
Trump ist mächtiger denn je. Doch auch wenn er die Wahl deutlich gewonnen hat, steht die Bevölkerung wirklich hinter ihm? Keineswegs, sagt Prof. Martin Elff. Wenn man genau hinschaut, war es alles andere als ein Erdrutschsieg.
Seit zwei Monaten sorgt Donald J. Trump, der neue Präsident der Vereinigten Staaten für eine Unruhe, wie man sie bis dahin kaum gekannt hat. In den USA betreibt das „Department Of Government Efficiency“ (DOGE) betreibt einen massiven Staatsabbau, bei dem zahlreiche Staatsbedienstete aus ihren Ämtern und Positionen gedrängt werden. Des Weiteren geht die neue Regierung in bisher unbekannter Vehemenz gegen Einreisende und Eingewanderte vor. Auf internationaler Ebene betreibt der neue Präsident einen Rückzug der USA aus internationalen Organisationen, wie der World Health Organisation, und fährt das Engagement der USA in internationaler Katastrophenhilfe und Armutsbekämpfung drastisch zurück.
Auch droht er damit, das amerikanische Engagement in der NATO zu reduzieren und die Unterstützung der Ukraine in ihren Verteidigungsbemühungen gegen den russischen Angriffskrieg einzustellen.
Mit diesen Aktionen gefährdet Trump nicht nur das internationale Ansehen der USA, sondern auch den Zusammenhalt des demokratischen Westens und die Stabilität des internationalen Systems.
Steht hinter diesem Rechtsruck im Regierungshandeln auch ein vergleichbarer Rechtsruck im Wahlverhalten?
Zwar hat Trump anders als 2016 nicht nur die Mehrheit der Wahlleute im Electoral College (die electoral majority), sondern auch die Mehrheit der Wahlbevölkerung (die popular majority) gewonnen. Allerdings war dies nur eine relative und keine absolute Mehrheit. Auf Trump entfielen 77.302.580 abgegebene Wählerstimmen (49,8 %), während für Kamala Haris 75.017.618 Stimmen (48,32 %) und für Drittkandidat:innen 2.918.109 Stimmen abgegeben wurden. [1] Eine Mehrheit der Wähler:innen hat sich also eben nicht Trump entschieden. Noch weniger triumphal sieht Trumps Wahlsieg aus, wenn die von ihm gewonnene Stimmenzahl mit den 244.666.890 Wahlberechtigten in Beziehung gesetzt wird. Von diesen haben sich 88.330.197 nicht an der Wahl beteiligt. [2]
Es gab also mehr Wahlenthaltungen als Stimmen für Donald Trump und von den Wahlberechtigten haben demnach mehr als zwei Drittel nicht für ihn gestimmt.
Gegen die Bedeutsamkeit einer solchen Aufrechnung könnte allerdings eingewandt werden, dass die Wahlbeteiligung in den USA (verglichen mit Deutschland) ohnehin tendenziell eher gering ist und daher die meisten Vorgänger in diesem Jahrtausend ebenfalls keinen viel größeren Anteil unter den Wahlberechtigten erreichen konnten. Immerhin war die Wahlbeteiligung 2024 höher als 2016 [3] und Trump konnte die Stimmenzahl gegenüber seinem vorherigen Wahlsieg sogar steigern. Andererseits war die Beteiligung an der vorangegangenen Wahl von 2020 mit 66,38 % sogar etwas größer [4] und Joe Biden konnte in dieser Wahl mit 81.283.501 sogar mehr Stimmen einsammeln [5] als Trump 2024. Folgt man den von CNN veröffentlichten Ergebnissen von Wahltagsbefragungen, [6] dann haben nur 5 % vormaliger Biden-Wähler für Donald Trump gestimmt. [7]
Vergleicht man Trumps Wahlsieg mit den Wahlsiegen von Vorgängern wie Dwight D. Eisenhower, Richard Nixon, oder Ronald Reagan, so erscheint sein Wahlsieg eher mager. Diese konnten mehr als 55 %, ja sogar 60 % der Wählerstimmen gewinnen. Dahinter bleibt Trump auch 2024 mit seinen unter 50 % deutlich zurück. Auch hat er offenbar kaum Wähler:innen umstimmen können.
Das ist kaum mehr als der Anteil vormaliger Trump-Wähler, die 2024 für Kamala Harris gestimmt haben (4 %). Wichtiger für den Wahlsieg waren wohl die etwa 10 % vormaligen Nichtwähler:innen, von denen 49 % für Trump und 46 % für Harris stimmten. [8]
Die Wahl im November 2024 war also keinesfalls ein Erdrutschsieg für Donald Trump. [9]
Zwar kann er sich noch auf eine fanatisch loyale Anhängerschaft verlassen. Deren Anteil an der Wählerschaft hat sich aber nicht erhöht und ist weiterhin eher eine Minderheit, wenn auch eine recht lautstarke. Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, wenn Trumps Politik zunehmend auf Widerstand in der Bevölkerung stößt.
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/2024_United_States_presidential_election#Electoral_results
[2] https://election.lab.ufl.edu/2024-general-election-turnout/ Da es in den USA keine Melderegister gibt, sind die zu Grunde liegenden Zahlen allerdings Schätzungen.
[3] https://election.lab.ufl.edu/voter-turnout/2016-general-election-turnout-rates/
[4] https://election.lab.ufl.edu/voter-turnout/2020-general-election-turnout/
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/2020_United_States_presidential_election
[6] https://edition.cnn.com/election/2024/exit-polls/national-results/general/president/0
[7] Damit sind diejenigen Umfrageteilnehmer:innen gemeint, die 2020 für Biden gestimmt haben.
[8] Derartige Zahlen sind allerdings wie immer mit der gebotenen Vorsicht zu behandeln. Anders als bei akademischen Wahlstudien, wie der American National Election Study (http://electionstudies.org) liegen keine genauen Angaben zu Auswahlverfahren und Gewichtungen vor. Allerdings beträgt die Stichprobengröße etwa 23.000 Befragte, so dass rein zufallsbedingte Abweichungen zwischen den Schätzwerten und den Populationsanteile nicht übermäßig ins Gewicht fallen dürften.
[9] Wie es zu Trumps Wahlsieg gekommen ist, werde ich in den nachfolgenden Beiträgen zu erhellen versuchen.



