Die Seniorprofessur für Computational Statistics widmet sich der Entwicklung und Anwendung von Methoden des maschinellen Lernens in der Finanzmarkt- und Arbeitsmarktforschung und deren Einsatz in der Unternehmenspraxis. Mithilfe fortschrittlicher Algorithmen werden Muster und Zusammenhänge in großen Datensätzen identifiziert, ohne dass dabei explizite Modellannahmen erforderlich sind. Ziel ist es, nicht nur Prognosen und Klassifizierungen statistisch zu verbessern, sondern auch die Entscheidungsgrundlagen für ökonomische Analysen und Maßnahmen zu optimieren.
Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltungen steht die Bewertung der Chancen und Risiken dieser Methoden sowie ein kritischer Umgang damit in der Praxis.
Schwerpunkte der aktuellen Forschung sind:
A. Regularisierungsstrategien bei hochdimensionalen Portfolios
In diesem Schwerpunkt geht es darum, robuste Portfoliostrategien zu entwickeln, die auch bei einer sehr großen Anzahl von Anlagemöglichkeiten und in Zeiten volatiler Finanzmärkte eine optimale Portfolioperformance liefern.
B. Prognose extremer Finanzmarktrisiken
Value at Risk (VaR) und Expected Shortfall (ES) sind zentrale Risikokennzahlen, die in der Bankenregulierung zur Messung potenzieller finanzieller Verluste eingesetzt werden. Aufsichtsbehörden, wie im Rahmen von Basel III, fordern von Banken die Anwendung dieser Kennzahlen, um sicherzustellen, dass sie über ausreichende Kapitalreserven verfügen, um extreme Marktrisiken abzufedern und die Finanzstabilität zu gewährleisten.
Die bisherigen empirischen Erfahrungen mit VaR und ES sind jedoch ambivalent. Diese Risikokennzahlen haben in Zeiten hoher Finanzmarktrisiken versagt, also gerade dann, wenn sie am dringendsten benötigt wurden. In diesem Projekt geht es darum, eine Vielzahl unterschiedlicher VaR- und ES-Prognosen optimal zu kombinieren, um eine robustere Gesamtprognose zu erzielen. Grundlage dafür ist das von Kazak und Pohlmeier (2023) entwickelte Bagged Pretesting Verfahren.
C. Netzwerkmodelle des Peerverhaltens in der Bildung
In diesem Projekt wird mithilfe von Netzwerkmodellen die Rolle von Peereffekten in Schulen untersucht. Im Fokus stehen Fragen wie: Wie beeinflussen leistungsstarke Schüler das Lernverhalten ihrer Mitschüler? In welchem Maße wird Stress durch Peers übertragen? Und welche Unterrichtsorganisation (z.B. Sitzordnung, Frontal- vs. Gruppenunterricht) kann das Risiko einer Stressübertragung verringern?
Dazu werden speziell entwickelte ökonometrische Netzwerkmodelle eingesetzt, die unter anderem die Freundschaftsstrukturen innerhalb der Klasse präzise abbilden.
