
Vierzig Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland blickt Dr. Karamba Diaby, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der SPD, an der Zeppelin Universität auf seinen Weg zurück.
Rhoda Zündorf liest eine Passage aus Dr. Karamba Diabys Buch vor – einen anonymen, rassistischen und menschenverachtenden Brief. Diaby erklärt der Zuhörerschaft, dass sich genau solche Menschen mit ihren Äußerungen immer sicherer und freier fühlten: „Es ist fast Normalität geworden“, so Diaby.
Solche Anfeindungen erreichten ihn vor allem über soziale Medien, viele davon machte er öffentlich. Daraufhin bekam er zwar Kritik, erlebte aber noch viel stärker Solidarität: „Wenn ich eine Morddrohung bekomme, akzeptieren sie das nicht“, sagt er über die Menschen, die sich an seine Seite stellten.
Außerdem betont er: „Medienbildung ist wichtig für politische Bildung“ – und warnt: „Rechte denken, dieser freie Raum sei ein rechtsfreier Raum.“ Er macht deutlich, dass Rassismus auch im Netz stattfindet, dort aber genauso unter die Regeln des Rechtsstaats fällt.
Dr. Karamba Diaby, geboren im Senegal, war von 2013 bis 2025 Bundestagsabgeordneter, engagierte sich u. a. für internationale Zusammenarbeit und Menschenrechte, und promovierte in Chemie/Biochemie in Deutschland.
An der Zeppelin Universität ist Diaby zu Gast im Global Talk des Club of International Politics. Er liest einige Passagen aus seinem Buch „Leben für die Demokratie: Mein Weg vom Senegal ins deutsche Parlament“ und gibt Einblicke in seine Biografie. Moderiert wird die Veranstaltung von Rhoda Zündorf – Studentin der Psychologie, Wirtschaft und Politik an der Zeppelin Universität und Mitglied im Club of International Politics.

Der Tag der Veranstaltung ist der 02. Oktober 2025 – Diaby eröffnet sie mit den Worten: „Heute vor genau 40 Jahren, um 15:15 Uhr, bin ich das erste Mal nach Deutschland gekommen.“ Er sagt, er wisse nicht, wo er heute – 40 Jahre später – wäre, wenn er nicht in Deutschland Fuß gefasst hätte. Und er bedankt sich herzlich für die Einladung an die Zeppelin Universität.
Zündorf fragt, wie es denn zu seiner Biografie gekommen ist. Diaby antwortet: „Ich wusste nicht, dass es eine Sensation ist, dass ich in die Politik gehe.“ Schon nach diesen ersten Worten hört die Zuhörerschaft gespannt zu. Damals seien viele Menschen verblüfft gewesen, dass ein Schwarzer in die Politik geht – viele mit Migrationshintergrund hätten in Diaby ein Vorbild gesehen. Er beschrieb seine Identität mit „ostdeutsch Plus“ – als Hallenser in Ostdeutschland mit Migrationshintergrund.

Ein Zuhörer fragt, wieso Diaby Politik in Deutschland macht und nicht im Senegal. Diaby darauf: „warum sollte ich in einem Land Politik machen, in dem ich seit 40 Jahren nicht mehr Lebe“ – „ich habe zwar Kontakt zu meiner Familie, aber mein Leben ist hier“. Diese Aussagen bestätigen nur noch mehr, wie sich Diaby identifiziert – als „Ostdeutscher Plus“.

Die ersten Passagen, die Diaby aus seinem Buch vorliest, handeln von Alltagsrassismus, aber auch von solidarischen Begegnungen – und sollten Mut machen für jene, die dasselbe durchleben. Auf Zündorfs Frage, warum er nach Deutschland gekommen sei, erzählt Diaby von seinen früh verstorbenen Eltern, der Kindheit bei Schwester und Schwager und später bei seiner Tante. Kinderarbeit habe er früh kennengelernt, vier Jahre half er im Handel. Trotz guter Noten bekam er kein Stipendium – die gingen an Privilegierte. Das politisierte ihn.
In Dakar studierte er Chemie, setzte sich für bessere Ausstattung ein und wurde Sprecher der internationalen Studierenden. Für ein Auslandsstudium habe er sich erst in Prag beworben, am Ende führte ihn der Zufall mit einem DDR-Stipendium nach Halle. „Mir war klar, ich muss eine neue Sprache lernen – aber das war mir egal“, sagte Diaby. Die Flugtickets bezahlte sein Onkel – mit der Warnung: „Wehe, du wirst Kommunist.“ Diaby grinst und sagt: „Und was bin ich geworden? Sozialdemokrat“ – die Zuhörerschaft lacht.

Später führte es ihn in den Ausländerbeirat in Halle, zur Heinrich-Böll-Stiftung, bei der er erst ehrenamtlich und später auch im Landesvorstand tätig war. So wurde er auch für die Presse sichtbar – und sowohl SPD als auch CDU fragten ihn, ob er für den Stadtrat kandidieren wolle.
Diaby entschied sich für die SPD, mit der er schließlich seine politische Laufbahn begann. Er erzielte eines der besten Ergebnisse in Sachsen-Anhalt und habe auch rassistische Kommentare nach seinem Wahlerfolg bekommen. Im März 2013 zog Diaby dann über die SPD-Landesliste Sachsen-Anhalt als Abgeordneter in den Bundestag . Doch der Rassismus blieb immer ein Thema.



