Summit of the Future in New York
Zwei ZU-Studierende bei den Vereinten Nationen: „Alle Themen sind Jugendthemen – wir müssen gehört werden“
Interview: Annika Tremmel | Fotos: Cicek & Zündorf
05.12.2024
People
Treffen mit der Außenministerin Annalena Baerbock (blaues Kleid).
Treffen mit der Außenministerin Annalena Baerbock (blaues Kleid).
© PRIVAT
Summit of the Future in New York

Zwei ZU-Studierende bei den Vereinten Nationen: „Alle Themen sind Jugendthemen – wir müssen gehört werden“

Interview: Annika Tremmel | Fotos: Cicek & Zündorf
05.12.2024
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Ferhat Cicek und Rhoda Zündorf waren als German Youth Observers bei den Vereinten Nationen. Im Interview erzählen sie, was sie von dort mitgenommen haben.

Im Interview mit Ferhat Cicek und Rhoda Zündorf, den German Youth Observers bei den Vereinten Nationen, erfahren wir, wie ihrer Meinung nach junge Menschen aktiver in globale Entscheidungsprozesse eingebunden werden können. Sie berichten von ihren Erlebnissen beim „Summit of the Future“ in New York. Dabei plädieren sie für eine stärkere Partizipation der jungen Generation in der Gestaltung der globalen Zukunft.


Was hat euch die Ehre verliehen, als Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland mit zum "Summit of the Future" nach New York zu fliegen?


Ferhat: Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen sind unsere Träger. Die DGNV hat Anfang des Jahres nach motivierten, UN-interessierten Jugendlichen gesucht, die Interesse daran hätten, als German Youth Observer mit nach New York zu fliegen. Die DGNV vertritt und berät die Bundesregierung und den Bundestag zu UN-relevanten Themen, deshalb war es sehr wichtig, sich als Bewerber für die Werte der UN einsetzen zu wollen.

Wir sind dann beide jeweils getrennt voneinander darauf gestoßen und haben uns erstmal schriftlich beworben. In der zweiten Auswahlrunde mussten wir Gespräche führen und sind dann beide sehr dankbar gewesen, dass wir ausgewählt wurden. Insgesamt wurden sechs aus über 100 Bewerbungen ausgewählt, und wir haben dazu gehört.


Rhoda: Ich war schon immer interessiert an internationalen Beziehungen und wie es dort so zugeht. Davor habe ich mich viel in Diskriminierungsfeldern engagiert und habe deshalb gedacht, jetzt will ich mich eigentlich mal für andere Themen engagieren. Deshalb habe ich mich dann beworben.

Gibt es denn aktuell bestimmte Themen oder Anliegen, bei denen ihr meint, dass sie besonders wichtig für die Jugend in Deutschland sind?


Ferhat: Gerade die Jugend in Deutschland betrifft das große Thema Digitalisierung, das ist auch ein Kapitel im Pact for the Future. Damit hängt vieles zusammen, und ich glaube, das ist ein Thema, das viele Jugendliche bewegt. Aber natürlich schauen viele Jugendliche in Deutschland auch in die große Welt, und die ist aktuell geprägt von Konflikten, weshalb ein weiterer wichtiger Punkt Frieden und internationale Sicherheit ist. Gerade weil in Deutschland auch viele Menschen leben, auch wie wir beide, die einen Migrationshintergrund haben und zum Teil auch Fluchterfahrungen hinter sich.


Rhoda: Ich glaube, viele Jugendliche haben das Gefühl: Können die UN überhaupt irgendwas tun und wie effektiv sind eigentlich die UN? Wir haben so viele Konflikte und was machen eigentlich die UN? Deswegen fand ich es so wichtig, dass Jugendliche an dem Prozess teilnehmen und von innen sehen , wie die UN funktionieren und dann im Nachhinein anderen Jugendlichen davon erzählen können.

Im großen Plenarsaal der Vereinten Nationen.
Im großen Plenarsaal der Vereinten Nationen.
© Rhoda Zündorf

Über welche Entscheidung in diesem Pact of the Future habt ihr euch persönlich am meisten gefreut?


Rhoda: Für mich ist es, dass es ein ganzes Kapitel gibt, nur zu Jugendhilfe und Jugendpartizipation gibt und dass es um die Stärkung von Jugendlichen überall auf der Welt geht. Im Allgemeinen ist es jedoch schade, dass man immer von einer Aktion spricht, aber es sind keine aktiven Schritte genannt worden. Das sehe ich als generelles Problem der UN, man hat immer diese großen Ziele, aber die eigentliche Frage ist, wie wir diese erfüllen und das hat mir gefehlt. Die Sprache bleibt vage, deshalb hätte ich mir klare Worte und einen kleinschrittigeren Plan zur  Umsetzung der Ziele der UN gewünscht.

Rhoda Zündorf im Gespräch mit ARD-Journalist:innen.
Rhoda Zündorf im Gespräch mit ARD-Journalist:innen.
© Ferhat Cicek

Der Summit of the Future ist ganz stark auf langfristige Perspektiven ausgerichtet. Wie glaubt ihr, dass junge Menschen in diese Zukunftsplanung eingebunden werden sollten?


Ferhat: Ich erinnere mich an ein Zitat aus einer Rede in der Generalversammlung „the parliaments are our allies“. Die UN selbst haben keine Machtbasis, sondern sind bei der Umsetzung des Pact of the Future stark auf die Mitgliedstaaten angewiesen, deren Aufgabe es jetzt ist, den Pact in nationale Gesetzgebung umzusetzen. Hier spielen natürlich junge Menschen eine ganz wichtige Rolle, wenn es darum geht, ihre Bedürfnisse zu mobilisieren, auf Politikerinnen und Politiker zuzugehen und dies auch einzufordern. Wir werden in Zukunft die Entscheidungsträger sein, die auch am Ende dafür verantwortlich sind, diesen Pact weiter umzusetzen. Es wurde auch viel über Generationen gesprochen, die noch gar nicht da sind und genau auf diese müssen wir Rücksicht nehmen und uns fragen: wie können wir aktuell leben, um eine Welt zu hinterlassen, die auch für zukünftige Generationen noch lebenswert ist.

Beim Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz.
Beim Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz.
© PRIVAT

Wie tragt ihr eure Erkenntnisse hier an der Zeppelin-Universität weiter? Gibt es etwas Bestimmtes, was ihr euren Kommilitonen sagen wollt?


Rhoda: Herauszufinden, wofür man steht und sich dafür einzusetzen, ist das Wichtigste. Die Uni gibt uns so viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, und durch Engagement und Teilhabe werden wir gesehen, werden wir gehört und werden wir ernst genommen. Ich bin noch nicht lange hier auf der Uni, aber ich sehe so viele junge Leute mit so viel Energie und ich glaube, dass man herausfinden muss, wo diese Energie hingehört.


Ferhat: Mein Ratschlag: bildet euch weiter, werdet Experten in euren Themen, denn so kann man beweisen, dass man was draufhat. Man kennt sich in der Thematik aus und wird dann ernst genommen.

Ferhat Cicek in einem Workshop.
Ferhat Cicek in einem Workshop.
© Jim Papke

Welche Herausforderungen seht ihr bei der Einbindung von Jugendthemen in globale Entscheidungsprozesse, wie jetzt bei den Vereinten Nationen? Gibt es da Hürden, die man speziell angehen müsste?


Ferhat: Eine Sache, die wir immer wieder klarmachen mussten: Alle Themen sind Jugendthemen. Es gibt nichts, was die Jugendlichen nicht auch betrifft. Deshalb ist die erste Hürde zu zeigen, dass wir überall gehört werden müssen, egal, worum es geht. Wir sind dort, wir hören zu, wir bringen unsere Meinung ein, aber wir sind nicht beteiligt.


Rhoda: Generell haben nur wenigen Staaten Jugenddelegierte gesendet, vor allem die Staaten des afrikanischen Kontinents. Das ist sehr schade, denn so bindet man Jugendliche einfach gar nicht ein. Einblicke zu bekommen ist total wichtig und vor allem, dass uns solche Einblicke nicht verwehrt werden.

Wir durften viele führende politische Personen wie beispielsweise Annalena Baerbock treffen und mit Jugendlichen werden auf solchen Veranstaltungen gerne Fotos gemacht. Wir wollen aber nicht nur auf Fotos gesehen werden, sondern uns soll auch wirklich zugehört werden.

Youth Embassadors vor dem Hauptgebäude der UN.
Youth Embassadors vor dem Hauptgebäude der UN.
© Jim Papke

Wie stellt ihr euch die Zukunft der internationalen Zusammenarbeit vor? Welche Rolle wird eurer Meinung nach da die Jugend spielen?


Ferhat: Wenn wir uns die Zukunft der internationalen Zusammenarbeit anschauen, wird sich sehr viel verändern. So wie es aktuell ist, kann es nicht weitergehen, denn dieses Nord-Süd-Gefälle spiegelt sich immer noch in den UN wider. So sieht die aktuelle Weltordnung nicht mehr aus. Die BRIC-Staaten, der globale Süden, also China, Russland etc. gewinnen immer mehr an Macht und Einfluss. Wenn die UN oder auch andere internationale Organisationen sich nicht anpassen, dann werden sie letztendlich kollabieren und handlungsfähig.

Und um globale Konflikte wirksam lösen zu können, müssen alle zusammenarbeiten, alle Staaten und alle Regierungen. Russland zum Beispiel blockiert in den UN aktuell alles. Das haben wir auch von Botschafter Zahneisen gehört. Russland hat den Pact for the Future gar nicht erst angenommen. Hier sehen wir einfach, es muss sich auf jeden Fall was verändern. Der Multilateralismus muss von den Staaten wieder ernst genommen werden, und das gelingt nur, indem die UN sich reformieren.

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