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Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages (2016)

Leuchtstoffröhren, Metallrahmen
Neonskulptur des chilenischen Gegenwartskünstlers Alfredo Jaar


Das Forum des neuen ZF Campus der Zeppelin Universität (ZU) erleuchtet eine Neonskulptur von Alfredo Jaar, einem international überaus bekannten Gegenwartskünstler. Das Werk wurde der ZU als Kunst-am-Bau-Projekt von Siegfried Weishaupt gespendet. Die offizielle Einweihung erfolgte im Rahmen des „31. Kunst-Freitag Friedrichshafen“ am 12. Februar 2016.


Jaar entwickelte die Neonskulptur eigens für das Graf-von-Soden-Forum im neuen ZF Campus der ZU. Die Arbeit stellt ein Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ ins Zentrum. Das Zitat „Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages“ stammt aus einer Reihe von aphoristischen Reflexionen, die Goethe in diesen Roman einstreut und die um Fragen der Bildung, Sittlichkeit, Entsagung und Freiheit kreisen. Die Textstelle aus Goethes Bildungsroman ist ihrerseits ein Zitat, das Goethe dem englisch-irischen Schriftsteller Laurence Sterne zuschreibt, den der Deutsche wegen seiner „anmutigen Widersprüche“ schätzt und als „Andeuter und Erwecker“ bezeichnet. So handelt es sich bei dem Aphorismus um ein Zitat im Zitat.


Als „Andeuter und Erwecker“ kann man auch Alfredo Jaar bezeichnen. Er rahmt den Text mit graphischen Elementen wie Kreuzen, Linien und Kurven, die an Diagramme und Schaubilder erinnern. So lässt sich hier auch an Kursverläufe etwa von Aktien denken. Vor diesem Hintergrund erhält die Textpassage etwas von einer ökonomischen Bewertungsempfehlung. Doch kann man den Text des zweifachen documenta-Künstlers Jaar genauso gut als schlichten „Carpe-Diem-Appell“ verstehen. Mit dem Ineinandergreifen von so unterschiedlichen Sinnbezügen wie Börsenberichten und den großen Lebenssinnfragen zu Verzicht und Vergnügen aus Goethes Bildungsroman schreibt der chilenische Künstler dem Hörsaal einen Aufruf ein, sich der privilegierten Situation dieses Ortes bewusst zu werden und diese zu nutzen.


Die belgische politische Philosophin Chantal Mouffe beschreibt Jaars Projekte als „gegenhegemoniale Interventionen“, die nicht nur zu einer „Desartikulation“ des vorherrschenden Common Sense führen, sondern durch ihre imaginative Kraft einen kollektiven Willen zur Erneuerung erzeugen, ohne diesen irgendjemandem aufzuoktroyieren.

Biografie
Alfredo Jaar (*1956 in Santiago de Chile, lebt in New York) kann als einer der weltweit wichtigsten Gegenwartskünstler gelten. Die Arbeiten des chilenischen Künstlers wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen wie der documenta 8 und 11 in Kassel und dem Museum of Modern Art in New York gezeigt und sind weltweit auf Biennalen vertreten. Bekannt wurde er durch eine Reihe von Arbeiten, welche die mediale Verarbeitung politischer Ereignisse zum Thema machen. Er ist durch und durch ein politischer Künstler, der es als Aufgabe von Kunst sieht, zu verantwortungsvollem Handeln aufzufordern.


Dank
Das Lichtkunstwerk verdankt die Universität der großzügigen Schenkung von Siegfried Weishaupt, dem Kunstsammler und Gründer der Kunsthalle Weishaupt in Ulm. Weishaupt ist einer der Gründungsgesellschafter der Zeppelin Universität.