01.04.2024

Studie zur Top-Managementvergütung öffentlicher Rundfunkanstalten erschienen

Am 27.02.2024 ist eine neue Studie des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy erschienen mit dem Titel „Top-Managementvergütung öffentlicher Rundfunkanstalten: Empirische Befunde und Vergleichsgruppe (RFA-Pay)“.


Die vollständige Studie und weitere frei verfügbaren Studien des Lehrstuhls können Sie hier abrufen. Weiter unten in dem News-Beitrag finden Sie bei Interesse auch Zitate für die Medien von Prof. Dr. Ulf Papenfuß.


Die Vergütung von Top-Managementmitgliedern öffentlicher Unternehmen (Mitglieder leitender Organe wie Geschäftsführer:innen, Vorstände, Intendant:innen oder Direktor:innen) ist ein zentraler Faktor für nachhaltige Daseinsvorsorge und Vertrauen in demokratische Institutionen. Sie gilt als Kristallisationspunkt guter Unternehmensführung. Kontroverse Debatten und die intensive Medienberichterstattung unterstreichen die strukturelle Relevanz und Aktualität der Thematik.


Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Höhe, Ausgestaltung und Offenlegung der Top-Managementvergütung bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (nachfolgend „Rundfunkanstalten“) im Branchenvergleich mit anderen öffentlichen Unternehmen zu untersuchen und die Top-Managementvergütung einer Rundfunkanstalt (Südwestrundfunk/SWR) in eine Vergleichsgruppe mit öffentlichen Unternehmen anderer Branchen einzuordnen.


Mit einer personenbezogenen Vergütungsoffenlegung von 94,9 % weisen die Rundfunkanstalten im deutschlandweiten Branchenvergleich mit öffentlichen Unternehmen die höchste Transparenz auf, insbesondere auch bei der Altersversorgung. Diesbezüglich sind sie ein Positivbeispiel – vielfach bleibt die Vergütungstransparenz anderer öffentlicher Unternehmen noch weit hinter den Anforderungen zurück. Dies unterstreicht die Notwendigkeit zur zeitnahen Einführung und anforderungsgerechten Überarbeitung von Transparenzgesetzen und Public Corporate Governance Kodizes. In dieser Studie werden einige klassifizierende Vergleiche aufgrund der Vergütungsintransparenz anhand der Gesamtdirektvergütung vorgenommen, wobei gemäß einschlägiger Anforderungen eventuell integrierte Altersversorgungselemente mitdiskutiert werden müssen.


Die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung pro Kopf liegt bei Intendant:innen und Direktor:innen bei den Rundfunkanstalten im Branchenvergleich zu Bundes- und Landesunternehmen unterhalb von 3 und oberhalb von 8 anderen Branchen – auf kommunaler Ebene unterhalb einer und oberhalb von 14 anderen Branchen. Intendant:innen erhalten durchschnittlich 323.000 Euro und Direktor:innen 235.000 Euro. Eine variable Vergütung ist im Gegensatz zur Mehrheit öffentlicher Unternehmen mit einer Ausnahme nicht Bestandteil der Top-Managementvergütung.


Zur Beurteilung der Top-Managementvergütung ist die anforderungsgerechte Erstellung einer Vergleichsgruppe nach einschlägigen Regelwerken ein Schlüsselthema für Good Governance. In der branchenübergreifenden Vergleichsgruppe dieser Studie liegt die Gesamtdirektvergütung des Intendanten beim SWR bei 393.000 Euro. Bei den Organspitzen der Vergleichsunternehmen (Sprecher:innen, Vorsitzende, Intendant:innen, etc.) liegt sie im Durchschnitt bei 367.000 Euro; 5 Organspitzen liegen über der Vergütung des SWR-Intendanten, 10 unterhalb. Bei den Direktor:innen des SWR liegt die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung bei 245.000 Euro; in der Vergleichsgruppe der Top-Managementmitglieder (ohne Organspitzen) bei 285.000 Euro. Alle Direktor:innen liegen unter der durchschnittlichen Gesamtdirektvergütung der Top-Managementmitglieder ohne Organspitzen. Bei Betrachtung der mit einer transparent beschriebenen Methodik erstellten Vergleichsgruppe liegt die Gesamtdirektvergütung des Intendanten und der Direktor:innen des SWR nicht auffällig höher als bei den anderen ermittelten öffentlichen Unternehmen. Übergreifend zeigt die Studie einen Bedarf für die Rundfunkanstalten und alle Gebietskörperschaften mit öffentlichen Unternehmen, einen Public Corporate Governance Kodex mit klaren Regelungen zur Top-Managementvergütung und zur Erstellung einer Vergleichsgruppe einzuführen.


Von zentraler Bedeutung ist eine Diskussion um „Fair Pay“ und keine Neiddebatte. Die Studie möchte zur Versachlichung und Objektivierung der Diskussion um die Vergütung von Intendant:innen und Direktor:innen der Rundfunkanstalten beitragen. Übergreifend soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung einer faktenbasierten und werteorientierten Entscheidungs- und Transparenzkultur im öffentlichen Sektor und Chancengerechtigkeit geleistet werden


Zitate von Prof. Dr. Ulf Papenfuß für die Medien:

  • „In der Diskussion um Vertrauen in den Staat unterstreichen die vergleichenden Befunde die dringende Notwendigkeit, Transparenzgesetze und Public Corporate Governance Kodizes mit klaren Regelungen überall zeitnah einzuführen. Mittlerweile ist der öffentliche Rundfunk bei der Top-Managementvergütung transparent; an diesem Positivbeispiel für Vergütungstransparenz müssen sich im Kontext öffentlicher Unternehmen nun alle Akteure messen lassen. Schon realisierte Reformen verdienen Lob, in anderen Bereichen ist nun harter Druck im Sinne unserer Demokratie geboten.“
  • „Anforderungsgerechte Vergleichsgruppen für die Top-Managementvergütung sind ein Schlüsselthema für Good Governance. Wie für börsennotierte Unternehmen vorgeschrieben, muss die Top-Managementvergütung wie bereits in einschlägigen Public Corporate Governance Kodizes empfohlen nun bei allen öffentlichen Unternehmen in einer Vergleichsgruppe reflektiert werden.“
  • „Von zentraler Bedeutung ist eine Diskussion um „Fair Pay“ und keine Neiddebatte. Wir möchten mit der Studie zur Versachlichung und Objektivierung der Diskussion beitragen.“

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