Forschungsfragen und Ziele
Ich untersuche, inwieweit die administrative Elite die politischen Einstellungen und Werte widerspiegelt, die in einer ethnisch vielfältigen Gesellschaft vertreten sind, inwieweit diese Einstellungen und Werte den Erwerb, die Auswahl und die Nutzung von Wissen durch Bürokrat:innen in ihren Entscheidungsprozessen leiten und inwieweit die Gesellschaft wahrnimmt, dass diese Einstellungen und Werte in administrativen Entscheidungen wirksam reflektiert werden.
Im ersten Teil des Projekts untersuche ich den Grad der Kongruenz zwischen der administrativen Elite und der Gesellschaft hinsichtlich ihrer Einstellungen zu Einwanderung, Diversität in der öffentlichen Verwaltung und Moral. Anschließend analysiere ich, welche sozio-demografischen, psychologischen und administrativ-kontextualen Faktoren die Variabilität dieser Kongruenz erklären und ob beziehungsweise in welchem Ausmaß sie die individuellen Rollenwahrnehmungen von Bürokrat:innen als Vertreter:innen spezifischer gesellschaftlicher Gruppen vorhersagt. Der zweite Teil des Projekts untersucht, wie diese Rollenwahrnehmungen den Erwerb, die Auswahl und die Nutzung informationalen und relationalen Wissens durch einzelne Bürokrat:innen in administrativen Entscheidungsprozessen strukturieren und dadurch eine bürokratische Repräsentation pluralistischer Interessen in einer vielfältigen Gesellschaft ermöglichen. Im dritten Teil des Projekts untersuche ich experimentell, ob symbolische Hinweise auf eine mögliche Kongruenz von Einstellungen und Werten zwischen Gesellschaft und administrativer Elite die öffentliche Wahrnehmung von Effektivität, Vertrauenswürdigkeit und Fairness der Bundesministerien sowie folglich die Akzeptanz ihrer Politiken erhöhen.
Hintergrund
Administrative Eliten verfügen typischerweise entweder über spezialisiertes Fachwissen in bestimmten Politikfeldern oder über generalistische Expertise im Gesetzgebungsprozess. In dieser Funktion üben sie Fach- und Rechtsaufsicht bei der Umsetzung politischer Programme aus, führen Politikfeldanalysen durch, vermitteln zwischen verschiedenen Interessengruppen, entwerfen Gesetzesentwürfe, evaluieren politische Maßnahmen und beraten gewählte Politiker:innen. Diese Aufgaben erfordern, dass sich die administrativen Eliten mit den konkurrierenden politischen Werten, Forderungen und Wissensquellen in vielfältigen Gesellschaften auseinandersetzen, um eine responsive, wirksame und legitime Politikgestaltung zu gewährleisten.
Methoden
Zur Erhebung der Werte und des Entscheidungsverhaltens der administrativen Elite wird eine Online-Befragung durchgeführt. Parallele Online-Befragung der Allgemeinbevölkerung erlaubt es, die Wertekohärenz zwischen beiden Gruppen festzustellen. Der Fokus liegt auf Vorstellungen von Moral und Diversität. Um das Entscheidungsverhalten der administrativen Elite umfassender nachzuzeichnen, werden die Befragungsdaten durch qualitative Interviewdaten trianguliert. Um anschließend die öffentliche Wahrnehmung von der Performanz der administrativen Elite zu ermitteln, werden zwei psychologische Experimente durchgeführt: impliziten Assoziationstest und Visuelle-Welt-Paradigma mittels Blickerfassung. Die Zielgruppe umfasst Bedienstete im höheren Dienst der Bundesministerien und die Allgemeinbevölkerung in Deutschland.
Relevanz
Die Ergebnisse des Projekts werden zur Grundlagenforschung über administrative Politikgestaltung, repräsentative Bürokratie und sozialen Zusammenhalt beitragen. Sie werden auch der Verwaltungspraxis im Bereich des öffentlichen Personalmanagements sowie der Steuerung der öffentlichen Zufriedenheit mit öffentlicher Politik und Verwaltungshandeln in diversitätsgeprägten Gesellschaften zugutekommen.
Sobal vorhanden, werden in diesem Abschnitt die Ergebnisse des Projekts vorgestellt.
Sobald vorhanden, werden in diesem Abschnitt die begutachtete Publikationen gelistet.