
Friedrichshafen. Bei den Top-Managementpositionen kommunaler Unternehmen ist bei den Neuberufungen von Frauen ein drastischer Rückgang von 30,7 auf 23,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Dabei liegen die Städte in Baden-Württemberg mit 25,9 Prozent im Mittelfeld. Die höchsten Werte bei den Neuberufungen weisen Sachsen mit 41,2 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 36,8 Prozent auf, die Schlusslichter bilden Niedersachsen mit 13,0 Prozent und Hessen mit 9,5 Prozent. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen Studie „Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen – Ein deutschlandweiter Städtevergleich“ der Zeppelin Universität (ZU).
Bei der Repräsentation von Frauen in den Führungsetagen in Baden-Württemberg und bundesweit zeigt sich weiterhin eine deutliche Unterrepräsentation. Mit einem Anteil von 24,3 Prozent besetzen baden-württembergische Städte im Schnitt nur knapp jede vierte Spitzenposition mit einer Frau. Damit liegen sie knapp über dem Bundesdurchschnitt von 23,4 Prozent.
Den höchsten Anteil an Frauen im Top-Management erreichen abermals die Städte ostdeutscher Flächenländer (23,8 Prozent), wohingegen der Schnitt in den Städten der westdeutschen Flächenländer (20,6 Prozent) tiefer liegt – allerdings eine Verkleinerung des Ost-West-Gefälles um 2,4 Prozentpunkte zum Vorjahr. Während von den insgesamt 69 untersuchten Städten vier Städte eine Repräsentation von mindestens 40 Prozent erreichen, liegt der Anteil in zwölf Städten unter 10 Prozent, davon in vier Städten bei 0 Prozent. Von den baden-württembergischen Städten liegen Freiburg (37,0 Prozent), Mannheim (28,6 Prozent) und Karlsruhe (27,3 Prozent) über dem kommunalen Schnitt, während Stuttgart (19,2 Prozent) und Heidelberg (3,6 Prozent) weiter unterdurchschnittliche Werte aufweisen.
Alleingeschäftsführungen sind nur zu 24,6 Prozent mit Frauen besetzt. Die Vorsitzfunktion in Mehrpersonenorganen wird nur in 5,3 Prozent der Unternehmen von einer Frau übernommen. Insgesamt liegt die Repräsentation von Frauen in Führungsetagen kommunaler Unternehmen zum vierten Mal in Folge unter dem Niveau der DAX-40-Unternehmen.
Die Autoren Professor Dr. Ulf Papenfuß und Dr. Christian Arno Schmidt vom Lehrstuhl für Public Management & Public Policy an der ZU erklären: „Der massiv gesunkene Frauenanteil bei Neuberufungen verdient besondere Diskussion, da dies der Hebel für die Zukunftsgestaltung ist. Integrierte Führungskräfteentwicklung im ,Konzernverbund Stadt‘, präzise Empfehlungen in Public Corporate Governance Kodizes als Alternative zu starren gesetzlichen Vorgaben und Vergleichsanalysen sind zentral für eine nachhaltige Daseinsvorsorge und chancengerechte Besetzungen.“
Den Status quo der Frauenrepräsentation in öffentlichen Unternehmen haben Professor Dr. Ulf Papenfuß und sein Team im April 2026 erneut untersucht. Analysiert wurden Daten aus 69 Städten sowie von Bund und Ländern und 2.049 öffentlichen Unternehmen mit insgesamt 2.190 Positionen in Geschäftsführung, Leitung und Vorstand von unter anderem Stadtwerken, ÖPNV, Krankenhäusern, Messen, Sozialeinrichtungen sowie IT und Digitalisierung.
Die Studie wird vom „zfm – Zentrum für Management und Personalberatung“ in Bonn und der „AKDB – Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern“ gefördert und bei der Diskussion des Themas in der Praxis begleitet.
Am Freitag, 17. Juli, findet von 9.00 bis 10.30 Uhr eine kostenlose Online-Paneldiskussion anlässlich der Studienveröffentlichung statt.
Die vollständige Studie zum Download sowie den Anmeldelink zur Online-Paneldiskussion finden Sie unter puma.zu.de



