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BürgerUniversität mit IW-Chef Prof. Dr. Michael Hüther

Angesichts der Ursachen und Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise hat der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Professor Dr. Michael Hüther, zu mehr Moral in der Wirtschaft aufgerufen. Hüther sprach an der Bürger-Universität der Zeppelin Universität vor rund 150 Besuchern. „Abschied von der sozialen Gerechtigkeit. Moral statt Moralismus“, lautete das Thema seines Vortrags, in dem er ausführlich auf die aktuellen Entwicklungen in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten einging. Völlig unverständlich sei für ihn in diesem Zusammenhang, wenn sich jetzt „Bankmanager als Opfer fremder Strukturen“ wie Rating-Agenturen und dem Kapitalmarkt stilisierten. Vielmehr sei offensichtlich, dass bei vielen von ihnen insbesondere „die Maßstäbe der Selbstkontrolle im gesellschaftlichen Kontext“ weggebrochen seien. Die tief greifende Krise mache deutlich, dass für verantwortliches wirtschaftliches Handeln eine Wirtschaftsethik erforderlich sei, sagte Hüther. Die müsse sich an Werten wie „Bürgersinn, sozialen Normen, Maß, Takt, Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung“ orientieren. Schließlich gebe es so etwas wie eine „Erwartungstreue: Dass man haftet für das, was man tut.“ „Das“, so Hüther, „wurde und wird offenbar von vielen nicht so gesehen – auch von Teilen der Eliten nicht -, und das ist Teil unseres Problems.“ Dadurch sei ein schwerer Vertrauensschaden entstanden, und dies obwohl „Vertrauen elementar ist in der soziale Marktwirtschaft“. Er begrüßte deshalb staatliche „Regelwerke, die Haftung zwingend einfordern“: „Wir dürfte Ausflüchte nicht zulassen“, erklärte Hüther, so hätten sich die US-Banken „sich reihenweise aus der Haftung geschlichen“, nachdem „zu sehr und zu viel Raum für Ausbeutung“ ermöglicht worden war. Gleichwohl sieht Hüther nicht nur den Staat in der Pflicht, sondern auch jeden Einzelnen. Der Wirtschaftssach-verständige: „Die Gestaltung des öffentlichen Rahmens fordert alle“ – und nicht zuletzt die Konsumenten mit ihren Entscheidungen. Die staatlich aufgelegten Konjunkturpakete verteidigte Hüther trotz des steigenden Staatsdefizits: „Wir haben dazu keine Alternative; denn nun ist die Frage vorrangig: Wie steuere ich das Problem wieder ein?“. Und dazu gehöre es auch, Investitionen zu tätigen mit dem Ziel, eine „weniger lange, weniger tiefe Krise“ zu erreichen. Danach jedoch müsse die Sanierung des Staatshaushaltes wieder „oberste Priorität bekommen“ – und „das geht“, zeigte sich Hüther sicher.

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