Equal Pay Day

EPD

Was ist der Equal Pay Day?

Mit dem Equal Pay Day 2024 rückt erneut eine der bedeutendsten Herausforderungen in den Fokus der öffentlichen Debatte: die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. In Deutschland markiert dieser Tag symbolisch jenen Zeitpunkt im Jahr, bis zu dem Frauen im Durchschnitt umsonst arbeiten würden, um das zu verdienen, was Männer bereits bis zum Ende des Vorjahres verdient haben. Im Jahrgang 2024 fällt der EPD auf den 06. März, 66 Tage blieben Frauen im Vergleich zu den Männern 2023 unbezahlt. Trotz fortschreitender gesellschaftlicher Veränderungen und politischer Maßnahmen bleibt die Ungleichheit in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern eine Realität, die weitreichende Konsequenzen für die individuelle finanzielle Sicherheit und die gesellschaftliche Gleichstellung hat. Während die Diskussion um den Gender Pay Gap (Geschlechter Lohnlücke) an Dynamik gewinnt, werden beim Equal Pay Day (Tag der gleichen Bezahlung) 2024 erneut Maßnahmen und Lösungsansätze diskutiert, um eine gerechtere Entlohnung für gleiche oder gleichwertige Arbeit zu erreichen.

Entstanden ist die Bewegung zum Ausgleich der Lohnlücke in den USA, 1988. Die amerikanischen Business and Professional Women (BPW) initiieren die Red Purse Campaign – darin symbolisierte die rote Tasche die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Im Jahr 2007 kam die Aktion rote Tasche erstmals nach Deutschland. 2008 aktiviert Dr. Bettina Schleicher den ersten die erste Equal Pay Day Kampagne, mit Unterstützung des BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). 38 Aktionen konnten im Initiationsjahr bundesweit 600 Menschen mobilisieren. In den folgenden Jahren wuchs die Kampagne weiter und rückte nacheinander Unterbezahlung in den Gesundheitsberufen, der Kunst- und Kulturbranchen und innerhalb der Führungspositionen und dem öffentlichen Dienst in den Fokus. Immer wieder geht es beim EPD auch um den Wandel der geschlechterbezogenen Berufsprofile und Vergütungen im Zeitalter der Digitalisierung.

Es ist wenig überraschend, dass die Kampagne seit der Initiierung in 2008 sehr schnell an Bedeutung gewinnen konnte. Die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen ist elementare Bedingung für die allgemeine Gleichberechtigung. Dies könnte durch equal pay gewährleistet werden. Noch sind wir von dieser Realität aber 66 Tage unbezahlte Arbeit der Frauen pro Jahr entfernt.

Außerdem ist das Ausmaß der Arbeit - sei es zuhause oder im Beruf - wegweisend, wie Frauen ihren gesamten Alltag gestalten können, womit sie die 24 Stunden des Tages füllen, wie viel freie Zeit ihnen zur Verfügung steht. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern hat Auswirkungen auf so gut wie jeden Aspekt des Lebens, und jede sich gründende Familie wird die Verantwortungen auf die ein oder andere Weise aufteilen müssen: Wer kümmert sich um die Kinder, die Pflegebedürftigen, und wer verdient das Geld. Häufig ist es der Mann, der Karriere macht, das „große Geld“ verdient. Die Care-Arbeit, die Frauen währenddessen leisten, wird selten als ebenbürtige Tätigkeit berücksichtigt – und monetär entlohnt wird sie schon gleich gar nicht. Weiterhin ermöglicht die Beschäftigung in Teilzeit, die beispielsweise ein Vereinen von Berufsleben und Care-Arbeit ermöglicht, nicht dieselben Karriere Chancen, und wird nicht mit einem den Vollzeitbeschäftigten ebenbürtigen Stundenlohn vergütet. Außerdem korrelieren frauentypische Berufe mit gesellschaftlicher Unterbewertung, sowie Unterbezahlung. Alles in allem ist die Arbeit von Frauen weniger Wert. Dies soll sich in Zukunft ändern.


Zeit für Equal Pay – EPD 2024


Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Unbezahlte Sorgearbeit prägt das Leben vieler Frauen. 38 Prozent begründeten 2018 die Entscheidung für Teilzeitarbeit mit familiären Verpflichtungen und Kinderbetreuung. Teilzeitarbeit führt zu weniger Einkommen und schlechteren Karrierechancen, damit verbunden sind die finanzielle Abhängigkeit vom Partner, sowie drohende Altersarmut.

Zeit für Equal Pay lautet das Motto der Kampagne 2024, die den Faktor Zeit in den Fokus rückt. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag im Berichtsjahr 2022 bei 18 % , das heißt Frauen verdienten 18 % weniger pro Stunde als Männer. Hiervon können 11 Prozentpunkte durch in der Verdiensterhebung vorhandene lohnbestimmende Merkmale, wie zum Beispiel Beruf und Branche sowie Beschäftigungsumfang, erklärt werden. Der verbliebene Rest von 7 % (bereinigter Gender Pay Gap) lässt sich hingegen dadurch nicht erklären. Die realen Auswirkungen der durchschnittlichen 18% Lohnunterschied bleiben jedoch im Leben der Frauen bestehen – ob sie nun finanziell vollständig unabhängig sind, sich selbständig finanzieren wollen oder müssen.

Welchen Einfluss Zeit auf den Gender Pay Gap hat, zeigen weiterhin folgende Daten: Frauen arbeiten weiterhin fast dreimal so häufig in Teilzeit wie Männer. Arbeit in Teilzeit wird schlechter vergütet, der Part Time Wage Gap beträgt 17 %; das heißt, Frauen in Teilzeit verdienen durchschnittlich 17 % weniger pro Stunde als Frauen in Vollzeit. Frauen gehen 2022 außerdem im Schnitt 121 Stunden pro Monat einer Erwerbsarbeit nach, Männer dagegen 148 Stunden. Der Gender Hours Gap beträgt somit 18 %. Diese Lücken, die die Privatvermögen der Frauen beeinflussen, summieren sich im Alter erst richtig auf. Der Gender Pension Gap liegt somit bei 29,9 % - viele Frauen haben im späteren Leben mit Altersarmut zu kämpfen.


Lösungsansätze


Die ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeit kann Resultat stereotypischer Rollenzuschreibung und struktureller Hürden sein, auf die der Equal Pay Day aufmerksam machen will, und die in Zukunft dekonstruiert werden sollen. Dabei geht es häufig um die Frage, was sich ändern muss, damit Care Arbeit, Erwerbsarbeit und Freizeit paritätisch aufgeteilt werden.

Ein elementarer konkreter Schritt hin zur Schließung der Lohnlücke könnte die Transparenz in Anbetracht von Honorar sein. Wenn Honorare vergleichbar und ihre Berechnungen nachvollziehbar und öffentlich sind, erleichtert dies sowohl die Verhandlung als auch die Durchsetzung einer angemessenen Vergütung für weibliche Berufstätigkeit.

Faire und transparente Löhne werden auch durch Tarifverträge ermöglicht. Immer wieder zeigen Analysen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, dass Tarifverträge eine ungleiche Bezahlung verhindern: „Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen und gelten – von Führungskräften abgesehen – für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in tarifgebundenen Betrieben gleichermaßen“.

Vielleicht ist Teilzeit gar nicht das Problem, sondern die Lösung, schlägt die Kampagne des EPD 2024 weiterhin vor. Demnach zeigen Studien, dass Männer oft mehr Familien Verantwortung übernehmen und Frauen ihre Erwerbsarbeitszeit erhöhen wollen. Welche Auswirkungen hätten eine neue Arbeitszeit Norm in Form einer Vier-Tage-Woche oder eine neue Vollzeit mit weniger Wochenstunden? Könnte so auch der Fachkräftemangel verringert werden? Die bundesweiten Aktionen am 06. März 2024 zum Equal Pay Day sollen wie jedes Jahr zur Reflektion anregen, missachtete Problematiken sichtbar machen, und Lösungsansätze entwickeln. Dabei soll es in den kommenden Jahren besonders gelingen, den Equal Pay gesamtgesellschaftlich positiv zu konnotieren, und zum geteilten Vorteil aller an Lösungsansätzen für den Gender Pay Gap zu arbeiten. Intersektionale Fragen in Bezug auf Equal Pay, das Zusammenspiel an sich überlagernden Benachteiligungen, soll dabei in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.



Quellen / weiterführende Informationen und Statistiken:


https://www.equalpayday.de/informieren/

https://www.lpb-bw.de/equalpayday

https://kunst-kultur.verdi.de/schwerpunkte/soziale-lage/kuenstlersozialkasse/++co++921c7470-a942-11ed-bd44-001a4a160117

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/03/PD23_084_621.html


Podcast:

https://open.spotify.com/show/4LD7MrK3gvrmHcvmfiMeZj?si=afde785dd01b4093


Einführung zum EPD 2024 – Höchste Zeit für Equal Pay:

https://www.youtube.com/watch?v=RPMBkYESco8


Selbst aktiv werden:

https://www.equalpayday.de/mitmachen/aktionen/

Zeit, um zu entscheiden

Diese Webseite verwendet externe Medien, wie z.B. Karten und Videos, und externe Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Dabei werden auch Cookies gesetzt. Die Einwilligung zur Nutzung der Cookies & Erweiterungen können Sie jederzeit anpassen bzw. widerrufen.

Eine Erklärung zur Funktionsweise unserer Datenschutzeinstellungen und eine Übersicht zu den verwendeten Analyse-/Marketingwerkzeugen und externen Medien finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.