Der Lehrstuhl für Mobilität, Handel und Logistik der Zeppelin Universität freut sich, die Veröffentlichung einer neuen wissenschaftlichen Arbeit im International Journal of Sustainable Development and Planning bekannt zu geben.
Die Publikation mit dem Titel "Institutional Framework for Hyper-Cooperation: Dynamics in the Digital Economy", verfasst von Prof. Dr. Wolfgang H. Schulz, Vincent Geilenberg und Henrik Kleis, analysiert die Dynamiken der digitalen Wirtschaft mit einem besonderen Fokus auf dezentralisierte Datenökosysteme in Europa.
Während US-amerikanische und chinesische Hyperscaler auf zentralisierte Strukturen und Skaleneffekte setzen, untersucht die Studie Hyper-Kooperation als alternatives Organisationsprinzip für die digitale Wirtschaft. Dabei wird das Institutional Role Model (IRM) als systemdynamisches Instrument vorgestellt, das Vertrauen schafft, Marktintegration erleichtert und Komplexität reduziert. Besonders im Kontext von Gaia-X kann dieses Modell als wirtschaftliche Systemarchitektur dienen, um eine wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur zu fördern, die auf europäischen Werten und Standards basiert.
Gerade im Kontext KI-basierter Mobilitätssysteme – etwa bei automatisierten Verkehrs- und Logistikprozessen, digitalen Plattformen oder datengetriebenen Infrastrukturen – zeigt sich, dass technologische Leistungsfähigkeit allein nicht ausreicht. Entscheidend ist vielmehr, wie institutionelle Rollen ausgestaltet, aufeinander abgestimmt und über Systemgrenzen hinweg koordiniert werden, um robuste, skalierbare und gesellschaftlich akzeptierte Lösungen zu ermöglichen.
Auf dieser theoretischen Grundlage wurde die IRM-Matrix (Institutional Role Model Matrix) entwickelt. Die IRM-Matrix ist ein analytisches und gestaltungsorientiertes Instrument zur systematischen Modellierung institutioneller Rollen, ihrer funktionalen Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Interaktionslogiken in komplexen sozio-technischen Systemen.
Sie dient dazu, Governance-Strukturen, Entscheidungszuständigkeiten und Kooperations-mechanismen in föderierten, plattformbasierten und datengetriebenen Architekturen transparent darzustellen, vergleichbar zu machen und konsistent zu operationalisieren.
Die IRM-Matrix verknüpft institutionenökonomische Rollenlogik mit technischen, organisatorischen und rechtlichen Systemanforderungen und ermöglicht so eine strukturierte Analyse und Gestaltung von Kooperations- und Steuerungsmodellen jenseits klassischer hierarchischer Organisationsformen.
In der Anwendung unterstützt die IRM-Matrix die strukturierte Beschreibung, Bewertung und Priorisierung komplexer Situationen und Prozesse, indem sie diese nicht ausschließlich über technische Objekte, Einzelakteure oder isolierte Ereignisse definiert, sondern über rollen-, akteurs- und interaktionsbezogene Konstellationen.
Dadurch eignet sich die IRM-Matrix insbesondere für Kontexte, in denen Sicherheitsrelevanz, Verantwortlichkeiten, Systemwirkungen oder Nutzungsperspektiven nicht eindeutig einzelnen Komponenten zugeordnet werden können, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Rollen und Systemzustände entstehen.
Die IRM-Matrix kann zudem als konzeptionelle Grundlage für die strukturierte Ableitung von Kontextinformationen, Metadaten und Klassifikationen dienen und so die Nachvollziehbarkeit, Vergleichbarkeit und langfristige Nutzbarkeit komplexer Datenbestände und Analyseergebnisse unterstützen.
Die Studie liefert wertvolle wissenschaftliche und praxisnahe Erkenntnisse für Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Forschende, die sich mit der Zukunft digitaler Datenräume und deren Governance beschäftigen.
Die vollständige Publikation ist verfügbar hier.
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