01.01.2024

Laura Beck

Bei Laura Beck kann man sich sicher sein, dass sie sich so einiges einfallen lässt, um an ihr Ziel zu gelangen. Sonst hätte sie es nicht von der Realschule auf ein Technisches Gymnasium und von dort an die ZU geschafft. Und sie möchte weitere Schritte gehen auf dem Weg zur Karriere in einer internationalen Organisation. Der PAIR-Bachelor ist nah, nicht weit entfernt davon ein Master im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung. Alles Weitere wird sich dann so oder so mit Sicherheit ergeben.

Foto: Niklas Ehret


Den überwiegenden Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte Laura Beck in der 12.000-Seelen-Gemeinde Bopfingen, Seite an Seite mit ihrer Zwillingsschwester und Zaun an Zaun mit ihren Großeltern. Weil es in ihrem Umfeld gängig war, auf die Realschule zu gehen, kam es auch für sie nicht infrage, nach der Grundschule eine andere Schulform zu wählen – trotz Gymnasialempfehlung. „Mein Vater als gelernter Elektrotechniker und meine Mutter als gelernte Bürokauffrau hatten uns Kindern einen klaren Weg vorgezeichnet, der darin bestand, entweder eine solide Ausbildung oder ein duales Studium zu machen“, erzählt Beck, „trotzdem hätte ich ohne die Hausaufgabenbetreuung meiner Mutter am Anfang meiner Schulzeit sicher nicht so gute schulische Leistungen erzielt und gelernt, den gleichen Anspruch an meine Noten zu stellen.“


Mit einem überragenden Notendurchschnitt war es Laura Beck möglich, von der Realschule auf ein Technisches Gymnasium zu wechseln, um dort das Abitur zu machen. Sie belegte das Profilfach Gestaltungs- und Medientechnik, um sich die Möglichkeit offen zu halten, ein Illustrations- oder Designstudium aufzunehmen. Mehr als ein Plan B war das aber nicht. „Eigentlich wollte ich Politikwissenschaften in Berlin studieren. Das hat mich motiviert, ein möglichst gutes Abitur zu schreiben“, erwähnt Beck. Auch wenn sie tatsächlich das Abitur als Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 1,0 bestand, ging es für sie nicht in die Bundeshauptstadt, sondern an den Bodensee.


Was ist Populismus? Diese Frage war es, deretwegen Laura Beck ungefähr ein Jahr vor ihren Abiturprüfungen an der Schülerakademie der ZU teilnahm. „Es dauerte nicht lange, um zu registrieren, dass die ZU eine Sorte Mensch anzieht, die offen und neugierig, zugleich engagiert und ambitioniert ist. Das sowie die Möglichkeit, Internationale Beziehungen zu studieren, haben mich überzeugt“, berichtet Beck. So reichte sie ihre Bewerbung für einen Studienplatz im PAIR-Bachelor ein. Auch die Zusage ließ nicht lange auf sich warten – genauso wie die Mitteilung, dass sie das ZU Stipendium erhält. „Ganz ehrlich: Ohne Schülerakademie und ZU Stipendium wäre ich nicht hier“, verrät Beck, die kurz danach auch in ein Stipendienprogramm der Hans-Böckler-Stiftung aufgenommen wurde und mittlerweile als Mentorin bei ApplicAid andere Schüler:innen bei der Stipendienbewerbung unterstützt.


Um Erstakademiker:innen und Studierenden mit strukturellen Hürden im Studium an der ZU ein Forum zu geben, gründete Laura Beck zusammen mit drei weiteren Kommiliton:innen die studentische Initiative „FirstGen@ZU“. „Dabei geht es darum, nach innen wie nach außen hin zu zeigen, dass es an der ZU Personen gibt, die als Erste in ihren Familien studieren, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig den Rücken zu stärken“, erläutert Beck. Das Bewusstsein für ein Thema zu schärfen und dieses im universitären Raum sichtbar zu machen: Das war ihr auch möglich beim „DAS LAUT KOLLEKTIV“, das für Gleichberechtigung und intersektionalen Feminismus einsteht.


Kaum ins Studium gestartet, war Laura Beck ebenso Teil des Organisationsteams eines Transcultural Leadership Summit. Bei dem zweitägigen Kongress tauschen sich Teilnehmer:innen zu Fragen der transkulturellen Führung und Kooperation aus. In Eigenregie organisierte sie neben einem Workshop zu „Women in Leadership“ eine Kochshow in Kooperation mit dem Freunde Indonesien e.V. „Um die internen Dynamiken an einer Universität kennenzulernen, kann ich jeder und jedem nur empfehlen, sich möglichst früh in das universitäre Leben einzubringen und dieses mitzugestalten“, erwähnt Beck.


Nachdem sie ursprünglich mit dem Ziel ins Studium gegangen war, zukünftig in einer Menschenrechtsorganisation zu arbeiten, absolvierte sie ein Praktikum bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und ein Praktikum in der Abteilung Menschenrechte und Genderfragen im Auswärtigen Amt. Ein Kurs zur Internationalen Sicherheitspolitik bei Professor Dr. Simon Koschut zeigte ihr eine neue Perspektive auf und lenkte ihr Interesse in eine andere Richtung. „Der Kurs erweiterte meinen Horizont auf das Thema, da nicht nur konventionelle militärische und verteidigungspolitische Facetten der Sicherheitspolitik gelehrt wurden. Seither habe ich mich fast ausschließlich mit dem Themenkomplex Frieden und Konflikt beschäftigt“, beschreibt Beck. Und so belegte sie im Folgesemester etwa Seminare zu „Bürgerkriege im Vergleich“ sowie „Psychology of International Diplomacy“.


Gleich zu Beginn ihrer Studienzeit an der ZU wurde Laura Beck– mit Blick auf den Arbeitsmarkt – ans Herz gelegt, einen Regionalfokus zu legen. Aus naheliegenden Gründen fiel ihre Wahl auf den Nahen Osten, hatte sie sich doch bereits in ihrem Zeppelin-Projekt mit der Selbst- und Fremddarstellung der Hisbollah im Libanon auseinandergesetzt. Da die politische Situation im Libanon eine sichere Planung nicht zuließ, begab sie sich auf die Suche nach einer Alternative und stieß dabei auf die American University in Cairo (AUC). Weil ein Studienaufenthalt dort horrende Kosten verursacht, musste die Suche auf Stipendiengeber ausgeweitet werden. „Ich war erleichtert und glücklich, als ich die Zusagen für ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und für das Vacasol Global Engagement Scholarship in den Händen hielt“, erzählt Beck, die so keine Studiengebühren aus der eigenen Tasche finanzieren musste. Den Mut, das Vorhaben als Free Moverin selbst anzugehen, schreibt sie der ZU-Bubble zu: „Die Universität bietet einem ein Umfeld, in dem alles möglich scheint.“


Zum zweiten Mal in ihrem Leben im nichteuropäischen Ausland und zum ersten Mal in einem Flugzeug unterwegs, landete sie plötzlich mitten in einer 9,5-Millionen-Seelen-Metropole. „Insgesamt führte mir diese Erfahrung nochmal die Komplexität von Privileg vor Augen. An der AUC waren die meisten meiner Kommiliton:innen viel wohlhabender als ich, insbesondere, aber nicht nur im Kontext der ägyptischen Gesellschaft. Gleichzeitig profitiere ich als weiße Person aus einem westeuropäischen Land von einigen Privilegien“, bemerkt Beck. Gut angekommen und aufgenommen, machte sie sich daran, sich auf ihre zuvor festgelegten Ziele zu fokussieren: Arabisch zu lernen und ihre eurozentrische Sichtweise zu hinterfragen. „Kolonialismus und postkoloniale Perspektiven haben sich durch mein gesamtes Studium an der AUC gezogen“, beschreibt Beck. „Doch noch wertvoller waren die Begegnungen mit ehemaligen ägyptischen Diplomaten, die uns in Kursen von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen berichteten.“


Zwischendurch reiste Laura Beck für elf Wochen nach Jerusalem, um beim UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) zu arbeiten. Sie pflegte die Kontakte zu Regierungen der Geberländer im asiatischen Raum, begleitete aber auch Delegationsbesuche in Flüchtlingscamps im Westjordanland. Nur einige Wochen vor dem Überfall der Hamas auf Israel ging es für sie zurück nach Ägypten – und erst vor gut einem Monat kehrte sie nach Friedrichshafen zurück. „In den letzten Wochen in Ägypten war es sehr herausfordernd, so intensiv mit der deutschen, der israelischen und der ägyptischen Perspektive auf den Nahostkonflikt konfrontiert zu sein“, sagt Beck.


Gedanken daran werden sie auch in den kommenden Wochen begleiten, wenn Laura Beck sich ihrer Bachelorarbeit widmet. „Ich kann mir gut vorstellen, über die Rolle von Emotionen in Friedensprozessen im Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina zu schreiben“, verrät Beck. Neben der Bachelorarbeit möchte sie sich intensiver beim Studierendenforum des Tönissteiner Kreises einbringen. „Es ist wirklich spannend, andere international orientierte Studierende und Berufstätige kennenzulernen, die aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen kommen“, bemerkt Beck, die mit ihrer Projektgruppe „FFP:Lab“ einen Workshop und einen Kaminabend zur feministischen Außenpolitik der Bundesregierung veranstaltete. Nach einem Master in Friedens- und Konfliktforschung sieht Laura Beck ihre berufliche Zukunft in der zivilen Konfliktmediation mit Fokus auf Genderperspektiven.

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