
Zum zweiten Mal haben sich Professor:innen der ZU und Abteilungsleiter:innen von ZF bei einem Symposium getroffen, um Ergebnisse der gemeinsamen Forschungsprojekte vorzustellen.
„Wie verändern sich Gesellschaften und Organisationen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz?“, erklärt Prof. Dr. Mateusz Dolata an einem Freitagvormittag im Graf-von-Soden-Forum der Zeppelin Universität, wie er den Auftrag seines Lehrstuhls, den ZF-Stiftungslehrstuhl für Artificial Intelligence, versteht. Den Fokus lege er dabei auf die soziotechnischen Fragestellungen – also auf das Wechselspiel zwischen Mensch und Maschine. „Mein Ziel ist es, dass Menschen und künstliche Intelligenz besser zusammenarbeiten können.“
Bei dem Symposium, das nun zum zweiten Mal stattgefunden hat und an dem Mitarbeitende von ZF und der ZU teilgenommen haben, stellt Prof. Dolata dar, wie sich diese Fragen in einem Unternehmenskontext erforschen lassen. Ein Forschungsprojekt soll herausfinden, wie sich Besprechungen produktiver gestalten lassen, wenn eine künstliche Intelligenz – ein sogenannter KI-Agent – als zusätzliches Teammitglied beobachtend teilnimmt und die Besprechung moderiert, wenn das sinnvoll wäre.
Der KI-Agent könne darauf achten, dass alle Beteiligten dieselben Redeanteile bekämen, dass keine Fragen vergessen werden oder destruktive Emotionen das Gespräch negativ beeinflussen. Wie gut das funktioniere, müsste erforscht werden. Und: ob die Menschen einen solchen KI-Kollegen akzeptieren.

Um Antworten auf Fragen wie diese zu bekommen, seien alle hier, erklärt Dr. Karoline Bader-Pfeffer, die bei ZF die Digitalisierung verantwortet. „Die richtige Verzahnung von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ist entscheidend“, erklärte Bader-Pfeffer, um die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen der ZF Friedrichshafen AG und der Zeppelin Universität zu unterstreichen. „Ich denke, dass das ein absolutes Erfolgsprojekt ist“, sagte auch die kommissarische Präsidentin Prof. Dr. Anja Achtziger. „Ein Projekt, das dringend notwendige Grundlagenforschung betreibt und sicherlich neue, gemeinsame Visionen entwickelt.“
Prof. Dr. Raphael Zender, ZF-Stiftungslehrstuhl für Systeme der virtuellen Realität, präsentierte das erste Einsatzszenario der von ihm erforschten VR-Technologie: die virtuelle ZF-Fabrikhalle, die sein Team in Zusammenarbeit mit einem Team von ZF entwickelt hat. Diese Fabrikhalle können neue Mitarbeitende und Besuchende von ZF mit einer VR-Brille besuchen und dabei alle notwendigen Sicherheitstrainings durchlaufen, bevor sie eine echte Werkshalle von ZF betreten.
Diese virtuellen Trainings sollen zudem dabei helfen, die Zahl der Arbeitsunfälle zu reduzieren. Der Vorteil: In der virtuellen Halle lassen sich auch sicherheitstechnisch anspruchsvolle Szenarien simulieren, ohne die Trainierenden in Gefahr zu bringen. Die Fabrikhalle solle nun noch weiterentwickelt werden.

Prof. Dr. Florian Muhle, Inhaber des ZF-Stiftungslehrstuhls für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Kommunikation, hatte in den vergangenen Monaten untersucht, wie die Mitarbeitenden von ZF die Einführung der Microsoft-KI „Co-Pilot“ erlebt haben. Die Untersuchungsergebnisse sollen dabei helfen, die Einführung von Software in Zukunft besser kommunikativ zu begleiten. Ein darauf aufbauendes Forschungsprojekt soll ermitteln, inwieweit Künstliche Intelligenz die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens unterstützen kann.
Ein Thema, das für die Allgemeinheit etwas schwieriger zu greifen ist, für einen internationalen Konzern aber zu den größten Herausforderungen der Gegenwart gehört, ist das ESG-Reporting. ESG ist die Abkürzung der drei Begriffe Environment (Umwelt), Sustainability (Nachhaltigkeit) und Governance (Management). In fast allen Ländern bzw. Märkten verlangen Gesetze von Unternehmen, dass sie Berichte veröffentlichen, in denen sie ihre ESG-spezifischen Prozesse darlegen.
Seitdem es diese Berichte gibt, haben sich Rating-Agenturen darauf spezialisiert, diese Berichte zu bewerten. Diese Bewertungen beeinflussen wiederum die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen. Je besser die Bewertungen sind, desto günstigere Konditionen sind möglich.

Die Forschenden des ZF-Centre for Sustainability Research, geleitet von Prof. Dr. Florentina Paraschiv, analysieren die Bewertungsprozesse der Rating-Agenturen und können anschließend Empfehlungen geben, wie international tätige Konzerne wie ZF ihre Berichte gestalten sollten, um den Anforderungen der verschiedenen Rating-Agenturen bestmöglich gerecht zu werden. Diese Grundlagenforschung trägt dazu bei, dass ZF seine Position auch im internationalen Finanzmarkt verbessern kann.





Am Ende des Symposiums sind die Mitarbeitenden der ZU und der ZF noch ins Gespräch gekommen, um weiterführende Projektideen miteinander auszutauschen. Am Anfang war alles eine Idee. Vor 110 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der ZF Friedrichshafen AG mit einer Idee. Vor 22 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der Zeppelin Universität mit einer Idee.



