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Lehrstuhl für Global Governance

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Profil

Im Kontext des Studiengangs Politics, Administration & International Relations legt der Arbeitsbereich Global Governance die Schwerpunkte von Forschung und Lehre auf die Problematik der Steuerung globaler Kontexte. Im Zuge einer forcierten Globalisierung entstehen globale Kontexte - wie die Weltwirtschaft, das globale Finanzsystem, das globale Gesundheitssystem, globale epistemische Gemeinschaften, globale Entwicklungsstrategien, globale Policy-Netzwerke und viele anderen globalen Akteure und Institutionen. Sie koppeln sich vom steuernden Einfluss der Nationalstaaten in bestimmten Hinsichten ab und beginnen ihre je eigene Geschichte der Ausbildung autonomer Steuerungsregime. Es entsteht damit ein vielschichtiges, komplexes Spannungsverhältnis zwischen Nationalstaaten und globalen Kontexten, welches sich in vielfältigen Formen der Governanz – von Selbststeuerung bis global governance – organisiert.

Im Gegensatz zu Staatstheorie oder Verwaltungswissenschaft ist Global Governance eine sehr junge Wissenschaftsdisziplin und ein emergentes Feld politischer Praxis. Dies bedeutet, dass sich sowohl Theorien globaler Steuerung wie auch Modelle und Praxisfelder von Global Governance erst herausbilden und in einem dynamischen Entwicklungs- und Veränderungsprozess begriffen sind. Dazu gehört, dass Globalisierung und ihre Folgen ein sehr umstrittenes Politikfeld konstituieren, welches von gegensätzlichen Interessenlagen geprägt ist. Zum einen gibt es Verlierer und Gewinner der Globalisierung, zum anderen treten neue Akteure und Institutionen in die Auseinandersetzungen um globale Steuerungsregime ein. Beide Momente stellen Herausforderungen an die etablierten Regierungs- und Verwaltungsformen dar, die auch auf der Ebene der traditionellen Nationalstaaten zu Veränderungen führen.

Vor diesem Hintergrund bietet der Arbeitsbereich folgende Schwerpunkte an:

  • Theorien globaler Steuerung; Genese von Governance Regimen;
  • Modelle der Steuerung globaler Funktionssysteme
  • Praxis globaler Systemsteuerung


Theorien globaler Steuerung; Genese von Governance Regimen

Von der frühen Modernisierungstheorie und Wallersteins World Systems Theory bis zu heutigen Theorien der Weltgesellschaft gibt es eine bunte Vielfalt theoretischer Erklärungsperspektiven, die sich um eine brauchbare Rekonstruktion der Funktionen und Folgen globaler Goveranz bemühen. Wichtig ist her vor allem eine Anbindung an soziologische Gesellschaftstheorien, an politikwissenschaftliche Theorien von Ordnungsbildung und Herrschaft und an allgemeine Theorien der Steuerung hochkomplexer Sozialsysteme. Ein besonders brisantes Problem in diesem Zusammenhang ist die Frage, wie die Prozesse der Etablierung einer Weltgesellschaft mit den komplementären Prozessen der Bildung einer Wissensgesellschaft zusammenspielen.

Modelle der Steuerung globaler Funktionssysteme

Globale Funktionssysteme (von Finanzen, Wirtschaft und Handel über Sport, Tourismus, Massenmedien, Gesundheit, Wissenschaft, Kunst, Erziehung, und Entwicklung bis zu Religion, Kriminalität oder Terrorismus) entwickeln zunehmend eigene Steuerungskompetenzen, die an ihren eigenen zentralen Institutionen in strategischer Absicht ausgebaut werden. Die Arbeitsweise, die Ressourcen, Konfliktlagen und Paradoxien dieser globalen Institutionen – wie vor allem WTO, WHO, BIZ, IOC, IEA, IRC, etc. – bilden daher ein besonders wichtiges Feld der Forschung und Lehre des Arbeitsbereichs Global Governance. Zugleich sind diese Einrichtungen und Organisationen mögliche Berufsfelder und Arbeitgeber für AbsolventInnen des PMG-Studienganges.

Praxis globaler Systemsteuerung

Die Praxis globaler Systemsteuerung ist dadurch geprägt, dass es im Weltmaßstab keine übergreifende politische Entscheidungsinstanz gibt (mit der hoch spezialisierten Ausnahme des UN-Sicherheitsrats). Daher entwickeln die lateralen Weltsysteme ihre je eigenen Steuerungsregime, die auf sehr unterschiedlichen Ressourcen gründen, zunehmend aber von der Ressource Wissen (spezialisierte Expertise) abhängen. Zugleich bilden sich komplexe und heterogene globale Regel-Systeme, die unter dem Stichwort „global law“ zusammengefasst werden. Schließlich erlebt die Ressource Moral durch die Globalisierungsdynamik eine nicht unproblematische Renaissance.

Eine Leitfrage der Praxis globaler Systemsteuerung ist daher: Wie wirkt sich die unterschiedliche Verteilung und Nutzung, sowie der unterschiedliche Zugang zu diesen Ressourcen auf die Legitimität und Nachhaltigkeit der entstehenden Governance-Regime aus?

 

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