Praxis der Nachrichtenmedien im Spring 2025
Wie journalistisch ist Compact – wo endet Meinung, wo beginnt Manipulation?
Von Anna Lammerskitten
01.07.2025
Science
Wie journalistisch ist Compact – wo endet Meinung, wo beginnt Manipulation?
Wie journalistisch ist Compact – wo endet Meinung, wo beginnt Manipulation?
© KI-Bild: Anna Lammerskitten
Praxis der Nachrichtenmedien im Spring 2025

Wie journalistisch ist Compact – wo endet Meinung, wo beginnt Manipulation?

Von Anna Lammerskitten
01.07.2025
Science

Compact inszeniert sich als „Mut zur Wahrheit“. Doch hinter der Fassade steckt Ideologie statt Journalismus – mit gefährlichen Folgen für den Diskurs.

In einer Zeit, in der das Vertrauen in klassische Medien schwindet und soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle boomen, erleben sogenannte Alternativmedien einen Aufschwung. Ein Beispiel ist das Magazin Compact, das laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als „gesichert rechtsextrem“ gilt. Unter dem Motto „Mut zur Wahrheit“ veröffentlicht das Magazin Inhalte, „…die andere nicht schreiben dürfen“ und sieht sich selbst als Stimme einer „schweigenden Mehrheit“.


Compact wurde 2010 gegründet und umfasst ein monatlich erscheinendes Magazin, eine Online-Plattform sowie regelmäßig veranstaltete Events. Chefredakteur ist Jürgen Elsässer, den das ZDF als Kopf hinter einem Magazin bezeichnet, das rechtsextremistische Inhalte verbreitet. Seit Ende 2021 darf der Verfassungsschutz das Compact-Umfeld mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachten. Begründet wird dies mit „antisemitischen, minderheitenfeindlichen, geschichtsrevisionistischen und verschwörungsideologischen Inhalten“.


Die Themenpalette von Compact ist auffällig eng: Migration, Klimaschutz, EU, NATO oder Corona-Maßnahmen erscheinen fast ausschließlich in negativem Licht. Die Sprache ist scharf, die Aussagen provokativ, die Stimmung elektrisierend – jeder Satz wirkt wie ein Aufruf zur Revolution. Polarisierende Themen dominieren und dienen dazu, sich als Tabubrecher zu inszenieren.

Das Bundesinnenministerium beschreibt die Rhetorik als „Widerstands- und Revolutionsrhetorik“ mit „gezielten Grenzüberschreitungen sowie manipulativen Darstellungen“. Die Strategie folgt einem populistischen Muster: Ein homogenes „Wir“ gegen „die da oben“. Kritik wird nicht als demokratische Auseinandersetzung akzeptiert, sondern als Zensur gedeutet. So entsteht ein geschlossenes Weltbild, in dem Abweichung als Verrat gilt.


Ein Beispiel: Ein Beitrag vom 06. Mai 2025 zur Einstufung der AfD als rechtsextrem erklärt: „Wir werden uns gegen diese rechtswidrigen Bestrebungen und Diffamierungen […] mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen.“ Compact übernimmt Narrative der AfD und inszeniert politische Verfolgung – ein klassisches Element populistischer Rhetorik, das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen schürt.


Die Beiträge verstoßen gegen journalistische Standards. Der Pressekodex fordert Trennung von Nachricht und Meinung, Achtung der Menschenwürde und ausgewogene Berichterstattung. Compact verletzt diese Grundsätze regelmäßig – durch suggestive Schlagzeilen und selektive Informationen. Wissenschaftlich fundierte Quellen fehlen oft oder werden aus dem Zusammenhang gerissen. Beispiel: Ein Artikel über den Russlandfeldzug feiert NS-Propagandist Paul Carell als „akribischen Militärhistoriker“, ohne seine Rolle im Dritten Reich zu erwähnen. Der Krieg wird als „Opfergang“ dargestellt, das NS-System ausgeblendet.


Ein Antrag auf Verbot der Compact-Magazin GmbH wurde gestellt. Grundlage ist Artikel 9 Absatz 2 des Grundgesetzes, wonach Vereinigungen verboten werden können, wenn sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richten. Doch ein Verbot bleibt Ausnahme, da auch problematische Medien unter Pressefreiheit fallen – solange sie diese nicht missbrauchen, um die Grundlagen der Demokratie zu untergraben.


Fazit: Kritik an Politik und Medien ist legitim und notwendig. Doch wo Kritik zur Manipulation wird, Fakten ignoriert und Ideologie als Wahrheit verkauft, entsteht gefährliches Halbwissen. Die Analyse von Compact zeigt, warum kritische Auseinandersetzung mit Alternativmedien wichtig ist – nicht um sie pauschal zu verbieten, sondern um ihre Mechanismen zu verstehen. Journalismus muss aufklären statt aufhetzen, differenzieren statt emotionalisieren – und sich selbst fragen: Welche Quellen nutzen wir? Warum glauben wir, was wir glauben?

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