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NEW EELAM

Ausstellung in der White Box


07 | 09 - 01 | 12 | 2017


Das Recht und der Anspruch darauf, irgendwohin zu gehören, sind weltweit an Staatsbürgerschaft und spezifische Nationen gebunden. Aber lassen sich gesellschaftliche Ordnungen in Zeiten globaler gesellschaftlicher Umwälzungen und Migrationsbewegungen auch jenseits nationaler Grenzen denken? Welchen Beitrag könnten dazu neue Technologien und die Kunst leisten?


NEW EELAM, ein langfristig angelegtes Kunstwerk des britischen Künstlers Christopher Kulendran Thomas, wirbt für die Vision eines postnationalen und flexiblen Lebens und versucht so auf diese Fragen Antworten zu finden. Die Idee besteht in genossenschaftlichem Wohnen jenseits von festem Wohnsitz und territorial gebundener Staatsbürgerschaft. Vorgestellt wird das Vorhaben mit verführerischen Promotion-Filmen und Bildern von großzügigen, hochästhetischen Wohnambientes. In Zusammenarbeit mit der Kuratorin Annika Kuhlmann und einem interdisziplinären Team arbeitet Thomas seit 2016 an der Weiterentwicklung von NEW EELAM und – so heißt es in Flyern, Filmen und auf der Website – tatsächlich auch an der Umsetzung eines globalen Flatrate-Subskriptionsmodells. Dies soll NEW EELAMs Bürgern weltweit einen kontinuierlichen Zugang zu attraktivem Wohnraum in Großstädten bieten und zudem eine „fluide Staatsangehörigkeit“ (Liquid Citizenship) ermöglichen.


Der Ausgangspunkt des Kunstwerkes ist Eelam, einst das Heimatland der Tamlien im Nordosten Sri Lankas. Der Bürgerkrieg um dieses Land stellt eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Globalisierung dar. Das Autonomiebestreben des in den späten 1970er-Jahren ausgerufenen neomarxistischen tamilischen Staates wurde 2009 blutig niedergeschlagen. Eelam, das Land, aus dem die Familie des Künstlers ursprünglich stammt, hörte auf zu existieren. Wie aber könnte man sich heute ein neues Eelam vorstellen? Ist ein „Eelam für alle“ denkbar, losgelöst von territorialen Ansprüchen, als globales Netzwerk jenseits von Grenzen und Nationen? Oder ist die Flatrate nur etwas für junge Eliten?


In der White Box, dem Ausstellungs- und Projektraum des artsprogram der ZU, wird NEW EELAM in einer kühl-eleganten, modularen Erlebnissuite präsentiert. Gezeigt werden in dieser Atmosphäre auch Werke aus Thomas’ Arbeit „When Platitudes Become Form“. Ausgestattet wird der Raum zudem mit Möbeln der Berliner Designer NEW TENDENCY. Zu sehen ist dort zudem ein Science-Fiction-Dokumentarfilm, der den historischen und politischen Kontext von NEW EELAM skizziert und den Anspruch formuliert, dass NEW EELAM Basis für ein neues, die Mechanismen des Kapitalismus subversiv umdeutendes ökonomisches Modell sein könnte.


Als multifunktionales Environment öffnet die Ausstellung an der ZU den Raum für Performances, Workshops, öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie experimentelle Lehrformate und informelle Gesprächsrunden, in denen drängende Fragen unserer Gegenwart wie Migration, Stadtentwicklung, Globalisierung und Formen des zukünftigen Zusammenlebens erörtert werden.

Christopher Kulendran Thomas befasst sich in seinen Arbeiten mit globalen strukturellen Zirkulations- und Umverteilungsprozessen, in welche auch die Kunst verwickelt ist. Hierzu zählt auch die Verstrickung der eigenen künstlerischen Praxis in die Weiterentwicklung des globalen Kapitalismus. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2017), in der 11. Gwangju Biennale (2016), auf der 9. Berlin Biennale (2016), im Museum of Modern Art in Warsaw (2016), im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris (2015) und in der Tate Liverpool (2013). Im Oktober eröffnet eine Einzelausstellung in Tensta konsthall, Stockholm (2017), gefolgt von der Shenzhen Biennale (2017), einer Ausstellung im Museum of Contemporary Art Chicago (2018) und in Spike Island, Bristol (2018). Thomas lebt und arbeitet in London und Berlin.


Annika Kuhlmann arbeitet als Kuratorin in unterschiedlichen langfristigen Kollaborationen und setzt sich in ihrer Arbeit mit gesellschaftlichen Prozessen auseinander. Als künstlerische Leiterin von NEW EELAM war sie beteiligt an der 9. Berlin Biennale, der 11. Gwangju Biennale sowie Ausstellungen im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin, und der Tensta konsthall, Stockholm. Mit der Kuratorin Anna Frost etablierte sie das kuratorische Projekt „planes.sx” im Bas Fisher Invitational, Miami (2015), als Künstlerin und Gründerin von „Brace Brace” war sie im Museum of Modern Art in Warsaw, in Auto Italia (UK), bei KM Temporär (DE) und DIS (US) vertreten. Annika Kuhlmann lebt und arbeitet in Berlin und London.

Öffnungszeiten
dienstags bis donnerstags 14 – 17 Uhr
und nach Vereinbarung


Herzlichen Dank an den Kooperationspartner „Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Bodensee“, an Michael Bihler von „Bihler Möbelkonzepte“ und die „Fränkel-Stiftung“.


Kontakt
Ulrike Shepherd | Kuratorin des artsprogram der Zeppelin Universität | ulrike.shepherd@zu.de


Prof. Dr. Karen van den Berg | Akademische Sprecherin des artsprogram | karen.vandenberg@zu.de