Pionierin des Monats
Lara-Maria Mixdorf: Auf dem Weg von der Tellerträgerin zur nachhaltigen Unternehmerin
von Sebastian Paul
26.06.2025
People
Lara-Maria Mixdorf
Lara-Maria Mixdorf
© Jim Papke
Pionierin des Monats

Lara-Maria Mixdorf: Auf dem Weg von der Tellerträgerin zur nachhaltigen Unternehmerin

von Sebastian Paul
26.06.2025
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Lara-Maria Mixdorf war noch in der Grundschule, als für sie feststand, was sie einmal machen möchte: „Ich will Managerin bei BMW werden!“ Keine Astronautin. Keine Tierärztin. Sondern BMW. Von ihrem Kindheitstraum angetrieben, ging es zum Maschinenbaustudium nach Aachen. Sie faszinierte das Technische, die Maschinen und Motoren, sie stellte aber auch fest: Technik allein reicht nicht, damit ein Unternehmen funktioniert. Also ging es weiter an den Bodensee zum SPE-Bachelor an der ZU. Das Studium zwischen Soziologie, Politik und Ökonomie hat sie mit Bestnote abgeschlossen. Und es hat ihr alle Möglichkeiten eröffnet, ihren Traum zu verfolgen.

Aufgewachsen ist Lara-Maria Mixdorf in einem in der Nähe von Wismar gelegenen 70-Seelen-Dorf: Reetdächer, Pflastersteine, Kuhstall im Ort. Ihre Familie: eine Sammlung von Berufungen. Der Großvater wurde mit 14 Pferdewirt, später Reitstallbesitzer und Trainer. Der Vater, gelernter Koch, gründete ein Hotel mit Restaurant und Cateringservice. Der Bruder ist Landwirt, seit Kindertagen sein großer Traum. Und Lara-Maria Mixdorf? Packte im elterlichen Gastrobetrieb mit an: keine Wochenenden in der Dorfdisco, sondern Service auf Hochzeiten, keine Ferien am Strand, sondern Gäste betreuen, Tische eindecken, Teller tragen. „Den Großteil meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich abwechselnd im Elternhaus, im Haus der Großeltern, in der Schule und im Familienbetrieb. Was das Ganze aber wieder wett gemacht hat, waren die vielen Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen“, erzählt Mixdorf.


Schon als Kind interessierte sie sich jedoch weniger für hübsch angerichtete Hauptspeisen als für leistungsfähige Motoren. Auf dem Schoß ihrer Eltern, das Lenkrad in der Hand – das war der Anfang einer Begeisterung, die nicht mehr nachließ. Der Wunsch, Autos nicht nur zu fahren, sondern irgendwann ein Unternehmen wie BMW zu führen, war früh da – und blieb. „Ich werde bei BMW arbeiten!“ Das war keine Träumerei, sondern ein Plan.

Der Weg vom Maschinenbau-Studium zum SPE-Bachelor

Der Weg zunächst nach Aachen und später an die ZU war kein gerader. Um ihrem Traumberuf näherzukommen, startete Lara-Maria Mixdorf in einen Bachelor in Maschinenbau an der RWTH Aachen. Doch die RWTH zeigte ihr, dass ihre Faszination für Prozesse und Funktionsweisen weniger technischer, sondern vielmehr organisationaler Natur ist. „Ich bin einfach nicht der Mensch, der sich in der Bibliothek einschließt und sich stumpf den Stoff reinprügelt“, sagt Mixdorf rückblickend. Es fehlte ihr an Raum für Fragen, fürs Diskutieren, fürs Hinterfragen. „Trotz aller Faszination für das Technische musste ich mir eingestehen, dass der Beruf der Ingenieurin nichts für mich ist. Stattdessen wollte ich verstehen, wie das Unternehmen dahinter funktioniert“, erläutert Mixdorf.


Doch bevor dieser Gedanke Gestalt annehmen konnte, machte die Coronapandemie einen Strich durch die Rechnung – und der Gesundheitszustand ihrer Mutter, der sich aufgrund einer schweren Krankheit drastisch verschlechterte. „Ich musste meinen Vater mit den Betrieben unterstützen und mich gleichzeitig intensiv um meine Mutter kümmern. Eine insgesamt schwierige Zeit, die uns als Familie jedoch enger zusammengeschweißt hat“, erzählt Mixdorf.


Inmitten dieser Herausforderungen rückte erneut die Frage in den Vordergrund, wie es für sie persönlich weitergehen sollte. Ihre Gedanken kreisten um Zukunft, Verantwortung – und um all die Gespräche, die sie über Jahre im Familienbetrieb aufgeschnappt hatte. Etwa wenn nach einem erfolgreichen Sommerfest ein Geschäftsführer nachts um halb zwei mit einem Bier am Tresen stand und sich darüber beklagte, dass die Buchhaltung ausgelagert werden soll: „Diese Erlebnisse führten dazu, dass ich verstehen wollte: Wie funktionieren unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft? Welche Verantwortung haben Unternehmen für die Gesellschaft und warum treffen sie bestimmte Entscheidungen?“


Um diese Fragen zu beantworten, suchte sie nach einem passenden Studiengang. Am Ende fiel die Entscheidung auf den SPE-Bachelor an der ZU. „Bestärkt hat die Studienwahl eine Online-Infoveranstaltung, bei der die letzten Zweifel ausgeräumt wurden. Denn zuvor war eine Privatuniversität für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln“, erklärt Mixdorf. „Und bereits damals habe ich gespürt, dass die ZU genau der Ort ist, an dem ich ich sein kann.“


Sie fand, was ihr vorher gefehlt hatte. „Vor allem die Mischung aus Soziologie und Wirtschaft hat mich begeistert, weil wir in den Kursen nicht einfach nur stumpf auswendig gelernt, sondern interdisziplinär komplexe Problemstellungen diskutiert haben“, erwähnt Mixdorf. In einem Kurs bei Professorin Dr. Maren Lehmann kam dann ein entscheidendes Angebot: „Auch weil ich mich persönlich mit Maren Lehmann gut verstand, behielt ich die Aussicht auf ein von ihr betreutes Humboldt-Projekt im Hinterkopf.“ Zuerst wollte sie jedoch das theoretische Wissen in die Praxis bringen. Etwas, das ihr in Aachen lange gefehlt hatte. Die Verbindung zwischen organisationaler Theorie und Praxis schaffte sie in vielfältigem Engagement, so bei der Dachinitiative der ZU, der StudentLounge e.V., wo sie in verschiedenen Positionen Strukturen und Prozesse aufbaute und weiterentwickelte.


Bei der Organisation einer Ausgabe des Karriereevents zu|taten kam sie mit dem Beratungsunternehmen Egon Zehnder in Kontakt. Ein Praxissemester in Hamburg folgte, später Auslandsstationen in Budapest und Schweden und eine Werksstudentenstelle. „Vereinfacht gesagt war es dort meine Aufgabe, Führungspositionen in der deutschen Industrie zu besetzen“, sagt Mixdorf. Was sie dort wieder und wieder erlebte, war jedoch Ernüchterung. „Was mir in meiner Arbeit immer wieder begegneten, waren Entscheidungen, die sich nicht an dem langfristigen Erfolg eines Unternehmens orientieren“, sagt Mixdorf. Und sie fügt hinzu: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es möglich ist, langfristig vorauszuplanen und zugleich wirtschaftlich zu denken. Um allerdings auf lange Sicht erfolgreich sein zu können, müssen kurzfristig auch mal Einbußen in Kauf genommen werden.“

„Womöglich möchte ich die Person sein, die Unternehmen dazu inspiriert, langfristiger zu denken.“

Dies inspirierte sie zu ihrem Humboldt-Projekt unter dem Titel „Vom Quartal zur Dekade: Das Managementproblem der unternehmerischen Nachhaltigkeit als schöpferische Zerstörung“. „Ausgehend vom Nachhaltigkeitsbegriff und dem Unternehmer nach Schumpeter habe ich darin die Beweisführung erbracht, dass Nachhaltigkeit nichts anderes ist als der Kern unternehmerischen Denkens. Nachhaltigkeit nur auf die ökologische Ebene zu reduzieren, ist nicht nur kurzsichtig, sondern sogar fahrlässig“, beschreibt Mixdorf.


Diesen Gedanken verfolgte sie auch in ihrer Bachelorarbeit weiter: „Langfristiges Denken ist strategisches Denken. Und so habe ich in meiner Bachelorarbeit ein eigenes Modell zur strategischen Transformation entworfen und darauf hingewiesen, dass eine Transformation aus vielen kleinen Schritten besteht und nie abgeschlossen ist.“ So kehrte sie am Ende ihres Studiums zur Ausgangsfrage zurück: Warum entscheiden Unternehmen, wie sie entscheiden? „Womöglich möchte ich die Person sein, die Unternehmen dazu inspiriert, langfristiger zu denken“, bemerkt Mixdorf.


Und noch ein Kreis hat sich geschlossen: Um die Zeit zwischen Bachelor und Master zu überbrücken, macht Lara-Maria Mixdorf ein Praktikum in der Organisationsentwicklung bei BMW. „Ich bin absolut glücklich mit dem Praktikum, weil ich mir unternehmensweit anschauen kann, wie die Strukturen im Hintergrund funktionieren und wie sich Prozesse verändern lassen, um die Krise in der Automobilindustrie anzugehen.“


Was danach kommt? „Ich weiß nur eines: In zehn Jahren möchte ich entweder in der Lage sein selbst zu führen oder Führungskräfte zu beraten.“

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