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Archaeology of the Present – Memory, Media, Matter

Forensic Architecture

Ausstellung in der White Box


16 | 02 – 15 | 09 | 2018

Das Londoner Kollektiv Forensic Architecture (FA) um den israelischen Architekten Eyal Weizman (geb. 1970) zeigt im universitären Ausstellungs- und Projektraum „White Box“ drei jüngere Arbeiten. Das 2011 gegründete, am Londoner Goldsmith College angesiedelte Forscherteam aus Künstlern, Filmemachern, Architekten, Wissenschaftlern und Journalisten präsentiert dabei unter der Überschrift „Archaeology of the Present – Memory, Media, Matter“ zugleich die drei wichtigsten Ansätze ihrer forensischen Arbeitsmethodik.
Bekannt wurden Forensic Architecture durch Arbeiten, in denen sie auf der Basis öffentlich zugänglicher Daten und selbst ermittelter Informationen Tathergänge von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen rekonstruieren. In ihren Projekten bilden sie Räume nach und berechnen Zeitabläufe von Bombenangriffen auf die Zivilgesellschaft, Umweltverbrechen, illegalen Annexionen, Erschießungen oder Folterungen in Gefängnissen. Auf überzeugende, präzise und allgemein zugängliche Weise erstellen sie so Gegendarstellungen zu offiziellen Medienberichten. Forensic Architecture nutzen dazu gängige Simulationsmethoden, wie sie bei architektonischen Planungsprozesse eingesetzt werden und kombinieren diese mit bildgebenden Verfahren, Soundanalysen, Archivmaterial und Zeugenaussagen. So werden abgerissene Gebäude und zerstörte Gefängnisse nachgebildet und widersprüchliche Zeugenaussagen verifiziert. Das interdisziplinäre Kollektiv erstellt virtuelle Architekturen und bewegt sich in seinen Arbeitsmethoden zwischen künstlerischer Forschung, Aktivismus und politischem Journalismus.


2016 war FA auf der Architekturbiennale in Venedig vertreten. Dort hatte das Team um Eyal Weizman im zentralen Pavillon eine Rekonstruktion eines amerikanischen Drohnenangriffs in Pakistan präsentiert. 2017 sorgten Forensic Architecture mit einer Videoarbeit zum NSU-Terrorismus auf der Kassler documenta14 für Aufsehen.

In der Ausstellung „Archaeology of the Present – Memory, Media, Matter“ zeigen Forensic Architecture nun eine speziell für die Zeppelin Universität entwickelte Präsentation. Das Kollektiv präsentiert drei Arbeiten, wobei jede Arbeit zugleich exemplarisch für eine Methode steht. Für jeden der drei Begriffe „memory, media, matter“ wird eine Arbeit gezeigt. Das Beispiel für „memory“ vollzieht den Hergang eines US-Drohnenangriffs im Oktober 2010 in Mir Ali in Pakistan nach. Unter dem Begriff „media“ wird eine Arbeit gezeigt, die auf der Basis von Handyfotografien, Satellitenaufnahmen, Medienberichten und Amateurfilmen die Gebäude und den Hergang eines US-Luftangriffs rekonstruiert, bei dem im März 2017 die mit mehreren hundert Menschen gefüllte Al-Jinah Moschee bei Aleppo in Syrien zerstört wurde. Ein Beispiel für die forensische Arbeit unter dem Begriff „matter“ stellt das fortlaufende Projekt Ground Truth dar, das auf der Basis des Abgleichs von historischen und aktuellen Luftaufnahmen ein Gebiet in der Negev-Wüste dokumentiert. Durch diesen Vergleich zeigen die Aktivisten, dass die Wüste – entgegen offiziellen israelischen Verlautbarungen – bereits lange vor 1948 von Beduinen besiedelt war. Die Ausstellung präsentiert diese drei Projekte in Filmen, Recherche-Materialien und Fotografien.

Die White Box dient dabei gleichzeitig als Environment für Vorträge, Workshops und öffentliche Diskussionsveranstaltungen zum Thema der Ausstellung.


Zum Ausstellungsauftritt auf der Homepage von Forensic Architecture


Öffnungszeiten
dienstags bis donnerstags 14 – 17 Uhr
und nach Vereinbarung


Herzlichen Dank an die GLS Treuhand e.V. und die Fränkel-Stiftung für die Unterstüzung dieses Ausstellungsprojekts.


Kontakt

Ulrike Shepherd | Kuratorin des artsprogram der Zeppelin Universität | ulrike.shepherd@zu.de
Prof. Dr. Karen van den Berg | Akademische Sprecherin des artsprogram | karen.vandenberg@zu.de


Fotos: Karen van den Berg und Valentin Kremer (2. Foto)