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Februar 2018

06 Di
artsprogram
artsprogram Das artsprogram etabliert künstlerische Praxis als Bestandteil von Lehre und Forschung an der ZU. Es lädt Künstler, Studierende, Wissenschaftler und Gäste zu Begegnungen zwischen Gegenwartskunst und Wissenschaften ein.
19.15 – 21.00 Uhr
Friedrichshafen | ZF Campus, Blackbox 1.09
Ina Neddermeyer M A | Ringvorlesung
Simulationskrisen. Zum Werk von Harun Farocki

Krisen der Realität – Eine Ringvorlesung zu Schlüsselwerken der Künste
Veranstaltet von Karen van den Berg (Lehrstuhl für Kunsttheorie und inszenatorische Praxis) und Jan Söffner (Lehrstuhl für Kulturtheorie und Kulturanalyse)

Zur Ringvorlesung | Krisen der Realität

Wenn Fakten in der Politik immer weniger Effekte auf die Meinungsbildung und das Wählerverhalten haben, scheint es an der Zeit, von einer Krise des Realen und der Realität zu sprechen. Krisen der Realität sind schon häufig ausgerufen worden – von den Avantgarden der Moderne, von den Existentialisten, von der Postmoderne mit ihren radikalen Konstruktivismen und Dekonstruktionen. Doch waren diese von der jeweiligen Bewegung selbst ausgerufene, in den meisten Fällen sogar gewünschte Krisen: Es waren Krisen, die eher von einer Macht und Dominanz der Realismen ihrer jeweiligen Zeit zeugten und von dem Wunsch, sich von einem Totalitarismus des Realen befreien zu wollen.
Gegenwärtig aber verweisen Theoriedebatten vom New Realism bis zum Spekulativen Realismus sowie ein neuer Realismus und Dokumentarismus in den Künsten auf das Anliegen, das Konzept der Realität zu wahren oder neu beschreiben zu wollen. In Literatur, Film, Theater und in der Bildenden Kunst lässt sich daher derzeit nicht zufällig ein neuer Realismus ausmachen; – ein Realismus, der sich von seinen Vorläufern in vieler Hinsicht unterscheidet. Denn seit von „Post-truth“ die Rede ist und virtuelle Realitäten Teil des Alltags geworden sind, stellt sich die Frage neu, wie sich ein Konzept von Realität gewinnen lässt, das sich als soziales Fundament eignet und nicht beliebig dehnbar ist. Dieses Anliegen hat in Zeiten, in denen mit Fake-News Politik gemacht wird, eine neue Dringlichkeit gewonnen.
Da die Künste seit je her ein ganz eigenes Verhältnis zur Realität pflegten und immer schon auch das Fiktive und Mögliche entwarfen, eignen sie sich in besonderem Maße, unterschiedliche Realitätsbegriffe beobachtbar zu machen. In den Künsten wird nicht nur die Wahrnehmung selbst erfahrbar gemacht, es wird auch auf je eigene Weise das Verhältnis zur Wirklichkeit ausgelotet. Dabei wird eine Abständigkeit zur Welt erfahrbar, es werden Realitätsbrüche spürbar oder durch hyperrealistische Szenarien immersive Intensivierungen der Wirklichkeitserfahrung evoziert.
Mit ihren unterschiedlichen Realismen unterhielten die Künste ehedem ein eigenes Verhältnis zur Realität. Sie scheinen daher in besonderem Maße geeignet, Realitätskrisen beobachtbar, wahrnehmbar und beschreibbar zu machen.
Vor diesem Hintergrund stellen Experten aus Kunst-, Musik-, Film- und Literaturwissenschaft im Rahmen der Ringvorlesung Schlüsselwerke von Künstler|nnen, Schriftsteller|nnen und Filmemacher|nnen vor, die das Realitätsverständnis ihrer Zeit problematisieren.

Zum Vortrag | Simulationskrisen - Zum Werk von Harun Farocki.

Harun Farocki zählt zu den wichtigsten und international einflussreichsten Filmemachern aus Deutschland, der sich bereits früh mit der Verschränkung von virtuellen und realen Welten beschäftigte. Kritisch reflektiert er dabei die Rolle von Computerspielen und Virtual Reality als Bestandteil der gegenwärtigen Kriegsführung. Zentral ist dabei die Frage, wie stark Virtualität bereits unser Verständnis von Realität formt, wie Simulationen von Krisen zugleich eine eigene Krisenanfälligkeit offenbaren.

Ina Neddermeyer studierte Kunstgeschichte, Politik und Philosophie in Berlin und Florenz. Von 2011 bis 2016 arbeitete sie zunächst als Kuratorische Assistentin und ab 2013 als Sammlungskuratorin im Kunstpalais Erlangen. Seit 2016 ist sie Kuratorin und Leiterin der Abteilung Kunst am Zeppelin Museum Friedrichshafen. Sie kuratierte zahlreiche Ausstellungen, u. a. Einzelausstellungen von Peter Land und Reynold Reynolds sowie die interdisziplinären Gruppenausstellungen #catcontent und Dicker als Wasser. Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst. Die von ihr konzipierte Ausstellung „Schöne neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst“ ist noch bis zum 8.4.2018 im Zeppelin Museum zu sehen.

 

Veranstaltungsart
Öffentlich
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Simulationskrisen. Zum Werk von Harun Farocki

event_location

Blackbox 1.09

event_dates
Di, 06.02.2018, 19:15 Uhr - 21:00 Uhr

Krisen der Realität – Eine Ringvorlesung zu Schlüsselwerken der Künste
Veranstaltet von Karen van den Berg (Lehrstuhl für Kunsttheorie und inszenatorische Praxis) und Jan Söffner (Lehrstuhl für Kulturtheorie und Kulturanalyse)

Zur Ringvorlesung | Krisen der Realität

Wenn Fakten in der Politik immer weniger Effekte auf die Meinungsbildung und das Wählerverhalten haben, scheint es an der Zeit, von einer Krise des Realen und der Realität zu sprechen. Krisen der Realität sind schon häufig ausgerufen worden – von den Avantgarden der Moderne, von den Existentialisten, von der Postmoderne mit ihren radikalen Konstruktivismen und Dekonstruktionen. Doch waren diese von der jeweiligen Bewegung selbst ausgerufene, in den meisten Fällen sogar gewünschte Krisen: Es waren Krisen, die eher von einer Macht und Dominanz der Realismen ihrer jeweiligen Zeit zeugten und von dem Wunsch, sich von einem Totalitarismus des Realen befreien zu wollen.
Gegenwärtig aber verweisen Theoriedebatten vom New Realism bis zum Spekulativen Realismus sowie ein neuer Realismus und Dokumentarismus in den Künsten auf das Anliegen, das Konzept der Realität zu wahren oder neu beschreiben zu wollen. In Literatur, Film, Theater und in der Bildenden Kunst lässt sich daher derzeit nicht zufällig ein neuer Realismus ausmachen; – ein Realismus, der sich von seinen Vorläufern in vieler Hinsicht unterscheidet. Denn seit von „Post-truth“ die Rede ist und virtuelle Realitäten Teil des Alltags geworden sind, stellt sich die Frage neu, wie sich ein Konzept von Realität gewinnen lässt, das sich als soziales Fundament eignet und nicht beliebig dehnbar ist. Dieses Anliegen hat in Zeiten, in denen mit Fake-News Politik gemacht wird, eine neue Dringlichkeit gewonnen.
Da die Künste seit je her ein ganz eigenes Verhältnis zur Realität pflegten und immer schon auch das Fiktive und Mögliche entwarfen, eignen sie sich in besonderem Maße, unterschiedliche Realitätsbegriffe beobachtbar zu machen. In den Künsten wird nicht nur die Wahrnehmung selbst erfahrbar gemacht, es wird auch auf je eigene Weise das Verhältnis zur Wirklichkeit ausgelotet. Dabei wird eine Abständigkeit zur Welt erfahrbar, es werden Realitätsbrüche spürbar oder durch hyperrealistische Szenarien immersive Intensivierungen der Wirklichkeitserfahrung evoziert.
Mit ihren unterschiedlichen Realismen unterhielten die Künste ehedem ein eigenes Verhältnis zur Realität. Sie scheinen daher in besonderem Maße geeignet, Realitätskrisen beobachtbar, wahrnehmbar und beschreibbar zu machen.
Vor diesem Hintergrund stellen Experten aus Kunst-, Musik-, Film- und Literaturwissenschaft im Rahmen der Ringvorlesung Schlüsselwerke von Künstler|nnen, Schriftsteller|nnen und Filmemacher|nnen vor, die das Realitätsverständnis ihrer Zeit problematisieren.

Zum Vortrag | Simulationskrisen - Zum Werk von Harun Farocki.

Harun Farocki zählt zu den wichtigsten und international einflussreichsten Filmemachern aus Deutschland, der sich bereits früh mit der Verschränkung von virtuellen und realen Welten beschäftigte. Kritisch reflektiert er dabei die Rolle von Computerspielen und Virtual Reality als Bestandteil der gegenwärtigen Kriegsführung. Zentral ist dabei die Frage, wie stark Virtualität bereits unser Verständnis von Realität formt, wie Simulationen von Krisen zugleich eine eigene Krisenanfälligkeit offenbaren.

Ina Neddermeyer studierte Kunstgeschichte, Politik und Philosophie in Berlin und Florenz. Von 2011 bis 2016 arbeitete sie zunächst als Kuratorische Assistentin und ab 2013 als Sammlungskuratorin im Kunstpalais Erlangen. Seit 2016 ist sie Kuratorin und Leiterin der Abteilung Kunst am Zeppelin Museum Friedrichshafen. Sie kuratierte zahlreiche Ausstellungen, u. a. Einzelausstellungen von Peter Land und Reynold Reynolds sowie die interdisziplinären Gruppenausstellungen #catcontent und Dicker als Wasser. Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst. Die von ihr konzipierte Ausstellung „Schöne neue Welten. Virtuelle Realitäten in der zeitgenössischen Kunst“ ist noch bis zum 8.4.2018 im Zeppelin Museum zu sehen.