Pionier des Monats
Leon Löchle: Ein Leben im hochfrequentierten Bereich
von Sebastian Paul
15.07.2026
People
Leon Löchle
Leon Löchle
© privat
Pionier des Monats

Leon Löchle: Ein Leben im hochfrequentierten Bereich

von Sebastian Paul
15.07.2026
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Engagement gehört für Leon Löchle zum Leben wie die Luft zum Atmen. Besonders viel bedeutet es ihm, sich für andere Menschen einzusetzen. Für deren Interessen trat er im Jugendgemeinderat und im Gemeinderat in Radolfzell ein, für deren Wohlbefinden sorgt er bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Singen. Ebenso liegt es ihm am Herzen, seinen Mitmenschen eine gute Zeit zu bescheren. Indem er etwa das studentische SEEQUENZ-Festival auf die Beine stellte. Was ihn das Leben aber auch lehrt: dass er nicht überall gleichzeitig sein kann, auch wenn es manchmal so scheint.

Leon Löchle denkt gerne an seine Kindheit in Radolfzell am Bodensee zurück. „Es bringt schon einen gewissen Luxus mit sich, im Sommer jeden Tag nach der Schule an den See gehen zu können“, bemerkt Löchle. „Und dass sich sogar in unseren Familienurlauben irgendwann eine Sehnsucht nach einem Gewässer einstellte, sagt schon alles.“ Was ihn ebenfalls magnetisch anzog, war alles, was mit Kommunalpolitik zu tun hat. Denn nicht wenige Gespräche mit seiner Mutter, aber auch mit seinem Stiefgroßvater drehten sich genau darum. Erstere ist als Stadträtin im Gemeinderat aktiv, Letzterer bekleidete sogar das Amt des Oberbürgermeisters. „Beide haben mich letzten Endes auch dazu motiviert, es selbst mal mit einem kommunalpolitischen Engagement zu versuchen“, erwähnt Löchle.

Interesse an Kommunalpolitik führt zu Engagement im Jugendgemeinderat und Gemeinderat

Mit dem Mindset ausgestattet, dass man nur etwas verändern kann, wenn man mit anpackt, fiel der Appell bei ihm auf fruchtbaren Boden. „Und weil es in der Stadt an Angeboten für Jugendliche mangelte, nahm ich die Chance wahr und ließ mich für den Jugendgemeinderat aufstellen“, erklärt Löchle, der auf Anhieb den Sprung ins Jugendparlament schaffte und als 15-jähriger Jungspund schnell die Kunstkniffe der Kommunaldiplomatie erlernen musste, also was wie gesagt werden darf. „Vordergründig ging es darum, unter uns Jugendlichen eigene Themen zu erarbeiten und diese in den Gemeinderat einzubringen. Dabei darf man sich jedoch keinen Illusionen hingeben. Weil in der Kommunalpolitik die Mühlen langsam mahlen, sind so einige Themen entweder auf Eis gelegt oder erst nach Jahren umgesetzt worden“, erläutert Löchle, zu dessen Aufgaben es auch gehörte, die eine oder andere Aktion zum 25-jährigen Jubiläum des Jugendgemeinderates zu begleiten, Bürger:innen über anstehende Wahlen zu informieren oder das Festival „Rock am Segel“ zu organisieren.


Insgesamt aber war Leon Löchle von der Kommunalpolitik so angetan, dass er schließlich für den Gemeinderat kandidierte. Wieder klappte es im ersten Anlauf. Was ihm nicht nur einen Sitz im Gemeinderat, sondern unter anderem auch im Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales einbrachte. „Als mit Abstand jüngstes Gemeinderatsmitglied habe ich mich auch hier besonders verantwortlich für die nachkommenden Generationen gefühlt“, bemerkt Löchle. „Gleichzeitig habe ich bei Themen weniger stark mitgemischt, bei denen mir die Erfahrung und das Wissen fehlte. Besonders beeindruckt war ich vor allem von denjenigen Mitgliedern, die nach Jahrzehnten im Gemeinderat zu einem regelrechten lebendigen Lexikon geworden sind.“


Auch wenn er insbesondere als Vorsitzender des Jugendgemeinderates die eine oder andere Gemeinderatssitzung mitverfolgte, führte ihn die neue politische Arbeit in eine völlig andere Welt. „In bestimmten Phasen ist das Arbeitspensum immens. Trotz Einführungsworkshops und BWL-Kursen weiß ich noch genau, wie herausfordernd es war, vor einer Haushaltssitzung 400-seitige Dokumente zu durchwälzen und anschließend nicht nur darüber diskutieren, sondern auch abstimmen zu müssen“, berichtet Löchle.

Seit vielen Jahren als Rettungssanitäter im Einsatz

Da er nicht das Gefühl hatte, neben dem Studium und zwei weiteren Jobs der Verantwortung, die die Gemeinderatsarbeit mit sich bringt, gerecht zu werden, legte er sein Amt vorzeitig nieder. „Natürlich war das ein schmerzlicher Schritt, der mir alles andere als leichtgefallen ist. Aber wenn ich etwas mache, dann ganz – oder gar nicht“, betont Löchle. Eigentlich wollte Leon Löchle nach dem Abitur von Praktikum zu Praktikum, um herauszufinden, was das Richtige für ihn ist. Eine Bekannte jedoch machte ihn auf die Möglichkeit eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Singen aufmerksam. Wochen später steuerte er als ausgebildeter Rettungssanitäter einen Krankenwagen und brachte Menschen, die es selbst nicht mehr schaffen, von einem Ort zum nächsten. „Die Rettungswache der Johanniter in Singen ist ziemlich klein, was zugleich aber ihren Charme ausmacht: Da man sich untereinander kennt, fühlt man sich als Teil einer Familie und übernimmt von sich gerne die eine oder andere zusätzliche Aufgabe“, sagt Löchle, der nach und nach den Weg in die Bereitschaft des Bevölkerungsschutzes oder in den Führungsstab für den Sanitätsdienst beim Southside-Festival fand. „Inzwischen verantworte ich dort die gesamte Logistik, was bedeutet, dass ich auf einem Festival mit mehr als 550 Sanitäter:innen ständig die Einsatzkräfte und deren Verpflegung sowie die Materialien und Medikamente im Blick behalten muss“, erklärt Löchle. Um alles im Griff zu haben und Abschied zu nehmen von Zettelwirtschaft und Telefoniererei, war er es auch, der die Bestellvorgänge digitalisierte. Erfüllt von der Arbeit am Patienten, aber auch, weil er unabhängig bleiben wollte, arbeitete er nach dem BFD zunächst als Rettungssanitäter in Vollzeit. „Nach und nach wurde mir bewusst, dass dies nicht der Beruf ist, den ich mein Leben lang machen möchte“, bemerkt Löchle.

SEEQUENZ lässt Traum vom eigenen Festival wahr werden

Also Politik oder Medizin als mögliches Studium? Weit gefehlt! Und es ist auch kein Zufall, dass mittlerweile im Text die Rede von zwei Festivals war. „Ich hatte schon immer den Traum, ein eigenes Festival zu organisieren“, sagt Löchle, der sich an sein erstes Konzerterlebnis erinnert, als wäre es erst gestern gewesen – Nena auf der Bühne, der neunjährige Leon im Publikum. Was also studieren? „Da ist mir der Auftritt eines ehemaligen SPE-Studenten an meiner Schule eingefallen, der über das Studium und Studienleben an der ZU sprach“, erwähnt Löchle. Also kramte er eine Infobroschüre heraus und stieß in der Beschreibung des CCM-Bachelors plötzlich auf das Wort Festivalleitung. „Was mich an dem Studiengang außerdem begeisterte, war die Aussicht auf ein individuell gestaltetes Studium, wodurch sich weitere berufliche Wege eröffnen sollten“, ergänzt Löchle. Umso glücklicher war er dann, als er nach dem Auswahltag die Zusage erhielt. Um sein Studium und sein Leben zu finanzieren, blieb Leon Löchle der Johanniter-Unfall-Hilfe als Werkstudent treu, weitere Tätigkeiten im Team der studentischen Vizepräsidentschaft oder im ZU-Marketing sollten folgen.


Hinzu kommt sein Engagement in den studentischen Initiativen, das bislang ganz im Zeichen der Veranstaltungsorganisation stand. Zunächst noch Eventvorstand beim StudentLounge e.V., wechselte Leon Löchle zum dritten Semester in den Club of International Politics e.V. (CIP), um dort die Zeppelin MUN Society wiederzubeleben, was zur Folge hat, dass nach längerer Ruhepause an einem Wochenende im Herbst wieder eine Simulation der Vereinten Nationen an der ZU stattfindet.


Als im selben Semester über ein Kursangebot ein neues Team für das Nachfolgeevent von Seekult x Lange Nacht der Musik gesucht wurde, war Leon Löchle sofort Feuer und Flamme – konnte er doch endlich seinen Traum realisieren, ein eigenes Festival zu verwirklichen. „Im Gegensatz zum ,Rock am Segel‘-Festival in Radolfzell mussten wir uns um wirklich alles selbst kümmern: vom Namen und Design über Finanzen und Sponsoring bis hin zur Teammotivation“, beschreibt Löchle, der unglaublich froh war, die Gesamtleitung mit Annika Werner zu teilen. „Wir haben perfekt zueinander gepasst. Während sie für das Kreative wie Akquise und Marketing zuständig war, kümmerte ich mich mehr um das Praktische wie Finanzen und Produktion“, erklärt Löchle. Auch wenn letzten Endes unter dem Titel „SEEQUENZ“ und unter dem Motto „Bewegte Horizonte“ ein dreitägiges Festival mit Konzerten und Performances sowie einer Kulturwanderung und einer Galaparty erfolgreich über die Bühne ging, räumt Löchle ein: „Weil ich den Energieaufwand deutlich unterschätzt hatte und nebenher noch mit dem Studium, den beiden Jobs und dem Gemeinderat allerhand zu tun hatte, war ich zeitweise komplett überarbeitet. Und dennoch bleibt mir die Zeit in positiver Erinnerung: Der Kurs und das daraus resultierende Festival sind aus meiner Sicht das Beste, was die ZU so zu bieten hat.“

Engagement in der Hochschulpolitik als nächste Herausforderung?

Da er im Herbst erst in sein fünftes Semester kommt, gleicht seine bisherige Kurswahl einer Entdeckungstour zwischen Kommunikation, Psychologie und Politik. „Was in den nächsten Semestern passiert, steht noch in den Sternen. Jedenfalls freue ich mich erst einmal auf den Sommer, um Energie zu tanken und danach wieder richtig Gas zu geben“, so Löchle. Denn er verrät: „Jetzt, da ich nicht mehr im Gemeinderat aktiv bin, fehlt mir das politische Engagement. In diesem Licht erscheint die Hochschulpolitik besonders reizvoll. Denn es sind nicht nur die Menschen, für die ich mich gerne einsetze, sondern auch Ideen und Werte. Und das Konzept hinter der ZU gehört auf jeden Fall dazu.“

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