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01.10.2017

Philipp Riederle

Philipp Riederle gilt als Sprachrohr der digitalen Generation. Seit inzwischen acht Jahren reist der gerade einmal 22-Jährige nun schon als Digitalexperte durch ganz Europa, um zu erklären, wie die Generation Y tickt und was sie umtreibt. Dabei trägt er sein Wissen in Vorträgen und Publikationen in die Welt: Riederle veröffentlichte in diesem Jahr sein zweites Buch, nachdem bereits sein erstes in der SPIEGEL-Bestsellerliste landete. Um die mit der Digitalisierung einhergehenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen noch tiefer zu verstehen, studiert Riederle nun den SPE-Bachelorstudiengang an der ZU.

(Foto: Christian Kaufmann)


Philipp Riederle hat insbesondere seinem Großvater viel zu verdanken, denn er war es, der seinen Enkel im Kindesalter in die Welt der Technik einführte. „Mein Opa war Elektromeister und hat mir früh gezeigt, wie man elektronische Schaltungen baut und Schaltpläne zeichnet“, erinnert sich Riederle. So konnte er bereits vor der Einschulung aus einzelnen Komponenten funktionsfähige Alarmanlagen zusammensetzen. Was ihn dabei besonders faszinierte, war das Innenleben von technischen Geräten – ausgestattet mit unbändiger Neugierde wollte Riederle genau verstehen, wie Dinge funktionieren. „Wie fast jedes Kind hatte ich schon früh einen ganz speziellen Berufswunsch: Ich wollte Elektroingenieur werden“, lächelt Riederle.


Dass alles ganz anders kommen sollte, konnte er sich damals noch nicht vorstellen. Denn zunächst kaufte er sich von seinen ersten Ersparnissen einen nach eigenen Vorstellungen konfigurierten Computer, an dem er sich richtig austoben konnte, „also all das ausprobieren konnte, womit ich meine Eltern zuvor genervt hatte und darum nicht mehr an ihren Rechner durfte.“ Er befasste sich fortan sehr intensiv mit Soft- und Hardware und brachte sich autodidaktisch das Programmieren bei. Richtig spannend wurde es, als in den USA das erste iPhone auf den Markt kam. „Ich war hellauf begeistert von dieser technischen Neuerung, und mir war bewusst, dass da etwas Großes entsteht“, erläutert Riederle. Also kratzte er erneut sein Erspartes zusammen und ließ sich das iPhone aus den Vereinigten Staaten importieren. Einen Haken hatte das Ganze allerdings: Das Apple-Gerät war nur in Verbindung mit einem amerikanischen Mobilfunkvertrag funktionstüchtig. „Daher habe ich das iPhone so gehackt, dass man es auch in Deutschland benutzen konnte.“


Doch sein Wissen wollte er nicht nur für sich behalten, sondern auch mit anderen teilen. „So entstand die Idee, Videos zu produzieren, in denen ich Usern verständlich erzähle, wie man das iPhone auspackt, hackt und bedient“, erklärt Riederle. Eingestellt wurden die Clips auf einer selbst programmierten Webseite und als Podcast-Feed im iTunes Store. Anscheinend bediente der damals 13-Jährige ein weit verbreitetes Bedürfnis, was sich an schnell anwachsenden Downloadzahlen zeigte. Daraufhin produzierte Riederle eine ganze Reihe von Erklärvideos unter dem Titel „Mein iPhone und ich“, später gesellte sich „Mein iPad und ich“ hinzu. Millionenfach abgerufen und heruntergeladen, belegte der Video-Podcast regelmäßig Platz eins der iTunes Charts. Zusätzlich mündete das anfangs als ambitioniertes Hobby gedachte Projekt in die Gründung der Medienproduktionsfirma „Phipz Media“ – da war Philipp Riederle gerade einmal 15 Jahre alt.


Und nicht nur Otto Normalverbraucher interessierte sich für die Inhalte der Videos – zunehmend wurden auch Unternehmen darauf aufmerksam. „So wurde ich angefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, im Rahmen von Vorträgen zu erzählen, wie man junge Menschen im Netz erreicht, was mir ja ganz gut gelungen ist“, erinnert sich Riederle. Seinen ersten Vortrag hielt er vor rund 300 Gästen und sprach dabei über seine persönlichen Erfolgsrezepte. Die Resonanz war positiv, Empfehlungen führten zu weiteren Anfragen, ein Vortrag folgte auf den nächsten. Weil Riederle zunehmend bemerkte, dass digitale Medien einen wichtigen Pfeiler seiner eigenen Generation darstellen, führte ihn das zur größeren Frage, was die Generation Y – oder, wie Riederle lieber sagt, die „digitale Generation“ – eigentlich ausmacht. „Für die Unternehmen kristallisierten sich nach und nach zwei bedeutsame Fragestellungen heraus: Wie können Unternehmen die digitale Generation als Kunden gewinnen? Und wie können Unternehmen die digitale Generation als Mitarbeiter anziehen und binden?“, berichtet Riederle.


Aus einer Handvoll Vorträgen im ersten Jahr wurden im zweiten schon 50 – Tendenz steigend. Und es blieb nicht allein bei Vorträgen. Philipp Riederle trat zunehmend auch als Berater in Erscheinung und begleitete Unternehmen teils über Wochen, manchmal sogar über mehrere Jahre. Um sich fundiertes Wissen anzueignen, sichtet er nicht nur Literatur und aktuelle wissenschaftliche Studien, sondern tauscht sich fortwährend mit anderen Experten aus der Praxis aus. „Darüber hinaus lerne ich bei jedem meiner Projekte neue Sichtweisen und Ideen kennen“, ergänzt Riederle.


Philipp Riederle wurde nach seinen Vorträgen immer häufiger gefragt, wo man denn die Inhalte nachlesen könne. „Vorher habe ich überhaupt nicht daran gedacht, ein Buch zu veröffentlichen. Ich fand damals das Medium ,Papierbuch‘ eher altmodisch “, sagt Riederle. „Das war zu kurz gedacht – nach und nach wurde mir klar, wie viel Sinn es macht, den Menschen, die meine Vorträge nicht besuchen können, mein Wissen auf diese Weise zugänglich zu machen.“ Als dann ein Verlag gefunden war, ging er daran, die gesammelten Erkenntnisse, Notizen und Stichpunkte auszuformulieren und ein Manuskript zu erstellen. „In meinem ersten Buch ,Wer wir sind und was wir wollen‘ habe ich versucht, anhand der Analyse verschiedener Lebensbereiche darzulegen, was die Generation Y auszeichnet und wie sich gegenüber den Vorgängergenerationen abgrenzt“, erläutert Riederle.


Kurz nach dem Erscheinen des Buches häuften sich Medienanfragen, die wiederum den Bekanntheitsgrad von Philipp Riederle steigerten und die Verkaufszahlen nach oben trieben. „Ich kann mich noch genau erinnern, wie mich mein Verlag anrief und mir mitteilte, dass das Buch in die SPIEGEL-Bestsellerliste einstieg“, erzählt Riederle. „Da war die Freude natürlich riesig.“ Eine arbeitsreiche Zeit lag nicht nur hinter ihm, sondern schien sich auch weiterhin abzuzeichnen. Denn bei alledem muss man sich vergegenwärtigen, dass Philipp Riederle das Buch parallel zur Schule und seinen Vortragstätigkeiten schrieb. Dass er sein Abitur mit einem Einser-Schnitt bestand, grenzt da schon an ein Wunder.


Nach dem Abitur fokussierte sich Philipp Riederle auf seine Arbeit, pendelte von Vortrag zu Vortrag, von Interview zu Interview. „Auch wenn mein Leben in dieser Phase sehr intensiv und spannend war, so habe ich bald festgestellt, dass ich wieder ein neues, ein inspirierendes Projekt in Angriff nehmen muss“, berichtet Riederle. So engagierte er sich an seinen wenigen freien Tagen in der Freiwilligen Feuerwehr und im Rettungsdienst, doch dabei blieb es nicht, etwas Größeres musste es sein – „und was könnte es Größeres geben, als die Zähne zusammen zu beißen und ein Studium mit all seinen Höhen und Tiefen durch zu ziehen.“ So begab sich Philipp Riederle auf die Suche nach einem Studium, das ihn nicht nur persönlich, sondern auch fachlich weiterbringt. So kam er auf den SPE-Bachelorstudiengang an der ZU: „Denn Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verändern sich enorm unter dem Einfluss der Digitalisierung“, erklärt Riederle. „Daher erschien es mir sinnvoll, in der Tiefe mehr über das Funktionieren von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen zu erfahren.“


So erforschte er gleich zu Beginn seines Studiums im Rahmen seines Zeppelin-Projekts unter anderem die Faktoren, welche die Berufswahl der Generation Y beeinflussen. „Überhaupt habe ich schnell bemerkt, dass ich an der ZU mein Studium rund um meine inhaltlichen Schwerpunkte gestalten kann “, bemerkt Riederle. „Das führt dazu, dass beispielsweise Erkenntnisse, die ich in Hausarbeiten für das Studium erarbeitet habe, nicht nur in meine Vorträge fließen, sondern auch in mein zweites Buch ,Wie wir arbeiten und was wir fordern‘.“ Ein neues Projekt, das er neben Studium und Terminen schrieb und im April auf den Markt brachte. Diesmal im Fokus: Die digitale Generation und die Arbeitswelt. Darüber hinaus steht Philipp Riederle nach wie vor im Schnitt fast jeden dritten Tag auf einer Bühne und spricht über seine Generation und die digitale Transformation – wobei ihn seine Vorträge oft auch ins europäische Ausland führen. Warum überhaupt? „Ich möchte Brücken bauen zwischen den Generationen und Verständnis schaffen für die digitale Transformation, die weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat und haben wird.“