11 ZUler*innen mit Professor Steffen Eckhard auf Kursexkursion nach Genf

04.12.2024
Exkursion nach Genf

Wie löst man einen Konflikt?

Kaum eine Frage ist für die internationale Staatengemeinschaft so drängend und zugleich so herausfordernd wie die nach der Konfliktlösung im 21. Jahrhundert. Wie kann ein Konflikt in einer Zeit gelöst werden, die von einer zunehmenden Zahl innerstaatlicher Auseinandersetzungen geprägt ist, die häufig mit massiven Menschenrechtsverletzungen einhergehen?


Im Seminar „The Politics of Conflict Management“, das im Fallsemester 2024 von Professor Steffen Eckhard angeboten wurde, haben sich elf Studierende mit diesem Thema auseinandergesetzt. In der ersten Hälfte des Semesters erarbeiteten die Studierenden Fälle, wie den Russland-Ukraine Krieg, den Nahostkonflikt oder den Bürgerkrieg im Sudan, aus einer theoretischen und empirischen Perspektive. Im Mittelpunkt stand die Arbeit von Akteuren, die bei Konflikten als Vermittler Lösungen anstreben, wie die Vereinten Nationen.


Um herauszufinden, wie sich die Theorien von Konfliktresolution in der Praxis anwenden lassen, reisten die Seminarteilnehmer*innen vom 13. bis zum 15. November nach Genf. Genf ist der europäische Hauptsitz der UN und nach New York der wichtigste Standort. Die Organisationen, die dort angesiedelt sind, setzen ihren Schwerpunkt vor allem auf Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Für die Reise wurden freundlicherweise die Reisekosten der Studierenden durch das Udo J. Vetter Förderfonds Reisestipendium übernommen. Für diese einzigartige, großzügige und nachhaltige Unterstützung danken die Studierenden Herrn Udo J. Vetter sehr herzlich.


Während der Exkursion hatten die Studierenden die Möglichkeit, Expert*innen und Diplomat*innen aus diversen UN-Organisationen und NGOs über ihre Arbeit in den Gebieten der humanitären Arbeit, Krisenbewältigung und Konfliktresolution zu interviewen.


Es war eine wirklich sehr inspirierende und eindrückliche Erfahrung, die im Kurs thematisierten, theoretischen Funktionsweisen internationaler Organisationen live in Action zu sehen.“ Elena Treusch (Kursteilnehmerin)

Die Gruppe besuchte die ständigen Vertretungen der Schweiz und Deutschlands, das Zentrum für humanitären Dialog, das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dem UN-Amt für Koordinierung humanitärer Angelegenheiten OCHA, der EU-Delegation, dem Internationalen Komitee des Roten Kreuz ICRC und das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte OHCHR.


Die Erfahrungen der Expert*innen lieferten Einblicke in die Welt des Konfliktmanagements. Herausforderungen in der Arbeit sowie die Divergenz zwischen Theorie und Praxis wurden den Studierenden ersichtlich. Kein Konflikt gleicht dem anderen, weshalb es keine universelle Mustervorlage für Resolutionen gibt. Vielmehr erfordert jede Lösung die schwierige Vereinigung widersprüchlicher Interessen, die Sicherung eines nachhaltigen Friedens und das Engagement aller beteiligten Akteure.


Einige Expert*innen nannten mehrfach gegenseitiges Vertrauen als Schlüsselfaktor für erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen. In den Interviews wurde deutlich, dass Vertrauen zwischen den verschiedenen Parteien in der internationalen Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung ist. Insbesondere das Vertrauen der lokalen Akteure in internationale Organisationen ermöglicht nicht nur Konfliktresolutionen oder humanitäre Hilfe, sondern trägt auch entscheidend zu ihrem Erfolg bei. Die Genfer Konventionen wurden von den Expert*innen als ein weiterer zentraler Bezugspunkt hervorgehoben. Sie bilden nach wie vor eine fundamentale Grundlage des internationalen Rechts, weil annähernd alle Staaten die Konventionen und ihre Zusatzprotokolle unterzeichnet und ratifiziert haben. Dieser nahezu universelle Rückhalt unterstreicht ihre Bedeutung als verbindlicher Rahmen für den Schutz von Menschenrechten und humanitärem Handeln auf globaler Ebene.


Auf der Grundlage der Erkenntnisse des Kurses und der Exkursion lernten die Studierenden eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Möglichkeiten der internationalen Konfliktbearbeitung und Friedensförderung kennen. Sie erhielten wertvolle Eindrücke aus den drei Exkursionstagen und können ihr neu gelerntes Wissen über internationale Organisationen mit dem theoretischen Kontext und ihrem Fallbeispiel verknüpfen. Zum Abschluss verfassen alle Studierenden des Kurses eine Seminararbeit.


„Das Seminar bot einen dreifachen Mehrwert für Studierende: Sie erfuhren viel Neues zum Thema Konfliktmanagement, lernten potenzielle Arbeitgeber kennen und knüpften erste Kontakte mit Expertinnen und Experten aus der Praxis. Das innovative Kursformat soll deshalb auch in Zukunft angeboten werden.“ Professor Steffen Eckhard


Der Bericht wurde von Katharina Schöttle verfasst.

Zeit, um zu entscheiden

Diese Webseite verwendet externe Medien, wie z.B. Karten und Videos, und externe Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Dabei werden auch Cookies gesetzt. Die Einwilligung zur Nutzung der Cookies & Erweiterungen können Sie jederzeit anpassen bzw. widerrufen.

Eine Erklärung zur Funktionsweise unserer Datenschutzeinstellungen und eine Übersicht zu den verwendeten Analyse-/Marketingwerkzeugen und externen Medien finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.