Die Landeskoordinierungsstelle Sicherheit im Nachtleben Baden-Württemberg (LKS) mit dem Projekt nachtsam, die bereits im 5. Jahr Schulungskonzepte und Öffentlichkeitssensibilisierung gegen sexualisierte Gewalt im Nachtleben durchführt, startet eine neue Kampagne. Die LKS wird von der Frauenfachberatungsstelle Frauenhorizonte - gegen sexuelle Gewalt e.V. in Freiburg verantwortet und ist vollfinanziert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg.
FRAG DOCH, STATT EINFACH ZU MACHEN ist die direkte Ansprache an alle Feiernden - mit dem klaren Appell zum Konsens beim Feiern. Einverständnis einholen, bevor, eventuell auch unbeabsichtigt, Grenzen überschritten werden, ist der Wunsch der meisten Menschen. Dadurch kann im Nachtleben ein respektvolles und (n)achtsames Miteinander erlebt werden.
„Zum Studium gehört das Feiern dazu und zum Feiern gehört der respektvolle Umgang miteinander dazu“, sagt Lea Heinrich, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Zeppelin Universität, „deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass auch die ZU sich an der Kampagne beteiligt.“ Zwar sei das Nachtleben in Friedrichshafen kaum mit dem in Großstädten vergleichbar. Aber zu glauben, dass das Thema in Kleinstädten keine Bedeutung hätte, wäre naiv.
Zu lange gingen die Appelle an Frauen, sich und ihre Getränke zu schützen, einen „sicheren“ Heimweg zu wählen, nicht allein nachts unterwegs zu sein, den Schlüssel zwischen den Fingern, ein Tränengas in der Tasche, einen Taschenalarm dabei und vieles mehr. Übergriffe finden aber nur dann nicht statt, wenn keine Person übergriffig ist. Wir richten uns mit unseren Botschaften eindeutig an potenziell übergriffige Menschen und an die gesamte Gesellschaft. Hier liegt die Verantwortung, sich korrekt zu verhalten, Grenzen zu wahren und auch, Bekannte, Freund:innen oder Unbekannte zu stoppen, die dies eben nicht tun. Wegschauen und Bagatellisieren geben grenzüberschreitenden Menschen Raum, der den von betroffenen Personen wiederum begrenzt.
Die Kampagne findet in 25 Stadt- und Landkreisen statt, die allesamt im nachtsam-Kooperationsnetzwerk sind und nachtsam geschulte Einrichtungen und Festivals vor Ort haben, in Zusammenarbeit mit den lokalen Frauenfachberatungsstellen, den Gleichstellungsbeauftragten, sowie einem breit gefächerten Verbund an Institutionen und Hochschulen. Dieses Netzwerk sorgt für eine möglichst breite Streuung in Stadt und Land, auf den jeweiligen Kommunikationskanälen - von Freistellen der Städte über Stelen, Plakatwände, Newsletter, Homepages, Social Media, ...
Die insgesamt 141 Kooperationspartner:innen erhalten von der LKS jeweils örtlich angepasstes Kampagnenmaterial (Print sowie digital), die insbesondere auf die lokalen Beratungsstellen verweisen. So wurden insgesamt 5500 A3 Plakate, 2000 A2 Plakate, 1750 A1 Plakate und 42.000 Postkarten bestellt, die in der zweiten Oktoberwoche in die Öffentlichkeit gehen. Die über 400 nachtsam geschulten Einrichtungen erhalten das Material ebenfalls.



