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31.01.2017

"Dan Perjovschi und die Politiken der Einfachheit“

Prof Dr Karen van den Berg – „Dan Perjovschi und die Politiken der Einfachheit“
Di. 31. Januar | 19:15-21:00 | Friedrichshafen | ZF Campus, Blackbox 1.09

Dan Perjovschi

Über die Ringvorlesung:
Wenn Populisten im Feld der Politik an Boden gewinnen, scheint es geboten, sich über Strategien der Vereinfachung neu zu verständigen. Darum geht es in der neuen öffentlichen Ringvorlesung „Politik der Einfachheit?“ an der Zeppelin Universität (ZU). Ab Dienstag, 31. Januar, werden dabei unterschiedliche künstlerische Konzepte beleuchtet, die durch ihre Einfachheit geradezu bestechen und doch alles andere als trivial sind. Ausgerichtet wird die zwölfteilige Veranstaltungsreihe vom Lehrstuhl für Kunsttheorie und Inszenatorische Praxis um Professorin Dr. Karen van den Berg und vom Lehrstuhl für Kulturtheorie und -analyse um Professor Dr. Jan Söffner.
Es zählt wohl zu den Schlüsselfragen von Kunst und Literatur, was die schlichte Eleganz einer Komposition von einer trivialen Struktur unterscheidet. Worin besteht die Differenz zwischen schmallippiger Prüderie und reduktionistischer Sinnlichkeit? Was trennt verfälschende Simplifizierung vom geistreichen Kondensat des Komplexen? Was unterscheidet künstlerische von wissenschaftlicher Komplexitätsreduktion – und beide vom Simplizismus?
Verglichen mit „Ockham´s Razor“ – dem aus dem Spätmittelalter stammenden Gebot, sich immer für die einfachere Lösung eines Problems zu entscheiden – gelangt die Einfachheit in den Künsten erst spät zu zentraler Bedeutung, dann aber auf radikale Art und in mannigfaltigen Spielarten. Seit der Moderne finden sich in der Geschichte der Künste verschiedenste Strömungen, die sich um größtmöglichen Reduktionismus bemühen. Der Dichter Giuseppe Ungaretti etwa reduziert vor etwa einem Jahrhundert Gedichte auf oft nicht mehr als vier Wörter. Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe warb 1947 mit dem Gebot „Less is More“ für eine neue schmucklose Architektursprache, die zugleich einer neuen Ökonomie des sozialen Raumes folgt. In der Nachkriegsmoderne erfuhr diese Maßgabe in unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen eine beispiellose Konjunktur. Gemeint sind der amerikanische Minimalismus, die Minimal Music, die Konkrete Kunst und die Konkrete Poesie in Europa sowie immer noch aktuelle minimalistische Tendenzen in Design, Tanz und Theater.
Das Bemühen um Schlichtheit entspringt dabei ganz unterschiedlichen mentalen Verfassungen. Diese reichen von einem existentialistischen Purismus über ein konsumkritisch motiviertes Verzichtsdogma bis hin zu fernöstlich inspirierten spirituellen Meditationspraktiken und apollinischer Ordnungsästhetik. Einfachheit scheint entsprechend aus ganz verschiedenen Gründen verlockend zu sein, auch hat sie ganz unterschiedliche Qualitäten. Sie kann sinnlich und vornehm sein, langweilig und ordinär, trivial oder verdichtet, bescheiden oder elitär, monoton oder überraschend.

In der neuen öffentlichen Ringvorlesung „Politik der Einfachheit?“ an der ZU stellen nun zwölf namhafte Experten aus Kunst und Literatur, Musik, Theater und Tanz, Design und Film Werke vor, die auf den verschiedensten Wegen und mit unterschiedlichen Maßgaben zur Einfachheit gelangen. Den Auftakt macht die Hauptinitiatorin Professorin Dr. Karen van den Berg selbst – am Dienstag, 31. Januar, um 19.15 Uhr auf dem ZF Campus der ZU mit einem Vortrag über „Dan Perjovschi und die Politiken der Einfachheit“.

Über diesen Vortrag:
Vereinfachung, Simplifizierung und Reduktion sind nicht dasselbe. Selten war diese Differenzierung so wichtig wie in Zeiten eines erstarkenden Populismus. Der Vortrag führt in die Thematik der Ringvorlesung ein und stellt neben einer kleinen Typologie unterschiedlicher Formen der Einfachheit Überlegungen zu den Arbeiten des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi vor. Diese Überlegungen werden kontrastiert mit einer Reihe von aktuellen Projekten politischer Kunst – u.a. auch mit den Aktionen des „Zentrum für politische Schönheit“.


Alle weitere Termine der öffentlichen Ringvorlesung "Politik der Einfachheit?" finden Sie unter zu.de/veranstaltungen