Internationale Beziehungen beschäftigen sich mit den Interaktionen zwischen souveränen Staaten, nicht-staatlichen Akteuren, internationalen Institutionen und Individuen über staatliche Grenzen hinweg. Schlüsselthemen umfassen Globalisierungsprozesse, globale Machtverhältnisse sowie Bedingungen für Kooperation und Konflikt. Mit einem Fokus auf dem Verständnis von Komplexitäten globaler Ordnung bieten die Internationalen Beziehungen Einblicke in die Dynamiken, die unsere vernetzte Welt prägen.
Der Lehrstuhl für Internationale Beziehungen arbeitet an der Schnittstelle der Internationalen und Vergleichenden Politikwissenschaften. Herausforderungen durch die Autokratisierung politischer Systeme, Prozesse und Diskurse – besonders in etablierten Demokratien und durch den Aufstieg machtvoller autokratischer Regime wie China, Russland oder Saudi-Arabien – haben im vergangenen Jahrzehnt enorm an Bedeutung gewonnen. Forschung und Lehre am Lehrstuhl widmen sich dieser zentralen Frage der Machtkonzentration und legitimen Machtausübung und den Konsequenzen, die sich daraus für internationale Politik und internationale Institutionen ergeben.
Folgende Schwerpunkte werden am Lehrstuhl angeboten:
Am Lehrstuhl werden sowohl Einführungsveranstaltungen zum Themenkomplex der Internationalen Beziehungen als auch weiterführende Seminare angeboten. Grundlegende Seminare beinhalten die Vermittlung zentraler theoretischer Konzepte und der Genese von Forschung zu Internationalen Beziehungen sowie die empirische Analyse unterschiedlicher Arten von internationaler Kooperation, der zentralen staatlichen und nicht-staatlichen Akteure und geeigneter Forschungsmethoden.
Weiterführende Seminar beschäftigen sich mit den Themenbereichen internationale Organisationen als zentrale Arenen internationaler Kooperation, der Rolle von Demokratie und Autokratie in der internationalen Politik sowie aktuellen geopolitischen Herausforderungen und Transformationen multilateraler Kooperation.
Dabei wird in allen Seminaren ein Fokus auf das Verständnis von qualitativen und quantitativen Methoden und auf die Beschäftigung mit Regionen des Global Südens gelegt.
Der Lehrstuhl bietet im Rahmen seiner Forschungsschwerpunkte auch die Betreuung von Abschlussarbeiten an. Sprechstundentermine
nach individueller Absprache per Mail.
Lehrveranstaltungen, die regelmäßig am Lehrstuhl IB angeboten werden:
Bad Neighbors, Good Company?
Dieses Projekt, gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung (2025–2027), untersucht, wie regionale Organisationen (ROs) zu Autokratisierungsprozessen beitragen – insbesondere im Globalen Süden. Während ROs häufig als Stabilitätsgaranten gelten, führt das Projekt das Konzept der hybriden Regionalorganisation ein: Organisationen, in denen Demokratien und Autokratien koexistieren und autoritäre Praktiken innerhalb der Mitgliedschaft und darüber hinaus verbreiten. Im Fokus stehen Auseinandersetzungen um Inhaltskontrolle, Meinungsfreiheit und die Rolle des Staates im digitalen Raum. Mit einem Mixed-Methods-Ansatz, der statistische Analysen, Diskurse und Fallstudien kombiniert, zeigt das Projekt, wie ROs Autokratisierung durch die Legitimation von digital sovereignty-Praktiken begünstigen – und welche Folgen dies für die politische Entwicklung und digitale Governance hat. Ein erstes Projektpapier zur Rolle von Regionalorganisationen als Ort für policy transfer und Lernen ist 2025 in Comparative Security Policy erschienen (mit Stephen Hall).
Während Demokratie seit langem die Debatten in den internationalen Beziehungen dominiert, gewinnt die Rolle von Autokratien zunehmend an Bedeutung. Unser Netzwerk bringt Wissenschaftler zusammen, die untersuchen, wie autoritäre Regime die Weltpolitik prägen – von der Infragestellung internationaler Normen und der Umgestaltung von Institutionen bis hin zur Bildung rivalisierender Allianzen und der Störung von Frieden und Sicherheit. Wir untersuchen, wie der zunehmende Autoritarismus global Governance verändert – und warum dies von Bedeutung ist.
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Das von der DFG geförderte Projekt (2026-2029) untersucht, wie sich die Autokratisierung von Mitgliedschaftsstrukturen internationaler Organisationen auf deren Leistungsfähigkeit und Legitimität auswirkt. Dabei verbindet APPIO innovative Methoden wie automatisierte Textanalyse, Umfrageexperimente und Interviews mit klassischen statistischen Verfahren und Fallstudien. Das Projekt entwickelt drei Datensätze zur politischen Output-Performanz von 72 IOs, zur Arbeitsleistung internationaler Bürokratien in Form von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, sowie zum Abstimmungsverhalten und Sponsoring von Resolutionen durch autokratisierende Staaten vergleichend über 72 Organisationen. Damit trägt das Projekt zu einem besseren Verständnis der Frage bei, ob und wie IOs unter dem Druck von Autokratisierung handlungsfähig und legitim bleiben. Ein erstes Projektpapier ist 2025 in Cooperation and Conflict erschienen.
Hollow Multilateralism
Dieses von der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) geförderte Projekt (2026–2028) unter Leitung von Daniëlle Flonk (Hitoshubashi University Japan) untersucht die Rolle autokratischer Staaten als internationale Normenentrepreneure. Wir analysieren, wie Autokratien versuchen, Diskurse innerhalb internationaler Organisationen zu beeinflussen, um autokratische Praktiken zu legitimieren und dadurch liberale Werte zu untergraben. Der Fokus liegt auf zwei Politikfeldern: der Regulierung des Internets als neuem, dynamischen Politikfeld sowie dem internationalen Menschenrechtsschutz – insbesondere dem Schutz von zivilgesellschaftlichen Beteiligungsrechten – als etabliertem Bereich. Zum Einsatz kommen Fallstudien, Diskurs- und Dokumentenanalysen. Ein Artikel zum Konzept ist 2025 in International Affairs erschienen.
Section
“Autocracies in Global Governance” @ General Conference of the Euroepan
Consortium for Political Resarch in Thessaloniki
Unter dem Leitthema des wachsenden Einflusses von Autokratien auf die Weltpolitik diskutierten Prof. Maria Debre, Daniëlle Flonk, Jana Lipps und Mathew Stephen zentrale Herausforderungen für die liberale Weltordnung. Die Diskussion konzentrierte sich darauf, wie autoritäre Staaten nicht nur in internationalen Foren an Einfluss gewinnen, sondern auch aktiv eigene, illiberale Normen und Standards etablieren. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Analyse der möglichen Reaktionen demokratischer Staaten, die zwischen den Polen Konfrontation, Kooperation und Anpassung abwägen müssen.
Mehr Informationen finden Sie hier.
Teilnahme an der Konferenz “Decrypting Digital Authoritarianism” vom 28.-29.10.2024
Teilnahme an der Konferenz des European University Institute (EUI) in Florenz vom 28.-29.10.2024, welches von der Global Initiative on the Future of the Internet organisiert wurde. Unter dem Titel "How the use of the Internet can threaten democracy and human rights" hatte die Konferenz zum Ziel, führende Wissenschaftler*innen zusammen zu bringen und dazu anzuregen, digitalen Autoritarismus weltweit zu dokumentieren, dessen Ursachen und Auswirkungen zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu identifizieren.
Teilnahme am DVPW Kongress vom 24.-27.09.2024
Teilnahme bei der Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaften an der Justus-Liebig Universität Göttingen mit zwei Papieren zur Menschenrechtspolitik Chinas und der Rolle von Autokratisierung im Review-Verfahren des internationalen Menschenrechtsrats.
The Decline and Death of International Organizations
Weitere Informationen zum Projekt finden sich hier

| Tel: | +49 7541 6009-1411 |
| Raum: | SMH Semi | 0.03L |


Venmann, Philipp
Bachelorstudent
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