
Über Hürden und Lösungsansätze beim ÖPNV im Bodenseekreis sprach bodo-Geschäftsführer Bernd Hasenfratz bei seinem Besuch an der Zeppelin Universität.
Ein Thema, das viele aus dem Alltag kennen, wenn sie beispielsweise pendeln: Der Bus fällt aus, kommt zu früh oder viel zu spät. Ein Ärgernis, das nicht nur viele Studierende, sondern auch Mitarbeiter:innen der Zeppelin Universität (ZU) regelmäßig trifft, wenn sie auf Busse und Bahnen in Friedrichshafen angewiesen sind.
Doch woran liegt das? Bernd Hasenfratz, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds bodo, erklärte der Zuhörerschaft, dass vor allem Echtzeitdaten notwendig seien, um verlässliche Prognosen zu den Ankunftszeiten berechnen zu können. Aber warum greift man nicht einfach direkt auf die Daten eines Busses oder einer Bahn zurück?
Auch eine Aussage aus der Zuhörerschaft: „Echtzeitdaten sind schon seit 10 Jahren in der Schweiz möglich.“
Laut Hasenfratz liegt das Problem darin, dass reine Echtzeitangaben ständig schwanken würden und dadurch die Anzeigetafeln unübersichtlich machten. Deshalb brauche es berechnete Prognosen, die den Fahrgästen zumindest eine stabile Orientierung bieten – auch wenn diese nicht immer ganz exakt sind.

„Die beste Anschlusssicherung ist
ein guter Fahrplan“, erklärte Hasenfratz. Solch ein Fahrplan ist jedoch
abhängig von Kundenbeschwerden, auf die bodo in Zukunft stärker eingehen
möchte. Dafür braucht es allerdings mehr Rückmeldungen der Fahrgäste. Nur so
lassen sich Fahrpläne auf Basis konkreter Daten weiterentwickeln. So sagte der Verkehrsexperte: „Wir möchten davon weg, dass der Kunde 20 Ansprechpartner hat – wir
werden gucken, wo jede Beschwerde hingehört.“ Um mehr Daten erfassen zu können,
möchte bodo mit einer zentralen Ansprechperson Barrieren abbauen, damit
Rückmeldungen leichter vom Kunden zum Anbieter gelangen.
Eine ältere Teilnehmerin wies auf den Generationskonflikt bei der Digitalisierung hin. Schon der Umgang mit digitalen Tickets sei für viele Ältere eine Hürde – zusätzlich müssten sie sich für jeden Prozess mehrfach anmelden. Nun soll ein Single Sign-On – also ein einmaliger Login, mit dem Nutzer:innen Zugriff auf verschiedene Funktionen der bodo-App haben, ohne sich mehrfach anmelden zu müssen – künftig eingeführt werden. Dies soll in der bodo-App den Zugang erleichtern und den Komfort erhöhen, da man sich nur einmal für mehrere Prozesse anmelden muss.

Neben der Digitalisierung der App steht auch das bestehende Ticketsystem im Fokus. Beim Check-in/Check-out-System der bodo-Karte zeigt sich vor allem ein Problem: das Auschecken. Nach Angaben von Hasenfratz sollen einige Checkouts nicht wahrgenommen worden sein, wodurch dann eine Langstrecke gebucht wird.
Die Fahrpreise sind zudem zum 01.08.2025 um durchschnittlich 5,2 % gestiegen. Ein Erwachsenenticket kostet demnach 3,00 Euro statt 2,90 Euro. Das JugendBW-Ticket soll junge Fahrgäste angesichts steigender Preise entlasten und ihnen zugleich mehr Komfort im Nahverkehr ermöglichen. „Weniger ist mehr“, betonte Hasenfratz – „der Schlüssel liegt in der Einfachheit des Deutschlandtickets“.
Ohne ein Check-in/Check-out-System ist dieses Ticket einfach mitzuführen, um sich im ÖPNV deutschlandweit fortzubewegen. Mit dem JugendBW-Ticket bietet das Land Baden-Württemberg jungen Menschen unter 27 Jahren eine besonders günstige Alternative zum Deutschlandticket. Für 39,42 Euro im Monat können Schüler:innen, Auszubildende, Studierende und Freiwilligendienstleistende den gesamten Nahverkehr im Land nutzen – egal ob für den täglichen Schulweg, die Fahrt an den Studienort oder Ausflüge in der Freizeit.
Auch für viele Studierende an der Zeppelin Universität ist das Ticket attraktiv, da es nicht nur die Verbindung zwischen Friedrichshafen und umliegenden Städten erleichtert, sondern auch spontane Reisen innerhalb Baden-Württembergs günstig ermöglicht.

Nach Angaben von bodo kam es vereinzelt zu Missbrauchsfällen, etwa wenn Personengruppen Deutschlandtickets digital weitergaben. Da die Kontrolle ausschließlich durch die Busfahrer:innen selbst erfolgte, soll es dabei auch zu Auseinandersetzungen gekommen sein, bei denen Telefone aus den Händen genommen wurden, um sie auf ihre Echtheit zu überprüfen.
In anderen Städten gebe es Kontrollkräfte, die sich dem Problem des Schwarzfahrens annehmen würden. Hasenfratz sagte: „Die Hürde, schwarzzufahren, ist höher, als würde man einfach in den Bus steigen, ohne vom Busfahrer kontrolliert zu werden.“ Welche Lösungen sich langfristig durchsetzen, ist noch offen – vorerst bleibt die Kontrolle durch die Fahrer:innen bestehen.
Für die ZU-Studierenden sind Fragen rund um Echtzeitdaten, Fahrpläne, digitale Zugänge und bezahlbare Tickets mehr als nur ein theoretisches Thema – sie prägen den Alltag derjenigen Studierendenschaft, die regelmäßig auf den ÖPNV angewiesen ist. Der Besuch von bodo-Geschäftsführer Bernd Hasenfratz an der Zeppelin Universität hat gezeigt, wie eng diese praktischen Herausforderungen mit größeren Fragen der Mobilität, Nachhaltigkeit und Digitalisierung verbunden sind.
Ob durch verlässliche Fahrpläne, das JugendBW-Ticket oder neue digitale Lösungen wie Single Sign-On – die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, den Nahverkehr für Studierende und die Region verlässlicher, einfacher und attraktiver zu gestalten.



