Tobias Grünfelder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leadership Excellence Institute Zeppelin (LEIZ), wurde zur jährlichen Konferenz der Academy of International Business (AIB) 2024 in Seoul eingeladen, um eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ethics in Cross-Cultural Management“ zu moderieren und sein Promotionsprojekt im Sheth/AIB Doctoral Consortium vorzustellen. Die AIB ist eine Plattform für internationale Wirtschaftswissenschaftler weltweit, die Forscher über geografische, disziplinäre, soziale und kulturelle Grenzen hinweg verbindet.
Die Konferenz wurde vom ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eröffnet, der betonte, dass Umsetzungs- und Finanzierungspläne zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) Ungleichheiten und Menschenrechte, insbesondere für Frauen und Mädchen (SDG 5), berücksichtigen müssen.


Die Podiumsdiskussion „Ethics in Cross-Cultural Management“ wurde von Tobias Grünfelder (Zeppelin Universität) und Sabrina Göstl (Ivey Business School) organisiert und spiegelt einen Forschungsschwerpunkt des LEIZ wider. Viele ethische Theorien basieren auf moralischem Universalismus, der Vorstellung, dass ein ethisches System universell für alle anwendbar ist. Kritiker argumentieren jedoch, dass ethische Regeln kulturell relativ sind.
Befürworter dieses kulturellen Relativismus schlussfolgern, dass man anderen seine eigenen ethischen Standards nicht aufzwingen sollte. Doch auch der kulturelle Relativismus wird von vielen abgelehnt – er wird sogar als „schlafender Tiger“ bezeichnet, der zu Willkür und Opportunismus führen kann. Obwohl diese Debatte seit Jahren besteht, wird sie angesichts globaler Konflikte, einer sich verändernden globalen Ordnung, zunehmend polarisierten Gesellschaften und neuer Arbeitsmodelle erneut auf die Agenda gesetzt.
Dies wirft die Frage auf: Wie können multinationale Unternehmen (MNEs) im interkulturellen Management über moralischen Universalismus und kulturellen Relativismus hinausgehen und einen moralischen Lernprozess zwischen Kulturen initiieren? Die Podiumsdiskussion griff diese Frage auf, indem aktuelle theoretische Perspektiven vor dem Hintergrund realer Herausforderungen, denen sich MNEs stellen, neu bewertet wurden. Zudem förderte sie den Austausch von Experten, die interkulturelle Ethik aus verschiedenen theoretischen Blickwinkeln beleuchteten, und regte zur Weiterentwicklung der Debatte an.
Die Podiumsdiskussion, die in einem interaktiven World Café stattfand, bot die Gelegenheit, einen dynamischen Lernprozess zu ermöglichen und den aktuellen Stand der Forschung sichtbar zu machen. Folgende Experten waren Teil der Podiumsdiskussion: Dr. Saba Colakoglu (Scheller College of Business), Prof. Rikke Kristine Nielsen (Aalborg University), Dr. Shengwen Li (Ivey Business School), Prof. Martha Maznevski (Ivey Business School) und Prof. Günter K. Stahl (WU Wien).
Insgesamt zeigte die Diskussion, dass sowohl der moralische Universalismus als auch der kulturelle Relativismus zweifellos ihre Stärken und Schwächen haben, dass kein Konzept per se besser ist, sondern dass es immer auf den Kontext ankommt. Paradoxes Denken erweist sich als hilfreich, Studenten müssen auf solche Situationen vorbereitet werden, und Führungskräfte müssen gemeinsame Lernprozesse über Kulturen hinweg initiieren. Insgesamt scheint ein transnationaler Ansatz (eine Mischung aus globaler Integration und lokaler Reaktionsfähigkeit) vielversprechend für Organisationen zu sein, die in einem internationalen Kontext arbeiten.
