
funk will junge Menschen erreichen – zwischen Kritik an „Wokeness“ und dem Anspruch auf Vielfalt. Vertrauen entsteht nur durch Transparenz und Dialog.
funk erklärt die Welt – aber wem gefällt diese Erklärung? Für die einen ist es mutiger Journalismus am Puls der Zeit. Für die anderen: woke Propaganda. Was einst für seine Frische gefeiert wurde, steht heute unter Beschuss. Der Vorwurf: zu links, zu laut, zu eindeutig.
Dabei ist funk mehr als nur ein Medienformat. Seit 2016 bündeln ARD und ZDF unter diesem Dach digitale Inhalte für 14- bis 29-Jährige – von investigativen Reportagen über politische Bildung bis hin zu Satire. Das Ziel beschreibt Philipp Schild, Geschäftsführer von funk, im Gespräch mit ZU Daily so: „Wir wollen die Lücke schließen, junge Menschen ernst nehmen und ihnen Unterhaltung und Orientierung bieten – und zwar dort, wo sie sich ohnehin aufhalten.“ Auf YouTube, Instagram und TikTok.
Trotz dieses Anspruchs sind die Vorwürfe laut. Die Kritik richtet sich selten nur gegen Inhalte, sondern spiegelt ein Grundgefühl: Die gesellschaftliche Zugehörigkeit wirkt brüchig, die Öffentlichkeit fragmentiert, das Misstrauen wächst. Man fragt sich, ob Journalismus heute noch eine eigene Wahrheit stiften kann.
Zwischen Haltung und Einseitigkeit
Dass funk Themen wie Rechtsextremismus, Gendergerechtigkeit oder Klima behandelt, ist Ausdruck eines Selbstverständnisses. Doch dieses bringt die Dauerklage mit sich, das Medium sei zu links. Wirtschaftsliberale Perspektiven oder konservative Lebenswelten? Eher Randerscheinungen. Ein Problem, denn journalistische Glaubwürdigkeit braucht Vielfalt.
„Natürlich kritisieren Menschen bestimmte Inhalte“, räumt Schild ein. „Aber oft wird funk auf wenige Beispiele reduziert – dabei gibt es in unserem Portfolio viele verschiedene Perspektiven.“ Über 80.000 veröffentlichte Videos belegen diese Vielfalt. „Was in einer Bubble funktioniert, stößt in einer anderen auf Ablehnung“, so Schild.
Ein Beispiel: 2023 sorgte das funk-Video „Was ist rechts?“ für Kritik: CDU, FDP und AfD nebeneinander im Thumbnail – die Nähe wurde als Gleichsetzung gedeutet. „Das hat nicht das widergespiegelt, was Selbstverständnis vieler Konservativer ist“, erklärt Schild und verweist auf die veröffentlichte Entschuldigung des Netzwerks. Für ihn ein „Lehrstück in digitaler Verantwortung“.
Diese Verantwortung ist Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags.
Doch sie trifft auf Zielgruppen, die sich medial zunehmend fragmentieren. „Eine 14-Jährige lebt in einer anderen Medienwelt als ein 29-Jähriger“, sagt Schild. funk reagiert mit Formaten, die Nähe schaffen und relevante Themen differenziert aufarbeiten.
Entscheidend ist die Art der Vermittlung und dass differenzierte Stimmen zu Wort kommen. Junge Menschen verlassen sich darauf: Laut Umfragen haben 78 % der 14- bis 29-Jährigen schon einmal funk-Formate genutzt. Diese Reichweite ist beachtlich – gerade weil das Netzwerk nicht auf Klickzahlen schielen muss. „Unser Auftrag ist gesellschaftliche Relevanz für junge Menschen – ohne uns dem Markt völlig auszuliefern“, so Schild.
Deshalb setzt funk verstärkt auf Personality-Formate. „57 % der jungen Konsumenten holen sich ihre Infos über einzelne Menschen statt über klassische Medienmarken“, erklärt er. Ein Beispiel ist MrWissen2Go – faktenbasiert, zugänglich und erfolgreich. Es zeigt, dass Differenzierung und Reichweite sich nicht ausschließen.
Vertrauen braucht Fehlerkultur
Trotzdem bleibt die Herausforderung groß, denn Polarisierung ist Realität. „Sie durchzieht Gesellschaft, Plattformen, Medien“, warnt Schild. funk müsse dem etwas entgegensetzen, um nicht in die Logik der Extreme zu verfallen und stattdessen Vertrauen zu fördern – auch gegenüber Skeptikern.
Dazu gehört Selbstreflexion. „Fehler passieren – gerade mit jungen Redaktionen“, berichtet Schild. „Aber sie müssen transparent aufgearbeitet werden.“ Haltung sei wichtig, aber ohne moralische Überhöhung.
Gute Medien setzen auf Vermittlung statt Lautstärke, denn Glaubwürdigkeit ist kein Geschenk, sondern muss verdient werden. Schild warnt vor einer Entwicklung: „Wenn wir keine passenden Angebote schaffen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr akzeptiert wird.“
Doch das Geld fehlt für diese Vielfalt: Trotz eines Gesamthaushalts von neun Milliarden Euro fließen nur 45 Millionen an funk. Schild spricht von einem Ungleichgewicht: Es brauche mehr Ressourcen und Prinzipien, um qualitative und diverse Medien für junge Menschen weiter produzieren zu können.
Qualität zeigt sich nicht nur im Format – sondern im Umgang mit Kritik. Im journalistischen Handwerk, in der Bereitschaft zur Selbstkritik und in der Fähigkeit, sachlich zu bleiben, auch wenn es persönlich wird.
Was folgt daraus?
Wenn eine Generation das Vertrauen verliert – in Medien wie in Öffentlichkeit – bleibt kein links oder rechts mehr, sondern nur Leere. funk versucht, aktiv dagegen anzugehen: mit reflektierten Formaten, offenen Dialogen und relevanten Themen. Von FakeCheck über TikTok bis hin zu Beiträgen über Klimawandel, psychische Gesundheit oder Rassismus. Kommunikation auf Augenhöhe ist essenziell, so funk: „Wir lesen jedes Feedback – und reagieren darauf.“ Vertrauen ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
Am Ende ist Vertrauen kein Geschenk: Es entsteht durch Arbeit, die hinter Differenzierung, Vielfalt und Offenheit steckt. Genau darin liegt die Chance des Jugend-Netzwerks – als öffentlich-rechtliches Angebot, das sich nicht an Algorithmen orientiert, sondern an Menschen. Denn Medienqualität misst sich nicht an Likes, sondern an der Frage: Was bleibt?



