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01.02.2013

Maximilian Hartung

Bei den Olympischen Spielen in London wurde er im Säbelfechten Siebter im Einzel und Fünfter in der Mannschaftswertung, seit 2005 ist er jedes Jahr Deutscher Meister in seiner Altersklasse: Maximilian Hartung, Zweitsemester in SPE. Im gerade gestarteten Frühjahrssemester kämpft der 23-Jährige insgesamt bei zwölf Wettkämpfen rund um den Globus um Gold. Chicago, Madrid, Koblenz, Budapest, Moskau, Athen und Warschau sind dabei nur einige Städte, in denen er auf die Planche geht. Dabei hat er zwei Herausforderungen zu bestehen: die mit seinem jeweiligen Gegner und Hochleistungssport und Studium unter einen Hut zu bringen.


Mit acht Jahren hat Hartung in der Grundschul-AG mit dem Säbelfechten angefangen. „Ich bin danach direkt dem Verein TSV Bayer Dormagen beigetreten und dort an Vilmos Szabo geraten, der mittlerweile auch Bundestrainer ist. Zusammen mit ihm habe ich bis zum Abitur gearbeitet“, erzählt er. Kurz vor dem Abitur wurde Hartung Junioren-Weltmeister. Danach war ihm klar, dass er die Olympia-Qualifikation angehen wollte. Er ging zur Bundeswehr, absolvierte die Grundausbildung, trat der Sportfördergruppe bei und wurde Profisportler. 2011 wurde er mit seiner Mannschaft Vize-Europameister und Dritter im Einzel, bei Olympia belegte er den siebten Platz. „Ich bin als 26. der Weltrangliste gestartet. Auf dem Weg habe ich den Weltranglistendritten geschlagen und das Match gegen den Olympiasieger knapp 13:15 verloren. Die Teilnahme an Olympia hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht“, berichtet Hartung.


„Säbelfechten, das ist eine unglaublich schöne Sportart“, schwärmt Hartung. „Was mich am meisten fasziniert, ist der direkte Kampf mit dem Gegner. Es kommt darauf an, herauszufinden, was der andere vorhat und zu erahnen, wie er tickt und welche Schwächen er hat. Es ist so ein Spielchen, um den anderen auszuloten und das macht mir unglaublich viel Spaß.“ Ein Kampf dauert dabei, wenn man Pausen und Unterbrechungen abzieht, gerade einmal anderthalb Minuten.


Als Profisportler hat man in Deutschland in Sportarten wie dem Fechten kaum eine andere Möglichkeit, als zur Bundeswehr oder zur Polizei zu gehen, wenn man vom Sport allein leben will. Hartung entschied sich für die Bundeswehr. „Ich habe die Grundausbildung absolviert und musste einmal im Monat in der Kaserne zum militärischen Dienst antreten“, erklärt er augenzwinkernd. „Dort durfte ich dann einmal schießen und einmal marschieren, damit ich die soldatischen Grundfertigkeiten nicht völlig vergesse und weiß, bei welchem Laden ich angestellt bin.“ Alle anderthalb Jahre nahm er an einem achtwöchigen Lehrgang teil, bei dem der Stoff der Grundausbildung wiederholt wurde. Jetzt, als Student, bekommt er ein paar Hundert Euro monatlich von der Sporthilfe, einer Institution, die Spendengelder sammelt und sie an die aktiven Sportler verteilt. Die Flüge zu den Wettkämpfen und seinen Trainer muss er auch nicht bezahlen. In Friedrichshafen hat Hartung beim Fechtverein einen Trainingspartner, aber das Training ist nicht wirklich vergleichbar mit dem in Dormagen. Angesichts der zwölf Wettkämpfe, die während des Semesters stattfinden und an denen er auch teilnehmen will, plant er, häufig übers Wochenende nach Hause zu fahren.


Von Friedrichshafen aus wird nun mit BahnCard 50 und Säbel Zug um Zug die Karriere weitergeführt. Fitnesstraining in Friedrichshafen vor und nach den Vorlesungen, Fechttraining am Wochenende und Trainingslehrgänge in Dormagen: Ob so eine Olympia-Qualifikation für Rio 2016 gelingt, wird sich zeigen. „Optimal sind die Trainingsbedingungen natürlich nicht, aber im Fechten kann man viel mit Erfahrung und Tricks wettmachen. Mein erster Gegner in London war 38 Jahre alt", erklärt er. Zur Finanzierung sucht Hartung noch einen Sponsor, der ihm gemeinsam mit der Zeppelin Universität bis Rio de Janeiro begleitet. Für beides kann man ihm nur die Daumen drücken.