde gab, die man schnell und einfach abbauen konnte – dann sofort, warum nicht?

Emilia Bös übergibt als Vizepräsidentin eine Urkunde an Hannah Brinkmann.
Emilia Bös übergibt als Vizepräsidentin eine Urkunde an Hannah Brinkmann.
© Jim Papke

Was wirst du aus diesem Jahr mitnehmen?


Emilia Bös: Extrem viel – deswegen fällt es mir schwer, das auf eine Sache runterzubrechen. Auf jeden Fall ganz viele nette neue Menschen, die ich kennengelernt habe und mit denen ich super gerne zusammenarbeite.


Und auch: Wie geht man mit Menschen in solchen Positionen um? Selbst an einer kleinen Uni steckt viel Politik dahinter. Also: Mit wem spreche ich? Wie komme ich am besten zu Ergebnissen? Woher bekomme ich die Infos? Da habe ich unglaublich viel gelernt – Dinge, die ich schon jetzt in andere Lebensbereiche mitnehme und auch weiterhin nutzen kann.


Ich habe die Uni nochmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt – sowohl die Professorinnen und Professoren, weil sich das Verhältnis einfach verändert, als auch die Uni selbst, was die Inhalte angeht. Mittlerweile bin ich teilweise wie ein laufendes Uni-Wikipedia: Ich kenne die ASPOs, die FSBOs, die ganzen Unterlagen. Das ist auch nicht ganz unpraktisch für die letzten Studienzeiten.


Ich bin persönlich sehr gewachsen. Die Uni ist mir noch mehr ans Herz gewachsen. Also ja – ich könnte das nicht auf eine einzige Sache festlegen.


Willst du noch etwas loswerden?


Emilia Bös: Es war ein tolles Jahr. Mir fällt es wirklich schwer, das Ganze loszulassen. Aber es gehört dazu, und ich freue mich auch, das an eine neue Person zu übergeben. Ich bin sicher, die wird auch wieder etwas Tolles machen.


Aber ich glaube, es wird auch ein spannender Wechsel für mich. Ich habe ja noch nie etwas anderes gemacht. Ich war ein Semester hier, bevor ich angefangen habe, mich mit dem ganzen Hochschulpolitik-Thema auseinanderzusetzen. Und jetzt habe ich mir fest vorgenommen: Erstmal keine Hochschulpolitik mehr. Es wird spannend – ein neuer Studienalltag, den ich dann auch mal richtig erlebe.

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