Pionier des Monats
Till Leander Schröder: Wirkungsvoll in Szene gesetzt
von Sebastian Paul
12.12.2024
People
Till Leander Schröder
Till Leander Schröder
© Jil Tischer
Pionier des Monats

Till Leander Schröder: Wirkungsvoll in Szene gesetzt

von Sebastian Paul
12.12.2024
People

Eine starke Präsenz ist Till Leander Schröder nicht abzusprechen. Das liegt nicht nur an seiner Körpergröße, sondern auch an seinem extrovertierten Auftreten und seinem extravaganten Kleidungsstil. Doch auch mit Inhalten weiß er zu überzeugen, wäre er doch sonst nicht zum Schülersprecher und zum Jugendbürgermeister gewählt worden. Wie wandlungsfähig er ist, hat er an der ZU bewiesen: Denn hier hat er entdeckt, dass sich auch mit Kunst Botschaften wirkungsvoll inszenieren und wirksam transportieren lassen.

Behütet großgeworden ist Till Leander Schröder in einem nicht unweit von Hannover gelegenen und nach Ronnenberg eingemeindeten Dorf namens Benthe, sodass er die Vorzüge sowohl des ländlichen als auch des urbanen Lebens in vollen Zügen mitnahm. „Meine Eltern haben mich darin unterstützt und dazu ermuntert, das zu machen, was ich wirklich möchte“, erwähnt Schröder. Wie man mit Menschen umgeht und auf die Bedürfnisse von anderen eingeht, das konnte er vielfach beobachten: Etwa wenn er in der Praxis für Sprach- und Lerntherapie seiner Mutter mitarbeitete oder wenn sein im Beteiligungskapital tätiger Vater ihm von seinen Begegnungen mit jungen Unternehmer:innen erzählte. „Dabei erfuhr ich, wie wichtig es ist, Fingerspitzengefühl zu zeigen und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen“, erklärt Schröder.


Verhaltensweisen, die auch in der Politik gefragt sind und möglicherweise ein Grund, warum Till Leander Schröder früh den Schritt in die Schulpolitik wagte. Denn bereits in der sechsten Klasse wurde er zum Jahrgangssprecher gewählt. „Ich hatte immer schon das Bedürfnis, Umstände zum Besseren zu verändern“, bemerkt Schröder. Weitaus größere Wirksamkeit und Erfolge erzielte er dann als Schülersprecher und Leiter der Schülervertretung. Gemeinsam mit anderen SV-Mitgliedern, aber auch Lehrkräften gelang die Aufnahme in das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In Kooperation mit der Caritas Hannover war er zudem Mitorganisator einer Spendenaktion zugunsten von Geflüchteten aus der Ukraine.

Vom Schülersprecher zum Jugendbürgermeister

Durch sein Engagement pflegte Till Leander Schröder nicht nur engen Kontakt zur Schulleitung und Landesschulbehörde, sondern auch zur Kommunalpolitik. Er begann zwischen der schul- und kommunalpolitischen Ebene hin- und herzuwechseln, als der SPD-Bundestagsabgeordnete (und heutige SPD-Generalsekretär) Matthias Miersch seinen Wahlkreis darin unterstützte, in Ronnenberg ein Jugendparlament aufzubauen. „Für mich stand sofort fest, mich auch in der Kommunalpolitik zu engagieren, indem ich für das Jugendparlament kandidiere“, berichtet Schröder.


Zwei Wahlperioden saß er dort als Mitglied, zusätzlich bekleidete er zunächst das Amt des stellvertretenden Jugendbürgermeisters, dann das des Jugendbürgermeisters. Das bedeutete, sich in ein Potpourri von Themen einzuarbeiten, um mitreden und mitgestalten zu können: Bildung, Jugend, Sport, Senioren, Soziales, Gleichstellung und Integration. „Anfangs war es ein Stück weit überfordernd, sich als gerade einmal 14-Jähriger mit kommunalpolitischen Fragen und verschiedenen politischen Interessen auseinanderzusetzen“, erzählt Schröder. „Doch mit der Zeit habe ich mich mehr und mehr an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen dazu gewonnen. Ich konnte viel hinzulernen, was aber auch damit zusammenhängt, dass die Anliegen der Jugendlichen bei den Gemeinderatsmitgliedern großen Anklang gefunden haben.“


Vernetzungstreffen und ein Schulpraktikum im Büro der damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Kerstin Liebelt führten ihn in den niedersächsischen Landtag. Nach dem Praktikum erhielt er eine Anfrage, ob er sich nicht auf eine offene Stelle als Referent für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit im Büro der SPD-Landtagesabgeordneten Doris Schröder-Köpf bewerben möchte. „Dass ich schließlich den Zuschlag für den Job bekam, hatte wahrscheinlich mit meinen Kenntnissen politischer Prozesse zu tun“, erwähnt Schröder. Weil der Arbeits- und Zeitaufwand in manchen Phasen höher ausfiel, kam es auch schon mal vor, dass er mitten im Schulunterricht Presse- oder Bürgeranfragen bearbeitete. „Und doch war es eine wertvolle Zeit, in der ich erfahren durfte, wie bürgerorientierte Politik gelingen kann“, erklärt Schröder.


Obwohl er seine Referententätigkeit im Abgeordnetenbüro hätte fortsetzen können, obwohl er einen Listenplatz für die Gemeinderatswahl angeboten bekam und obwohl er in Ronnenberg bestens vernetzt und stadtbekannt war, war für ihn klar, dass er studieren, wegziehen und etwas Neues erleben wollte. Mit einem breit gefächerten Interesse und einem Abiturschnitt von 1,0 stand eine schwierige Studienwahl bevor, die Google einzugrenzen hatte. Also fragte er die Suchmaschine danach, wo man am besten Internationale Beziehungen studieren kann. Suchergebnis: der PAIR-Bachelor an der Zeppelin Universität. „Nachdem ich die Website durchforstet hatte, wusste ich, dass die ZU für mich der richtige Ort ist, um mich akademisch und persönlich weiterzuentwickeln“, berichtet Schröder. „Als ich meinen Eltern davon erzählte, sagten sie mir, dass eine Bekannte dort einmal studiert hatte. In mehreren Gesprächen mit ihr kristallisierte sich nach und nach der SPE-Bachelor als bessere Wahl für mich heraus.“


Doch auch dabei sollte es nicht bleiben. Nach zwei Semestern wechselte er vom SPE- zum CCM-Bachelor. Was überrascht, denn bei einem Blick zurück auf seine Prüfungsfächer im Abitur sucht man vergebens nach künstlerisch-kulturellen Andockpunkten: Spanisch, Deutsch, Politik, Mathematik, Pädagogik. „Das artsprogram mit seinen Ausstellungen hat mich von Anfang an fasziniert“, erläutert Schröder. Ein Zeppelin-Projekt, in dem er verschiedene Inszenierungen von Antigone verglich, ein kulturwissenschaftlicher Kurs bei Professor Dr. Jan Söffner und ein Vortrag von Charlotte Hüser zum Thema „Unzeiten für Kunst? Die Bedeutung des Zeitgeistes für den Blick auf Kunst“ taten ihr Übriges: „Dadurch ist mir bewusst geworden, dass es zwischen Politik und Kunst viele Überschneidungen gibt. Beide Disziplinen beschäftigen sich mit Themen, die die Gesellschaft und den Menschen bewegen, und sie versuchen stets, zwischen diversen (Ideal-)Vorstellungen zu vermitteln – nur in ihrer Herangehensweise unterscheiden sie sich grundlegend voneinander.“

Mit Kunst Emotionen wecken und Diskurse anregen

Erstmals selbst kuratorisch tätig wurde Till Leander Schröder im Kurs „Kuratorisches Praxisprojekt“ von Professorin Dr. Karen van den Berg und Rahel Spöhrer. Als Teil eines studentischen kuratorischen Praxisteams ging es darum, das zweitägige Symposium „Angst, Ressentiment, Spaltung“ um weitere künstlerische Positionen zu bereichern – unter anderem wurde eine Installation gezeigt, die mittels Künstlicher Intelligenz Hate Speech in positive Lyrik umwandelt. Unter dem Titel „Female Gaze“ – zu Deutsch weiblicher Blick – kuratierte er zusammen mit Charlotte Raeithel und in Kooperation mit einem französischen Fotokollektiv eine eigene Ausstellung, in der auch eine eigens produzierte Videoarbeit zu sehen war. Es folgte die künstlerische Leitung des studentischen Kulturvereins „Der Raum“ am Buchhornplatz 6 in Friedrichshafen – ein Safer Space und zugleich Freiraum für künstlerische Entfaltung.


„Ich habe erkannt, dass ich mit meiner kuratorischen Arbeit Kunst so inszenieren kann, dass sie bei den Menschen Emotionen und Interesse für Themen weckt und Diskurse anregt“, erklärt Schröder, der sein Wissen rund ums Kuratieren als Tutor des Kurses „Kuratorisches Praxisprojekt“ weitergibt und als Hilfskraft am Lehrstuhl für Kunsttheorie & Inszenatorische Praxis vertieft. Seinen eigenen Horizont erweiterte er darüber hinaus in einem Praktikum im Vitra Design Museum – und das mitten während der Art Basel und in der Vorbereitung der Ausstellung „Nike: Form Follows Motion“, die die Designgeschichte der größten Sportmarke weltweit beleuchtet. Aus dem Praktikum hervorgegangen ist eine Beziehung, von der er noch lange profitieren wird. So ist mit Sabrina Handler die stellvertretende Direktorin und COO des Museums zu seiner PraxisCoachin geworden: „Das CCM-Studium bereitet mich auf eine Zukunft als Kurator vor, indem es Perspektiven aus Kultur, Kommunikation und Management vereint und um gesellschaftlich relevante Fragestellungen anderer Disziplinen erweitert.“ Neue Perspektiven erhofft er sich von seinem nun anstehenden Auslandssemester an der University of Bergen.

Weitere Artikel

Zeit, um zu entscheiden

Diese Webseite verwendet externe Medien, wie z.B. Karten und Videos, und externe Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Dabei werden auch Cookies gesetzt. Die Einwilligung zur Nutzung der Cookies & Erweiterungen können Sie jederzeit anpassen bzw. widerrufen.

Eine Erklärung zur Funktionsweise unserer Datenschutzeinstellungen und eine Übersicht zu den verwendeten Analyse-/Marketingwerkzeugen und externen Medien finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.