Pionierin des Monats
Anna Moors: „Ich will Geschichten erzählen, die zählen“
von Sebastian Paul
16.04.2025
People
Anna Moors
Anna Moors
© Anna Weber
Pionierin des Monats

Anna Moors: „Ich will Geschichten erzählen, die zählen“

von Sebastian Paul
16.04.2025
People

Anna Moors hat früh ihre Leidenschaft für politische Kommunikation entdeckt und rasch erkannt, dass eine Idee sich nur dann durchsetzt, wenn sie gut kommuniziert ist. Ihre Idee, auf einem TikTok-Kanal Geschichten über Politik im Deutschen Bundestag und ihr Praktikum dort zu erzählen, erwies sich als durchschlagender Erfolg – und als Eintritt in die Kommunikationsbranche. Vor etwas mehr als drei Jahren mit gerade einmal 20 Jahren gestartet, hat sie als freie Kommunikationsberaterin inzwischen mehr als 50 Bundestags- und Europaabgeordnete zu strategischer Kommunikation beraten. Wie politisch kommuniziert wird, darum drehen sich auch ihre Forschungen an der ZU.

„Meine Mutter hat enormen Wert darauf gelegt, dass ich politisch informiert und mündig aufwachse“, erwähnt Moors. Ihr früh entwickeltes politisches Bewusstsein war es denn auch, weswegen sie bereits zu Schulzeiten begann, sich zu engagieren. „Mein ganzes Leben lang begleitet mich der Wille, mich einzubringen“, erklärt Moors. Abseits der klassischen schulpolitischen Laufbahn – sie war aktiv als Klassen- und Schulsprecherin sowie in der Schülervertretung – stellte sie einen Antrag an ihre Heimatstadt Herzogenrath zur Ausrufung des Klimanotstandes, den die Stadt nicht nur erklärte, sondern seither auch danach handelt. Sich mit den Werten und der Idee der Sozialdemokratie identifizierend, trat Anna Moors darüber hinaus in die SPD ein. „Ich habe aber nie weitreichende Ämter bekleidet, stattdessen stand im Vordergrund, mich lokal einzubringen und Demokratie in einer Partei zu erleben“, erläutert Moors.


Über ihr schulpolitisches Engagement kam sie in Berührung mit den Politikwissenschaften. Eine Lehrerin, die erkannt hatte, mit wie viel Elan und Enthusiasmus Anna Moors im Schulalltag aufgeht, nominierte sie für das Programm der Deutschen Schülerakademie. Dabei besuchte sie den Kurs „#Politik: Von der Tagesschau bis zum Online-Aktivismus“. „Schon zuvor wusste ich, dass ich studieren möchte. Aber erst mit der Schülerakademie war klar, dass es ein politikwissenschaftliches Studium sein soll“, so Moors.


So bewarb sie sich bereits drei Semester im Voraus auf einen Studienplatz im PAIR-Bachelor an der ZU. „Ich habe mich auch deshalb für ein Studium an der ZU entschieden, weil es mir wichtig war, mich nicht auf eine Disziplin festzulegen, sondern eine möglichst hohe Wahlfreiheit zu genießen“, ergänzt Moors, die als erste und einzige in ihrer Familie den Weg an eine Universität eingeschlagen hat.

Vom Praktikum im Deutschen Bundestag zur Kommunikationsberaterin

Zwischen dem Ende ihrer Gymnasial- und dem Beginn ihrer Studienzeit führte Anna Moors ein Praktikum in das Büro einer SPD-Bundestagsabgeordneten. „In Gesprächen mit Freund:innen war mir aufgefallen, dass sie sich für den Blick hinter die Kulissen des Deutschen Bundestages ungemein interessierten. Das brachte mich auf die Idee, unter dem Titel Hinterzimmerpolitik einen eigenen TikTok-Kanal zu starten, um dort über meine tägliche Arbeit als Praktikantin zu berichten und meiner Generation so den politischen Alltag im Bundestag näherzubringen“, berichtet Moors, die mit ihren Geschichten nicht nur sechsstellige Aufrufzahlen erzielte, sondern auch in der Kategorie „Bestes Politikblog“ den Award „Die Goldenen Blogger“ erhielt. Und doch räumt sie ein, dass es nicht in ihrer Natur liegt, sich selbst dauerhaft in den Mittelpunkt zu stellen und in Szene zu setzen. Diese Erkenntnis, ihr Studium und neue Projekte führten letztlich dazu, dass sie den TikTok-Kanal deaktivierte.


Bis dahin allerdings hatte der Kanal genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen – unter anderem die eines bekannten Politikberaters, der wiederum der Newsroomchefin im Willy-Brandt-Haus, Carline Mohr, einen Wink gab. Davon allerdings wusste Anna Moors nichts, als sie in einem Gespräch mit einer ZU-Alumna nach potenziellen PraxisCoaches erkundigte und dabei ebenfalls der Name Carline Mohr fiel. Bei einem Treffen zwischen Moors und Mohr in Berlin-Kreuzberg kam es zu einer Übereinkunft: Während Erstere zusagte, ins Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz einzusteigen, erklärte sich Letztere bereit, der ZU-Studentin als PraxisCoachin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – darunter der Rat, als freie Kommunikationsberaterin zu arbeiten. Und genau das macht Anna Moors seit etwas mehr als drei Jahren. Mittlerweile hat sie mehr als 50 Bundestagsabgeordnete, die SPD-Bundestagsfraktion, verschiedene Landtagsfraktionen und einzelne Europaabgeordnete zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit beraten. „Die Selbstständigkeit hat mich ein hohes Maß an Selbstorganisation gelehrt und mir ein Gespür für die Herausforderungen und Chancen strategischer Kommunikation mitgegeben“, bemerkt Moors.


Die Rolle von Anna Moors im Bundestagswahlkampf 2021 bestand unter anderem darin, Scholz auf öffentlichen Veranstaltungen zu begleiten, dabei Inhalte für die sozialen Medien aufzubereiten und diese zielgruppengerecht zu platzieren. „In dieser Zeit habe ich gelernt, dass jede Person eine interessante Geschichte hat – und wie man sie aus ihr herauskitzelt“, sagt Moors, die wenige Monate später als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Armand Zorn wechselte. Zusätzlich unterstützte sie zwischenzeitlich als PR-Managerin die Aktivistengruppe EndEndoSilence, die sich für eine bessere Versorgung der Betroffenen von Endometriose einsetzt.


Um einen wirtschaftlichen Blick auf Öffentlichkeitsarbeit zu erlangen, arbeitet Anna Moors aktuell als Werkstudentin für eine strategische Kommunikationsberatung. Parallel schreibt sie regelmäßig eine Kolumne für das Fachmagazin politik&kommunikation über Themen, die sie als junge Frau in der Branche bewegen. „Mit der Kolumne will ich auch meine Forderungen an die Branche artikulieren und eine Diskussion darüber in Gang setzen, dass die Deutungshoheit unserer Tätigkeit nicht nur bei denjenigen liegen darf, die im Management tätig sind, sondern auch bei denjenigen, die sich auf operativer Ebene bewegen“, erläutert Moors. Um für junge Kommunikationstalente einen Raum zu schaffen, in dem sie sich gegenseitig kennenlernen, fordern und fördern können, hat Anna Moors gemeinsam mit Nina Weise den Young Political Communicators Club (YPCC) gegründet. Teil dessen sind Netzwerkevents, aber auch das erste Mentoringprogramm für politische Kommunikator:innen in Deutschland.

Politische Kommunikation auch im Fokus ihrer Forschungen

Obwohl sie sich bereits seit der Schülerakademie so gut wie jeden Tag in irgendeiner Art und Weise mit politischer Kommunikation beschäftigt, hat sie erst an der ZU herausgefunden, dass die politische Kommunikation als eigenes Forschungsfeld existiert. Nicht weiter verwunderlich, dass sie sowohl in ihrer Humboldt- als auch in ihrer Bachelorarbeit die Kommunikation von Bundestagsabgeordneten auf TikTok analysierte. „Im Gegensatz zu vielen bisher veröffentlichten Arbeiten habe ich den Kommunikationsstil der erfolgreichsten Bundestagsabgeordneten nach Fraktion vergleichend untersucht – und dabei herausgefunden, dass eben jene Politiker:innen oftmals populistisch kommunizieren, sich aber kaum an plattformspezifischen Trends orientieren“, beschreibt Moors, die während einer Summer School an der University of Oxford beleuchtete, wie politische Akteur:innen Emotionen in ihrer visuellen Kommunikation einsetzen und beeinflussen. Um die politische Kommunikation von Diplomat:innen dagegen soll es in ihrem Elinor-Ostrom-Projekt und in ihrer Masterarbeit gehen, studiert Anna Moors doch nach dem vierjährigen PAIR-Bachelor inzwischen den einjährigen IRGP-Master.


„Die Belastung war nie größer als die Freude an meinen Tätigkeiten in der beruflichen wie akademischen Welt“, betont Moors. „Und noch schöner war es, mit der Zeit zu merken, dass sich beide Welten gegenseitig befruchten, dass ich das Wissen aus den Kursen in meinen Jobs und die Fähigkeiten aus meinem Arbeitsleben in das Studium einbringen kann.“

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