
Nicht weil er muss, sondern weil er will, hat Philipp Sommer so viele Kurse belegt wie nur möglich. Seine Neugierde und Wissbegierde versucht er zu stillen, indem er das, was ihm der CME-Bachelor anbietet, voll auskostet. Das bedeutet für ihn bisher auch ein Auslandssemester an der Haas School of Business der UC Berkeley und Praktika in drei verschiedenen Wirtschaftszweigen. Und als wäre das nicht schon genug, hat Philipp Sommer das Start-up „Mein Helfair“ mitgegründet, das Senior:innen bei Alltagsarbeiten unterstützt.
Philipp Sommer ist in Friedrichshafen-Manzell aufgewachsen, also lediglich einen Steinwurf entfernt von den beiden ZU-Standorten am Seemooser Horn und im Fallenbrunnen. Nach der Grundschule in Friedrichshafen-Fischbach ging es für ihn aufs Graf-Zeppelin-Gymnasium. Als es nach der zehnten Klasse darum ging, einen Abiturzweig zu wählen, entschied Philipp Sommer sich als einer von wenigen für Wirtschaft. „Der Auslöser war die Arbeit meines Vaters als Vertriebler für Gabelstapler, die immer etwas Ungreifbares umgab. Das hat meine Neugierde entfacht. Wenn er von seinen Geschäftsreisen heimkehrte, wollte ich immer genau wissen, was er erlebt hatte“, erinnert sich Sommer. Der Wirtschaftsunterricht wiederum bewegte sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Er lernte mehr über die vergangene globale Finanzkrise, den aufkommenden Protektionismus und die aufstrebenden Kryptowährungen. „Jedes Thema hat mir dabei geholfen, Wirtschaft ein Stück weit besser zu verstehen“, erklärt Sommer.
Ungefähr zu der Zeit muss es gewesen sein, als die drei Freunde Philipp Sommer, Hannes Burget und Moritz König eine Gründungsidee entwickelten. „Jeder von uns unterstützt die Großeltern, wenn der Fernseher oder das Handy nicht so wollen, wie sie es wollen. Doch längst nicht alle haben das Glück, einen Enkel in der Nachbarschaft zu haben“, berichtet Sommer. „Und so kam die Frage auf: Warum nicht auch anderen älteren Mitmenschen mit der Technik oder bei der Gartenarbeit helfen?“ Wie bei vielen Start-ups, fing alles mit ein paar verteilten Flyern an. „Die ersten Kundenaufträge haben wir noch telefonisch entgegengenommen und uns selbst darum gekümmert. Von einem kleinen Problem mit dem Webbrowser über Rasenmähen und Unkrautjäten bis hin zum Bau einer großen Terrasse war alles dabei“, erzählt Sommer.
Als die Nachfrage weiter stieg, mussten sie sich überlegen, wie sie das Start-up so aufbauen, dass sie die Aufträge noch bewältigen können. Seitdem fahren sie zweigleisig, indem sie einerseits das Team um Minijobber und andererseits eine digitale Plattform erweitern, auf der die Termine automatisiert gebucht und koordiniert werden können. Jedenfalls hat das Start-up mächtig an Fahrtwind gewonnen, aus „Rentnerhilfe Bodensee“ ist mittlerweile „Mein Helfair“ geworden. „Wir decken nicht nur den kompletten Bodenseekreis ab, sondern haben auch erste Standorte in Konstanz, Wangen, in Neustadt im Schwarzwald und in Ulm eröffnet“, ergänzt Sommer. Und er fügt hinzu: „Unser langfristiges Ziel ist es, irgendwann bundesweit zu agieren.“
Inzwischen hat sich das Gründungsteam aus den Auftragsarbeiten komplett zurückgezogen, um sich voll und ganz auf die Unternehmensentwicklung fokussieren zu können. Dabei kümmert Philipp Sommer sich um die Produktentwicklung, die Skalierung, das Marketing und Kooperationen. „Mir gefällt es, mich kreativ mit dem Start-up auseinanderzusetzen und permanent daran zu tüfteln, wie sich unser Produkt verbessern lässt“, sagt Sommer.
Eher zufällig stieß Philipp Sommer auf die ZU – was schon verwundert, war es doch von seinem Elternhaus bis zu den ZU-Standorten nur ein Katzensprung. „Das lag vor allem daran, dass das Studium an einer Universität erst mit dem nahenden Abitur auf meiner Agenda landete“, so Sommer. Ausschlaggebend für den CME-Bachelor war das Studienprofil: „Es waren aber nicht allein die BWL- und Wirtschaftskurse, die mich begeisterten, sondern auch die Möglichkeit, im Gründungszentrum PioneerPort das Start-up weiterzuentwickeln“, erläutert Sommer. Was sich anfangs jedoch als Hürde erwies, die es zu überwinden galt, war das Studieren an sich. „Da weder mein Vater noch meine Mutter studiert hatten, konnten sie mir nicht erklären, worauf es bei einem Studium ankommt. Ich musste mir daher alles selbst erarbeiten“, erläutert Sommer.
Doch erst einmal im Studium angekommen, kostete Philipp Sommer die ihm dargebotenen Möglichkeiten voll aus. Und so nahm er ab dem dritten Semester die Chance wahr und die Herausforderung an, sich vor allem in zahlenlastige Bereiche vorzuwagen: Finance, Accounting, Controlling, Wirtschaftsmathematik, Angewandte Statistik und Ökonometrie. Abseits jedweder Theorie war es ihm wichtig, möglichst vielfältige Einblicke in die Wirtschaftspraxis zu erhalten – oder wie er es ausdrückt: „in Unternehmen und Institutionen, die den Kapitalismus zum Kapitalismus machen“. Daher absolvierte er drei grundverschiedene Praktika in den Bereichen Mergers & Acquisitions, Private Equity und Finanztransaktionen. „Es ist wie mit dem Start-up: Für mich ist es immer wieder reizvoll, in eine mir fremde Materie so lange einzutauchen, bis ich sie durchdringe. Denn die dabei gewonnenen Erfolgserlebnisse sind genau das, was meine Motivationskurve nach oben treibt“, erläutert Sommer. Neben allerlei Finanzthemen hat er sich in seinem Auslandssemester an der Haas School of Business der UC Berkeley auf ein weiteres unbekanntes Terrain begeben: das Coding. „Und ich weiß jetzt schon, dass ich meine Programmierfähigkeiten in meiner Bachelorarbeit über Kapitalmarktforschung nicht nur brauchen werde, sondern auch ausbauen möchte“, verrät Sommer.
Um eine neue Perspektive aufs Gründen zu gewinnen, belegte Philipp Sommer an der UC Berkeley auch einen Kurs bei einem Professor, der in seinem Leben bereits mehrfach gegründet hat. Bereits einige Semester zuvor war er gemeinsam mit seinen Mitgründern als von einer Jury ausgewähltes RacingTeam in den PioneerPort auf dem SeeCampus gezogen, um von Beratung, Zugang zu Netzwerken und Förderprogrammen, Veranstaltungen sowie Workshops zu profitieren. „Für uns war es wichtig, unser oft intuitives Handeln mit fundierter Expertise abzugleichen und so zu Entscheidungen zu gelangen, die unser Start-up vorwärtsbringen“, bemerkt Sommer. Welche Rechtsform ist die richtige? Wie geht Netzwerken? Und wie gelingen erfolgreiches Marketing und Funding? Diese und weitere wichtige Fragen galt es zu klären. „Ohne die Unterstützung im PioneerPort wären wir als Start-up heute nicht dort, wo wir sind“, betont Sommer.
Inzwischen konnte das Start-up weitere Jurys von sich überzeugen und sich in diversen Finals gegen andere Gründungsteams durchsetzen: „Mein Helfair“ wurde unter anderem mit dem SENovation Award, dem Paul Lechler Preis und dem Gründerländ-Preis ausgezeichnet. „Mindestens genauso wichtig wie das Preisgeld sind die zur Seite gestellten Coaches und Mentorinnen, die uns in allen Fragen rund ums Gründen beraten und uns so wertvolle Tipps mit auf den Weg geben“, bemerkt Sommer.
Hoch hinaus soll es auch mit einer weiteren Gründungsidee gehen, an der Philipp Sommer gemeinsam mit drei Kommilitonen in einem erst kürzlich zu Ende gegangenen Kurs zu Entrepreneurship gearbeitet hat: „Nur so viel sei verraten: Wir haben eine App entwickelt, die das Tracking von Übungen im Fitnessstudio erleichtert. Der Prototyp ist bereits entwickelt, demnächst folgen die Marktanalyse und Antworten auf die Fragen, ob es technisch umsetzbar ist und das Produkt rentabel ist.“
Noch betrachtet Philipp Sommer seine Arbeit für „Mein Helfair“ als Hobby neben dem Studium. „Doch Ende des Jahres wollen wir zusammen entscheiden, wie es weitergeht“, sagt Sommer. Vieles hängt auch davon ab, ob das Start-up mit dem EXIST-Gründungsstipendium gefördert wird. „Mit der Aufnahme in das Förderprogramm wäre eine Finanzierungszusage verbunden, die es uns ermöglicht, das Start-up in Vollzeit voranzutreiben“, erzählt Sommer, der mit einem auf Finance spezialisierten Master ein weiteres Ass im Ärmel hat: „Denn noch möchte ich nicht auf ein Pferd setzen, sondern das Risiko breit streuen.“



