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01.04.2017

Abschlussberichte zum Lastenfahrradprojekt in Herne


Projektberichte (Stand 04/17)

(Die ursprünglichen Einzelberichte wurden zum Teil aufgrund zahlreicher Schnittstellen themenübergreifend zusammengefasst)


Projektabschlussbericht

Anlage 1: Lastenrad Markt- und Umfeldanalyse
Anlage 2: Auswahl Feldtest-Teilnehmer und Potenzialberechnung

(enthalten in Anlage 3, 4 und 5)
Anlage 3: Geschäftsmodelle, Nutzungskonzepte und Nutzerakzeptanz
Anlage 4: Projektergebnisbewertung
Anlage 5: Teilnehmer Feedback und Nachnutzungskonzeptentwicklung
Anlage 6: Nutzerakzeptanz (enthalten in Anlage 3)
Anlage 7: Gesamtwirtschaftliche Nutzen-Kosten-Analyse


Die Anfänge

Die Energiewende auf lokaler Ebene umsetzen. Das ist das Ziel des Rahmenprogramms „Energiewende Ruhr“ – geleitet vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und gefördert von der Stiftung Mercator. Bei dem Stichwort „Energiewende“ denkt man zunächst wohl an Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Atomausstieg. Und dann an E-Lastenfahrräder? Wohl kaum. Die Zeppelin Universität mit Sitz in Friedrichshafen jedoch hatte diesen Gedanken im Jahre 2013, als in der Ausschreibung zum Rahmenprogramm innovative Umsetzungsprojekte auf lokaler Ebene in Kommunen des Ruhrgebiets gesucht wurden. Genauer gesagt entstand die Idee ursprünglich bei einem Gespräch zwischen Herr Prof. Dr. Wolfgang H. Schulz, Leiter des Center for Mobility Studies an der Zeppelin Universität, und Herr Stamm, Inhaber von zwei Apotheken im rheinländischen Meerbusch nahe Düsseldorf. Herr Stamm setzt seit geraumer Zeit zwei Elektrofahrräder mit Anhängern ein, um die täglichen Medikamenten-Lieferungen im städtischen Raum durchzuführen. Die Beweggründe hierfür sind simpel und schlüssig: Die Medikamenten Lieferungen finden am frühen Morgen und fast ausschließlich im Stadtinneren statt, wo man sich mit zähem Verkehr und aufwändiger Parkplatzsuche konfrontiert sieht. Fazit: Es musste eine effiziente, komfortable Lösung gefunden werden. In diesem Fall war des die Anschaffung von Pedelecs mit Lastenanhänger. Schneller unterwegs, keine Parkplatzsuche, Werbeeffekte durch den Anhänger mit Firmenlogo, zufriedene Mitarbeiter, Kostenersparnis. Was will man mehr? Man könnte sagen: Mehr Unternehmer, denen die immensen Vorteile der (Lasten-) Radnutzung im Stadtverkehr bewusst sind. Dies war der Ursprung für das Herner Lastenradprojekt. Um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden, bedarf es daher kreativer und innovativer Delivery-Konzepte und Geschäftsmodell-Innovationen, die nur durch die Einbindung verschiedenster Akteure zum Erfolg gebracht werden können. Die Akteure sind in diesem Fall die Praxiskommune Herne, der Handelspartner ZEG und die wissenschaftliche Leitung des Projektes, das an der Zeppelin Universität ansässige Center for Mobility Studies. Das Projekt hat zum Ziel, den Einsatz von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr auf kommunaler Ebene als Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz genauer zu ermitteln und zu erproben.

Die Testphase

„Lastenradpiloten gesucht!“ Diesen Aufruf startete die Zeppelin Universität in Kooperation mit der Stadt Herne und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne Ende August 2014. Die Resonanz war beschaulich. Vielleicht, weil das Konzept „Lastenrad im Wirtschaftsverkehr“ für viele noch zu wenig greifbar ist. Genau aus diesen Gründen ist es notwendig, mit einem solchen Pilotprojekt ein Exempel zu statuieren. Bequemlichkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit werden trotz der hoch eingeschätzten Potenziale des Lastenrades in Frage gestellt. Um zu überzeugen, genügen nicht bloße Empfehlungen. Es sind die Erfahrungswerte von Unternehmern aus der Nachbarschaft, die die Akzeptanz vorantreiben. Diese Meinungsbilder wurden schlussendlich gefunden. Sieben Unternehmer/innen entschlossen sich Ende des Jahres 2014, sich der Herausforderung „Radeln für Klima und Wirtschaftlichkeit“ zu stellen. Tischlerei, Blumenhandel/Gärtnerei, Apotheke, Supermarkt, Elektriker, Elektroeinzelhandel und Einkaufscenter. Unternehmen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da einheitliche Lastenradmodelle eingesetzt werden, war zu erwarten, dass die Teilnehmer unterschiedliche Erfahrungen mit den Rädern machen. Selbst wenn die Räder für die kostenfreie Nutzung zur Verfügung gestellt werden, gehen die Unternehmer für die geplanten sieben Monate Testphase eine gewisse Verpflichtung ein. Die Mitarbeiter müssen davon überzeugt werden, das vermeintlich unbequemere Transportmittel Lastenrad statt des Firmenfahrzeugs zu nutzen. In den Sommermonaten mag dies noch akzeptabel sein, doch die Testphase erstreckt sich über die Schönwettertage hinaus über den Herbst und Winter mit Regen, Wind und eventuell auch Glätte und Schnee.


Am 31.Mai 2015 ging das Projekt unter dem Namen „HELFI-Herner Lastenfahrrad Innovation“ offiziell an den Start. Die Räder wurden im Rahmen des 30. Herner Umwelttages durch NRW-Umweltminister Johannes Remmel an die Teilnehmer übergeben und die „Lastenradsaison“ somit offiziell eröffnet. Der neue Projektname spiegelt die Bedeutung und Nutzen für die Unternehmer sowie die Kommune wieder: „HELFI“ hilft, Zeit- und Kosten zu sparen, das Betriebsklima zu verbessern und die lokale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmer zu sichern. Die einheitliche Gestaltung der Räder gibt dem Projekt einen Wiedererkennungswert und die Platzierung der Firmenwerbung in diesem Rahmen signalisieren: „Wir sind dabei!“. Ein Kundenbesuch mit „HELFI“ zieht die Blicke der Passanten auf sich und auch die Autofahrer müssen sich erst an den neuen Teilnehmer im Straßenverkehr gewöhnen. Dennoch: „Der Teufel steckt im Detail“ – oder in der Technik der Prototypen, welche speziell für den kommerziellen Lastentransport konzipiert wurden. Unterschiedliche Unternehmen haben jedoch unterschiedliche Anforderungen, genau wie die Nutzer selbst. Wenn ein Lastenfahrrad eine Zuladung von 100 Kilogramm verspricht, bedeutet dies nicht, dass diese Last von jeder beliebigen Person transportiert werden kann. Zudem sind die Lastenrad-Prototypen mit viel Technik ausgestattet. Trotz umfangreicher Einweisung ist es nicht für jeden Fahrer leicht, sich schnell in die Materie „Schaltung“ und „Tretunterstützung“ einzufinden. Die ersten Erfahrungen, welche aus dem Projekt mitgenommen werden können sind: Der (wirtschaftlich) effiziente Einsatz des Lastenrades ist vor allem von der Nutzbarkeit abhängig, sprich - die Wahl des richtigen Lastenradtypen ist das A und O. Hier unterscheidet sich das Lastenrad eben nicht von einem Auto, oder auch von einem herkömmlichen Rad. Wer eine Investition tätigt, muss vom Produkt überzeugt sein. Umso nachvollziehbarer ist es wohl, dass ein Lastenradtyp, welcher von unterschiedlichen Anspruchsgruppen genutzt wird, keine optimale Lösung für alle bietet. Die Zwischenbilanz, welche nach 4-monatiger Testphase gezogen werden kann ist: Das Lastenrad steht dem PKW im städtischen Verkehr grundsätzlich in nichts nach. Für Strecken von 4-7 Kilometern ist das Gefährt laut Nutzern ideal, eine Zuladung von 40kg ist jedoch das Maximum, was das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrer betrifft. Zum Ende des Jahres 2015 hat sich nach Abschluss der Testphase gezeigt, dass sich das Lastenrad nicht für jeden potenziellen Nutzer als alternatives Transportmittel im urbanen Wirtschaftsverkehr bewährt hat. Die Projektergebnisse entnehmen Sie bitte dem Abschlussbericht sowie den Einzelberichten auf dieser Seite.


Medienberichte


Eine Sammlung aller Medienbeiträge zum Projekt finden Sie auf der Projekt-Website.


Blumenlieferung per Lastenrad
Start der Lastenrad-Saison