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Abgeschlossene Promotionsvorhaben

Claudia Steigerwald

Claudia Steigerwald

Kurzvita

Claudia Steigerwald (Dr. des.), geb. 1986, promovierte am WÜRTH Chair of Cultural Production der Zeppelin Universität Friedrichshafen mit einer Arbeit zur ideengeschichtlichen Genese der Kulturellen Bildung seit den 1970er-Jahren und deren Verankerung in aktuellen Förderstrukturen der Kultur-, Bildungs- und Jugendpolitik. Zuvor war sie als wissenschaftliche Referentin beim Rat für Kulturelle Bildung e.V. in Essen mit der Erörterung eines institutionellen Modells zur Qualitätssicherung kultureller Angebote an (Ganztags-)schulen befasst. Aktuell berät sie das Kulturamt Ravensburg im Bereich Kulturelle Teilhabe und betreut den Stakeholder-Prozess zur Vorbereitung einer Besucherbefragung. Ihr Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg schloss sie mit einer empirischen Arbeit zur Besuchergewinnung bei zeitgenössischen Opernformaten ab. Praktische Erfahrungen im Kulturbetrieb sammelte sie unter anderem bei der Bayerischen Staatsoper und dem Schleswig-Holstein Musik Festival.



Promotionsvorhaben

Kulturelle Bildung als Programm. Die Idee einer „Bildung durch Kultur“ von der Neuen Kulturpolitik bis heute.

›Kulturelle Bildung‹ ist als Bestandteil der Kulturförderung von Bund, Ländern und Kommunen, in Modellprojekten von Stiftungen und den Education-Abteilungen von Kultureinrichtungen allgegenwärtig: So soll kulturelle Bildung nicht nur zur Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen beitragen, sondern auch für die soziale Kohäsion der Gesellschaft, die Integration von Geflüchteten und Migranten und nicht zuletzt für ein jüngeres Publikum in den Kultureinrichtungen sorgen. Obgleich diese Wirkungsversprechen erst in Ansätzen empirisch untersucht wurden, scheint die Attraktivität des Themas für eine wachsende Zahl an Förderakteuren ungebrochen. Die ›Konjunktur‹ des Themas ist dabei zum einen auf die tektonischen Verschiebungen innerhalb der Kulturpolitik hin zu einem Akteursdreieck von Staat, Markt und Zivilgesellschaft zurückzuführen, zum anderen gewinnt dadurch das diskursive Element von Kulturpolitik an Bedeutung: So wird die Frage, welche Funktion Kultur für die Gesellschaft erfüllen soll, von den Diskursteilnehmern in kulturpolitischen Leitformeln, Förderdispositiven und Positionspapieren kontrovers verhandelt. Dass die Programmatik einer Bildung durch Kultur jedoch eine lange diskursive Tradition hat, wird in der heutigen Verwendung des Begriffs ›kulturelle Bildung‹ oftmals nicht transparent.
Die Arbeit leistet erstens einen Beitrag zu einem Verständnis kultureller Bildung in historischer Perspektive: So liegen die Wurzeln einer Begründung kultureller Bildung als Aufgabe von Kulturpolitik in der ›Neuen Kulturpolitik‹ der 1970er-Jahre, die als Fundament für ein Verständnis von Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik gelten darf. Gleichzeitig wurden durch die Etablierung eines eigenständigen Berufs- und Forschungsfeldes im Umfeld der ›Neuen Kulturpädagogik‹ Mitte der 1980er-Jahre die Grundlagen für eine institutionelle Verankerung der kulturellen Bildung geschaffen. Zweitens nimmt die Arbeit die heutige Akteurslandschaft kultureller Bildung mit den ihr zugrundeliegenden Leitsätzen und Motivationen in den Blick: Wie wird die Notwendigkeit einer Förderung kultureller Bildung begründet? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Ereignisse dienen als Impuls im Diskurs? Mittels einer Argumentativen Diskursanalyse und vor dem Hintergrund theoretischer Konzepte der Public Policy Analysis untersucht die Arbeit zum einen die strategische Verwendung von Sprache in den Argumentationen für kulturelle Bildung, zum anderen werden distinktive Sprecherpositionen und das Verhältnis der Akteure zueinander beleuchtet.