
Dass ein Geschenk ein Leben verändern kann, kommt eher selten vor. Bei Pascal Dörflinger war es so. Kaum nannte er einen alten gebrauchten Laptop sein Eigen, schraubte er ihn auch schon auseinander und wieder zusammen und schaute genau hin, wie ein Computer so tickt. Sein Hobby machte er zum Beruf, anhaltende Selbstständigkeit und lehrreiche Festanstellung waren die Folge. Wie Menschen mit und in der digitalen Welt interagieren, stellt dagegen eine wichtige Komponente in seinem SPE-Bachelor an der ZU dar.
Pascal Dörflinger ist im vorarlbergischen Feldkirch geboren, nur eine kurze Fahrradstrecke entfernt von Liechtenstein und der Schweiz. Dort ist er gemeinsam mit einer Schwester bei der Großmutter aufgewachsen. „Alles, was ich an Manieren, Einsatzbereitschaft und Konfliktfähigkeit in mir trage, habe ich meiner Großmutter zu verdanken“, berichtet Dörflinger. „Zeit ihres Lebens war sie meine größte Sympathisantin, aber auch meine größte Kritikerin. Sie hat mir vermittelt, nicht nur an mich zu glauben, sondern auch an mir zu arbeiten.“
Nach der Grundschule wechselte er auf ein in Bregenz gelegenes Internat – dank Förderungen vom Land Vorarlberg und vom Bund. Der Start dort verlief holprig. Mit der Zeit lernte er, wie wichtig es ist, im täglichen Miteinander begeisterungs- und konfliktfähig zu bleiben und sich behaupten zu können. Er übernahm mehr und mehr Verantwortung – und das nicht nur als zeitweiliger Schulsprecher und Landesschulsprecher sowie Vertrauensschüler.
Was für viele nicht weiter erwähnenswert wäre, erwies sich für den zwölfjährigen Pascal Dörflinger als wegweisend: der Zeitpunkt, als er seinen ersten eigenen Laptop in der Hand hielt. „Bereits ein Jahr zuvor hatte ich einen ersten Berührungspunkt mit Computern in einem Kurs zu digitaler Grundbildung. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, was das Wort Word bedeutet, war ich sofort fasziniert von dieser mir völlig unbekannten Welt“, berichtet Dörflinger. Besonders viel Zeit, um in die Computerwelt einzutauchen, hatte er in den Sommerferien in einem kleinen serbischen Dorf – dem Land, aus dem seine Vorfahren mütterlicherseits stammen. „Ohne Internet und Berührungsangst habe ich Bücher durchwälzt und gelernt, wie man einen Laptop auseinander- und wieder zusammenbaut und wie man programmiert“, erzählt Dörflinger.
Schließlich war er mit der Materie so vertraut, dass er zumeist kleinere Aufträge annahm und für Personen in seinem Umfeld Websites oder Printprodukte gestaltete. Hinzu kam ein erstes größeres Engagement, als die Familie eines Mitschülers mit WeTomorrow eine gemeinnützige Organisation ins Leben rief, die Bildungsprojekte in Asien realisiert. Bis heute kümmert er sich um die IT, aber auch um das Community Management – und war vor Ort, als digital ausgestattete Bibliotheken in der Mongolei und in Vietnam errichtet und eingerichtet wurden.
Dieses und jenes führte dazu, dass er sich – kaum 18 Jahre alt geworden – mit der Gründung von RaidPixels selbstständig machte. Inzwischen ist sein Portfolio um Projekte im Bereich der Digitalisierung und Prozessoptimierung angewachsen – wenn er etwa ein Büro dabei unterstützt, papierlos zu werden, oder einen Friseursalon dazu verhilft, ein digitales Terminbuchungssystem einzuführen.
Die Familie des mittlerweile ehemaligen Mitschülers sollte auch nach Matura und FSJ eine tragende Rolle spielen. Zum einen ermöglichte sie Pascal Dörflinger ein BWL- und Rechtsstudium an der Universität St. Gallen, zum anderen beschäftigte sie ihn in der damals familiengeführten und in Liechtenstein ansässigen Vermögensverwaltung. Vier Monate begleitete ihn das Studium, vier Jahre die Arbeit für die Vermögensverwaltung. Dort erwartete ihn „ein wilder Ritt vom Web- und Grafikdesigner hin zum IT-Leiter“, wie er es selbst bezeichnet. „Währenddessen habe ich viel Neues dazugelernt, das heutzutage bei meiner Selbstständigkeit zur Anwendung kommt. Gemeinsam im Team haben wir etwa aus Excel-Tabellen Regelwerke zur Antragsverarbeitung programmiert sowie ein CRM-System und ein Kundenportal aufgebaut“, erläutert Dörflinger.
So wie die Familie, so zog auch Pascal Dörflinger sich mit der Zeit aus dem Geschäft der Vermögensverwaltung zurück. Als sich der Verkauf des Unternehmens abzeichnete, ließ er sich zwar noch dazu überreden, den Übergang zu begleiten. Doch ein weiterer Übergang war da schon in vollem Gange: vom reizüberfluteten Leben in der Finanzwelt zum geistesanregenden an einer Universität. Er hatte Zusagen von Universitäten in Aachen, Berlin und Heidelberg, doch er entschied sich für den SPE-Bachelor an der ZU in Friedrichshafen. Bei der Entscheidung zumindest geholfen hatte das ZU Stipendium und das damit in seine Person entgegengebrachte Vertrauen. „Doch mehr noch wollte ich mich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen und nicht wie eine Matrikelnummer behandelt werden. Und schließlich war es meiner Großmutter wichtig, dass ich eine mich fordernde Ausbildung genieße“, ergänzt Dörflinger.
Auf Tuchfühlung mit dem akademischen Arbeiten gegangen war Pascal Dörflinger bereits zum Ende seiner Schulzeit, als er auf dem Weg zur Matura das Pflichtmodul Vorwissenschaftliche Arbeit belegte. Erschrocken über den oberflächlichen Umgang seiner Generation mit digitalen Medien, analysierte er in einer Facharbeit die negativen Auswirkungen von sozialen Medien auf die Generation Z: von digitaler Demenz über soziale Isolation bis hin zur emotionalen Abhängigkeit. „Bis heute zieht sich die Frage, was soziale Netzwerke mit uns machen und wie wir dort interagieren, wie ein roter Faden durch meine Forschungen“, erwähnt Dörflinger, der sich auch nicht abschrecken lässt von „harter Kost“ wie Weber, Habermas, Foucault oder Statistik. „Mein Wunsch, mich noch nicht festlegen zu müssen, sondern vielen Interessen nachgehen zu können, hat sich im SPE-Bachelor voll und ganz erfüllt“, sagt Dörflinger.
Was Pascal Dörflinger aus der Schulzeit ebenso beibehalten hat, ist seine Begeisterungs- und Konfliktfähigkeit. Kaum war seine eigene Einführungswoche vorüber, wurde er Mitglied im Team des damaligen studentischen Vizepräsidenten Amar Günther. Im fünften Semester nun angekommen, bekleidet er ein hochschulpolitisches Amt: das des studentischen Senators. „Im Laufe des Studiums habe ich persönlich und aus nächster Nähe erlebt, wie viel Gesprächs- und Handlungsbedarf an einer Universität besteht“, erklärt Dörflinger. Und so setzt er sich in seiner Position dafür ein, den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT und Prüfungsleistungen besser aufeinander abzustimmen und die Bring- und Holschuld von Studierenden- und Professorenschaft so gut es geht auszubalancieren.
Obwohl Pascal Dörflinger panische Angst vor Nadeln hat, ist ihm zugleich bewusst, welche Vorteile mit einer Blutspende einhergehen. „Als ich dann zu Beginn meines Studiums erfahren habe, dass in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz Blutspendeaktionen an der ZU organisiert werden, war mir sofort klar: Da muss ich mich engagieren!“, erzählt Dörflinger, der im zweiten Semester die Organisation der Blutspendeaktionen übernahm. „Jedes Mal hoffe ich natürlich, dass die Erstspender:innen am Ball bleiben und weiterhin regelmäßig Blut spenden“, sagt Dörflinger. Kaum war im aktuellen Semester die Blutspendeaktion vorbei, wartete auch schon die nächste Veranstaltung, an der Pascal Dörflinger beteiligt war: Als Leiter Finanzen unterstützte er das Networking- und Karriereevent „zu|taten“, bei dem sich Studierende und Unternehmen aus Wirtschaft, Kultur und Politik auf Augenhöhe austauschen.
Der Fahrplan bis zu seinem ersten Studienabschluss ist indes weitestgehend festgezurrt: Mit den aktuell anstehenden Klausuren und Hausarbeiten ist das Ende der Wahlpflichtkurse absehbar; nah am Horizont taucht ein Auslandssemester an der Kadir Has Üniversitesi in Istanbul auf, weiter entfernt erscheinen die Vertiefungsseminare und die Bachelorarbeit. Mit Blick auf sein bisheriges Studienleben an der ZU räumt Pascal Dörflinger zwar ein, dass es permanent an der Grenze zur produktiven Überforderung verlief. „Was mich aber anspornt und antreibt, sind die bemerkenswerten und inspirierenden Menschen, von denen es an der ZU nur so wimmelt und mit denen man gemeinsam so viel erreichen kann.“



